Review: 3Dator – Drucken wie am Schnürchen

Neuste Innovationen und Weiterentwicklungen zeichnen die 3D Druck Szene aus. Andere Wege gehen und Ideen ausprobieren, dass wollen viele.
Den Entwicklern von der 3Dator GmbH aus Darmstadt scheint dies geglückt zu sein. Mit Ihrem gleichnamigen Drucker gehen Alexander Schlauer und Moritz Mair genau diese neuen Wege.
Wir konnten den Drucker zwei Wochen lang testen und kennenlernen. Vieles gefiel uns auf Anhieb, andere Sachen wiederrum nicht.

Das System

Eigentlich kommt der 3Dator als Bausatz daher und muss vom Käufer nach einer guten Anleitung aufgebaut werden. Der Vorteil dabei ist, man lernt das System von Grund auf kennen.
Unser Testdrucker kam jedoch bereits montiert zu uns, so dass wir direkt loslegen konnten. Doch bevor es losging, haben wir uns den 3Dator einmal genauer angesehen.

Das Äußere

Von außen sieht der 3Dator durch seine weißen Plexiglasplatten ein wenig dem Ultimaker ähnlich.
Eine durchsichtige Acrylglasplatte, übrigens das neuste Update für den 3Dator, sorgt dafür, dass der Druckraum gegen unbefugten Zugriff gesichert ist. Gleichzeitig bleibt die Wärme im Druckraum erhalten und erleichtert den Druck von Zugluftempfindlichen Materialien, wie z.B. ABS-Filamenten.
Schön und vielleicht schon ein bisschen verspielt ist die LED Beleuchtung, die über das LCD Display geregelt werden kann und den Drucker und den Druckbereich gut ausleuchtet. Startet man einen Druckjob, so wechselt kurzfristig die Beleuchtung die Farbe und es läuft ein roter Streifen die LEDs entlang.
Die Bedienung des gesamten Druckers erfolgt über ein Standard LCD Display ohne viel Schnick-Schnack. Hier sind die wichtigsten Punkte und Einstellungen zu finden.

Der Bauraum

Mit 180mm x 170mm fällt der Druckbereich zumindest in der XY-Richtung recht klein aus. Dafür kann der 3Dator aber mit 270mm in der Höhe punkten.

Die Mechanik

Was beim 3Dator sofort auffällt ist die XY-Core Mechanik, die Stärke und Schwachpunkt des Druckers zugleich ist.
Stärke, weil diese Mechanik ohne die althergebrachten Riemen daher kommt und man stattdessen einen Faden als Übertragungsmedium einsetzt. Hierdurch konnte die gesamte Mechanik auf ein Gewichtsminimum getrimmt werden und lässt somit schnelle Geschwindigkeiten und Beschleunigungen zu.
Schwachpunkt, weil der Faden, wenn man nicht aufpasst, reißen kann und dadurch den gestarteten Druck unbrauchbar macht.

Eine weitere interessante Lösung haben sich die Beiden Inhaber beim Heizbett einfallen lassen.
So ist dies nicht fest mit dem Drucker verbunden, sondern lässt sich mittels Magneten schnell herausnehmen und wechseln. Der Clou dabei ist, das die Stromversorgung und auch die Temperaturüberwachung über die verwendeten Magnethalter übertragen wird. Diese stammen übrigens aus der Modeindustrie und werden bei Handtaschen und Portemonnaies eingesetzt, wie uns Alexander Schlauer verriet.
Was und leider nicht gefiel, war die Z-Achse. Diese wird über einen Schrittmotor mit direkt angebrachter Spindel bewegt. Gerade im Austauschfall eine teure Lösung.
Hier hätte man unserer Meinung nach doch besser auf Einzelkomponenten und einer Kupplung gesetzt.

Der Druckkopf

Im Standard-Bausatz kommt der 3Dator mit einem HotEnd daher, welches mit Airbrush-Düsen als Drückdüsen ausgestattet ist. Diese erlauben durch die Spitze Form ein gutes Druckergebnis und sind schnell und einfach zu tauschen.
Unser Testdrucker hatte aber ein Upgrade auf ein original E3D V6 HotEnd mit Titan-Extruder erhalten, so dass wir das originale HotEnd leider nicht testen konnten.

