Magazin: ANET A8 – eine ehrliche Meinung

Viele auf der Suche nach dem ersten 3D-Drucker haben von ihm oder seinem großen Bruder schon einmal gehört – die Rede ist vom ANET A8 bzw. dem A6.
Oft werden diese beiden Drucker als vermeintliche Anfängerdrucker genannt und wegen des günstigen Preises als Schnäppchen empfohlen.

Doch wie sieht die Realität aus?

Wir haben selber einen A8 bei gearbest.com bestellt, um zu sehen, was das System kann.

Aufbau des Druckers

Falsch hergestelltes Rahmenteil | Quelle: Facebook [Jens Heß]
Der Aufbau des A8 ist an die erfolgreichen Prusa Drucker angelehnt worden und kommt in offener Bauweise daher.
Der Rahmen besteht, wie bei fast allen Druckern dieser Preisklasse, aus gelaserten Acrylteilen.
Leider kommt es immer wieder zu gebrochenen oder falsch gefertigten Bauteilen, die dann selbst geklebt bzw. nachgearbeitet werden müssen, um den Drucker doch noch aufgebaut zu bekommen.
Eine Reklamation der defekten Teile beim Hersteller versteht sich dabei von selbst.
Ein weiterer großer Nachteil der Acrylteile ist die Stabilität.
Sehr oft lösen sich die Schraubverbindungen der Rahmenteile und selbst dann ist der gesamte Aufbau nicht steif genug und wackelt hin und her, bzw. zieht sich beim Spannen der Antriebsriemen zusammen.
Abhilfe schafft da nur den Rahmen mittels gedruckten Bauteilen zu verstärken, oder direkt als AM8 mit Aluminiumrahmengestell aufzubauen.
Somit ist erst mal Drucken für den Drucker angesagt.

 

 

Lager und Riemen

Die Wellen und Lager des ANET A8 scheinen auf den ersten Blick den Anforderungen gerecht zu werden.
Natürlich sind auch hier wieder sehr günstige Komponenten verbaut, so dass defekte Teile nicht ausgeschlossen werden können.
Wir haben uns im Netz umgesehen und geschaut, was dort empfohlen wird.
Immer wieder liest man von Umbauten auf igus® DryLin®*-Lager um den Drucker laufruhig zu bekommen. Genauso oft liest man von Problemen, die diese Lager mitbringen.
Das Problem ist, dass die igus® DryLin®* -Lager einen leichten Presssitz benötigen, um ihre endgültige Passung herzustellen. Dies kann aber mit den Originalbauteilen nicht oder nur bedingt erreicht werden.  Ein Verkanten und Klemmen der Laufwagen ist die Folge.

Wir empfehlen auf den Umbau mit igus® DryLin®*-Lagern zu verzichten und stattdessen die vorhandenen Lager vorerst nicht aus-  oder Feststoffgleitlager mit Graphiteinlagerungen *einzubauen, da diese eine gute Alternative sind.

Wer seinem ANET zusätzlich noch etwas Gutes tun will, der tauscht die steifen Originalriemen gegen GT2-Riemen mit Glasfasereinlage* aus. Diese sind flexibler und haltbarer als die Mitgelieferten. Wer  Riemenspanner bei den ANET Druckern sucht, der wird enttäuscht. Hier seid Ihr gefragt welche zu drucken, denn ohne wird es ganz schnell problematisch mit sauberen Druckergebnissen.
Als nice-to-have kann man noch die Umlenkrollen gegen Zahnriemenscheiben* tauschen. Unserer Erfahrung nach ist dies aber nicht nötig, da sich das Druckbild nur minimal verbessert.

Die Elektronik

Abgebrannter Hotend-Stecker | Quelle: Facebook [Jan Greth]
Als größte Schwachstelle könnte man jetzt die verwendeten Elektronikkomponenten beschreiben.
So liest man immer wieder von abgerauchten Mainboards*, durchgeschmorten Heizbettsteckern oder kaputten Netzteilen, auch PSU (Power Supply Unit) genannt.
Hier gibt es eine ganze Menge zu verändern.
Als wichtigstes Update solltet Ihr sowohl für das Heizbett, wie auch für das Hotend ein MOSFET * (metal-oxide-semiconductor field-effect transistor) verwenden.
Der MOSFET *  schützt Euer Mainboards* vor dem Durchschmoren, da er, vereinfacht gesagt, die hohen Ströme von Heizbett (11A) und Hotend (3A) nicht über das Board leitet, sondern, wie ein Relais, direkt schaltet.
Neben dem MOSFET* solltet Ihr auch auf eine saubere Verkabelung mit Kabelschuhen und Aderendhülsen achten, damit Ihr keine Kontaktprobleme und damit eventuelle Kurzschlüsse bekommt.
Der Stecker des Heizbettes ist einer der am meisten defekten Bauteile. Dieser wird durch die hohe Strombelastung heiß und verschmort dann während des Benutzens.
Daher  solltet Ihr den verbauten Stecker entweder, mit zwei zusätzlichen Kabeln für die Stromversorgung, erweitern oder ganz gegen hochflexible Silikonleitungen *austauschen.

Tipp: Das Heizbett vor dem Löten im Backofen vorheizen, damit Ihr keine Wärmeverluste über das kalte Aluminium bekommt und dadurch die Lötstellen unsauber werden.

Netzteil mit Lüfter | Quelle: Facebook [Kev Möbius]
Wer übrigens ganz auf Nummer sicher gehen möchte, der tauscht noch das Netzteil gegen ein aktiv gekühltes Server- bzw. LED-Netzteil *aus. Alternativ dazu könnt Ihr einen Lüfter zum Kühlen des Netzteils montieren.

Den Anschluss des Netzteiles solltet Ihr übrigens immer von einem Fachmann machen lassen. Nur eine ausgebildete Elektrofachkraft weiß, worauf man alles achten muss. Fragt doch in Eurem Bekanntenkreis nach, wer beim Anschließen helfen kann.

Kommen wir nochmal zum Mainboard*, ab und an kann es übrigens vorkommen, dass Ihr die Anschlussklemmen nachlöten müsst.

 

 

 

 

 

 

Extruder und Hotend

Ein Filamentwechsel stellt viele Nutzer des ANET A8 immer wieder vor große Probleme, denn der Wechsel ist nicht bzw. kaum ohne Demontage des Extruderkühlers  möglich. Hier gibt es  mittlerweile gute Updates, die man selber herstellen kann.

Ein anderer Trend ist, den ANET auf ein E3D V6 Hotend* umzubauen und mit Bowdenextruder zu betreiben.
Diese Lösung ist unserer Meinung nach nicht optimal, da Ihr mit einem Direktextruder doch bessere Druckergebnisse erzielen könnt. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass der Bowden flexibel ist und nachfedert, was zu unschönen Druckergebnissen führen kann.

Unser Drucker läuft übrigens mit einem E3D V6 Clone * und Direktextruder*. Bis jetzt sind wir mit den erhaltenen Ergebnissen ganz zufrieden.

 

Software / Firmware

Der Anet A8 wird ursprünglich mit Repetier als Firmware ausgeliefert. Hier empfehlen wir das Update auf Skynet bzw. Marlin.
Alleine schon die Thermischen  Sicherheitsfunktionen dieser Firmware sprechen für einen Wechsel.

Anleitungen zum Wechsel findet Ihr hier:

 

Weitere Ergänzungen

Neben den zuvor beschriebenen Verbesserungen, gibt es noch weitere, die dem Drucker keinesfalls schaden. So solltet Ihr das Heizbett nicht wie beschrieben montieren, sondern den H-Träger durchbohren und die Schrauben am Heizbett mit einer Unterlegscheibe fixieren.
Jetzt könnt Ihr ganz einfach das Bett über die Flügelmuttern einstellen.
Wer mag, der kann auch noch Rändelknöpfe für die Flügelmuttern drucken, um diese einfach zu bewegen.
Kabel-, bzw. Energieketten zur Verlegung der Kabel stellen eine schöne Ergänzung dar und helfen alles ordentlich zu montieren.

SELBSTgedruckt-Heizbettverstellung

Fazit

Wir finden, der ANET A8 ist keinesfalls ein „Anfängermodell“, als das er so oft empfohlen wird.
Viel zu groß sind die Enttäuschungen über die schlechten Druckergebnisse, die der ANET aufgrund von Fertigungstoleranzen und anderen Problemen liefert.
Um wiederkehrend gute Drucke zu erzielen benötigt der ANET einiges an Updates und Verbesserungen. Auch einen Hang zum Basteln und Ausprobieren sollte man als Besitzer des A8 haben.
Das einzig Gute daran ist, man lernt die Technik von Anfang an kennen und versteht, welche Zusammenhänge es im 3D Druck gibt.
Wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Geld manch einer in den ANET steckt, um diesen „drucktauglich“ zu machen ist dieser unterm Strich meist sogar teurer als viele Alternativdrucker.
So kommen zu den 150€  schnell Kosten in Höhe von  80 – 100€ für MOSFETs, Netzteil, Kabel, Kabelschuhe etc. dazu. Zusätzlich  muss man die Zeit betrachten, die man zum Drucken von Verstärkungsteilen und Updates benötigt, was ebenfalls Material, Strom usw. kostet.
Schnell kommt man an einen Preis heran, bei dem sich die Anschaffung eines anderen, teureren Druckermodells gelohnt hätte.

Hier könnte man zum Beispiel den XYZ daVinci Mini w* oder den Wanhao Duplicator i3 Plus* nennen.

Und dennoch geben wir dem ANET A8 drei von fünf Punkten.

Wir haben das Modell verflucht und trotzdem lieben gelernt. Wenn er einmal läuft, dann gibt es sogar ganz gute Ergebnisse, auch wenn der Weg dorthin nicht einfach und kostenintensiv ist.