 

 

 

Die Elektronik

Hauptvorteil der Elektronik ist die quelloffene Gestaltung. So wird als Board das gute alte RAMPS 1.4 eingesetzt, welches um ein paar Funktionen, wie zum Beispiel die LED-Steuerung, erweitert wurde.
Der 3Dator besitzt direkt von Anfang an einen induktiven Sensor fürs Bett-Leveling. Somit entfällt zumindest hier die Möglichkeit das Druckbett mit einer Glasplatte zu versehen, ohne den Sensor auszutauschen.
Als Endschalter sind für die XY-Mechanik elektronische Hall-Endstops eingebaut. Für die Z-Achse wird ein mechanischer Endstop mit Microschalter verwendet.
Als Spannungsversorgung dient ein kleines ATX Netzteil mit 250W Leistung, welches sich wie alle anderen Elektronikkomponenten im Fuß des Druckers befindet.

Wer möchte kann seinen 3Dator noch mit einem Raspberry Pi 3 austatten, um die Druckjobs aus der Ferne zu starten und zu beobachten.

 

Der Preis

Der Bausatz ist für 949,00€ direkt auf der Seite von 3Dator erhältlich und kann je nach Wunsch noch um einige Features, wie zum Beispiel ein Update auf Dual-Extruder, den zuvor genannten Raspberry Pi 3 oder dem Update auf E3D V6 HotEnd inkl. Titan-Extruder erweitert werden.

 

Technische Daten

Druck 
DruckmaterialienPLA, PETG, ABS, HIPS, PVA, NinjaFlex, Laywood, Nylon, …
DrucktechnologieFDM (Fused Deposition Modeling)/FFM
DruckbettBeheiztes 3Dator Easy access Heatbed
Heizbett Temperaturbis zu 95°C
Hot End Temperaturbis zu 260°C
Filamentdurchmesser1,75 mm
Düsendurchmesserwechselbar: 0,2 / 0,3 / 0,5 (in mm)
Abmessungen und Gewicht
Minimale Schichthöhe0.01 mm
Maße Breite x Höhe x Tiefe300 x 465 x 310 (in mm)
Maximale Druckgröße180 x 170 x 270 (in mm)
Gewicht~12 kg
Anschlüsse
Spannungsversorgung110-230V~ 4A 50-60Hz 250 Watt
DateneingangSD Slot (linke Seite), USB Buchse (rückseitig), Bluetooth und WLAN mit Webinterface aufrüstbar
InternI2C (Nutzbar durch eigene Firmwareanpassung)
Software
VerbindungUSB / SD Karte
KompatibilitätWindows
Mac OS X            
Linux
Dateiformatstl, obj, dae, amf, gcode
Firmwareangepasstes Marlin (Quellcode auf Github verfügbar)

 

Testergebnis und Fazit

Alles in allem gefällt uns der 3Dator ganz gut, auch wenn wir anfangs unsere Schwierigkeiten hatten.
So ist, wahrscheinlich durch den Transport, der Antriebsfaden aus seiner Führung gesprungen und nach nur 4 Stunden Druckzeit gerissen. Wir konnten den Fehler aber bereits nach kürzester Zeit, dank des guten Supportes von 3Dator, beheben und die Schnur auswechseln. Als besonders nützlich erwies sich ein kurz zuvor vom Hersteller erstelltes Video zum Einbau der Antriebsschnüre.

Danach ging es weiter und wir konnten uns der Druckgeschwindigkeit widmen. Diese lag mit max. 100mm/Sek. aber eher im Mittelfeld. Was aber nicht die Präzision des Druckers beeinflusste. Diese ist durchweg sehr gut. Alle gedruckten Teile passten in den Maßen und ließen sich problemlos weiterverarbeiten.

Wer also einen formschönen, mittelpreisigen und präzisen Bausatzdrucker sucht, der mit innovativer Technik ausgestattet ist, der ist mit dem 3Dator gut beraten. Uns hat der Test Spaß gemacht und wir freuen uns bald wieder von Neuigkeiten aus dem Hause 3Dator zu hören.

Übrigens, wenn Ihr Euch euren Eigenen 3Dator bauen wollt, die Hersteller haben alle benötigten Dateien auf Ihrer Homepage zum download freigegeben.

Wir geben eine Bewertung mit 4 von 5 Punkten.

 

 

 

Ulrich Saßmannshausen

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.
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