Ulrich Saßmannshausen

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.
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16 Gedanken zu „Magazin: ANET A8 – eine ehrliche Meinung

  • 4. Mai 2018 um 0:44
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    Weiß auch nicht, was der Autor hier hat. Hab vor ein paar Tagen das 2018er Model bekommen. Einzige Optimierung war erstmal Kugellagerfett (für SRAM Nabenschaltung) auf alle Gestänge geschmiert,dann sind auch die billigen Lager ruhig und die Stangen der Z-Achse verkannten nach ordentlichem Ausrichten auch nicht mehr. Einziges Problem ist das Heatbed, was leider verbogen ist, 1,5mm über die Gesamtfläche, aber das lies sich mit einem Glas aus einem Bilderrahmen für 2€ erstmal lösen, bis der Ersatz da ist. Temperaturen auf der Platine sind auch alle ok. Nichts über 50 Grad Celsius. Wenn man CarbonPLA drucken will, sollte man vielleicht einen Lüfter anbringen oder doch auf extra Mosfets wechseln.

    Antwort
  • 24. April 2018 um 21:06
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    Ich finde den A8 genial. Als Einsteigermodel setzt er zwar handwerkliche Fähigkeiten voraus, aber es ist definitiv kein Hexenwerk den A8 erfolgreich zum Laufen zu bringen. Nach dem Aufbau habe ich einige Erweiterungen gleich selber ausgedruckt. So kann man den A8 und die Welt des 3D Druckens spielerisch erlernen. Ich beabsichtige mir nächstens ein zweites Modell zuzulegen. Ein anderes Modell kommt für mich im Moment nicht in Frage.

    Antwort
  • 27. Februar 2018 um 9:04
    Permalink

    Ein toller Test, der fair Stärken und Schwächen hervorhebt. Mosfet und Heizbetproblematik sind extrem wichtig zu erwähnen. Tatsächlich kann man aber mit dem A8 um 130 € (Anet im Flashsale + 6 € Mosfet + 8 € GT2 Riemen) einen Drucker kaufen, der tolle Druckergebnisse liefert. Man muss aber erstmal Zeit in den Drucker investieren. Plug and Play ist der A8 nicht. Der Acrylrahmen ist ein Ärgernis, ohne Versteifungen würde sich ein A8 mit korrekter Riemenspannung selbst zerstören.

    Die Ergebnisse passen aber.
    Hier entsteht gerade ein 1.3m langes RC Flugzeug. Gedruckt mit dem A8:
    https://imgur.com/zDUGh8V

    Antwort
  • 28. Januar 2018 um 16:58
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    Ich habe mit das Modell 2017 zusammengebaut. Die Unkenrufe von überhitzten Netzteilen, zu heißen Kabeln und kokelnden Steckern kann ich bislang nicht bestätigen. Auch nach mehreren Stunden Druck wird das Netz nicht wärmer als 35°C. An den Kühlrippen auf der Platine konnte nirgends mehr als 50°C nachweisen.
    Alles in allem ist der Anet A8 ein gutes Einstiegsmodell. Es führt einem die Probleme des 3D-Drucks vor Augen. Wer keinen Spass daran findet hat nur wenig Geld in den Sand gesetzt. Wer nun Blut gelegt hat, hat eine gute Absprungbasis für Verbesserungen gefunden.
    Man sollte sich in den Foren nicht verrückt machen lassen. Es gibt viele mit Halbwissen, Viertelwissen oder noch weniger Know How, die sich zu Experten aufspielen.
    Meine bisher einzige Ergänzung ist eine Glasplatte, die ich auf dem Hotbed liegen habe. Sie muss vor dem Druck richtig sauber sein, dann haftet die Drucke gut. Nach dem Auskühlen löst sich das Druckobjekt fast von alleine.

    Antwort
    • 26. Februar 2018 um 20:57
      Permalink

      Ich habe auch das neuste Modell 17 aus China bestellt und zusammengebaut, Drucken und Bauen sind ein Riesen spass.
      Elektrische Schwachstellen wie Verbrannte Stecker usw. scheinen Eliminiert zu sein. Ich drucke seit 3 Monaten problemlos.
      Aber, 1 Gewindestange war verbogen, der mitgelieferte Autolevel Sensor ist Ungenau, habe alles wieder demontiert, Bett sauber
      von Hand Nivelliert. Dann das Thema Firmware, beim aufspielen von Skynet ist alles abgerochen, nur USBASP Programmer hat noch geholfen.
      Und zu guter Letzt, ein guter Tipp, immer schön SD Karte abmelden, sonst bricht der Druck Irgendwann mittendrin ab.
      Wie Druckmensch bereits geschrieben hat, der AnetA8 ist meiner Meinung nach ein super Einsteigermodell, aber ganz ohne technisches wissen
      kann er auch schnell zum Frust werden.

      Antwort
  • 23. Januar 2018 um 23:36
    Permalink

    Hab hier heute zufällig reingelesen und hab selber seit einem halben Jahr einen Anet A8 und bin damit top zufrieden.
    Klar muss man etwas investieren um ihn noch sicherer zu machen , aber ich bin trotz diverser An und Umbauten locker unter dem Preis geblieben was ein vergleichbarer fertig aufgebauter gekostet hätte.
    Ich würde ihn jederzeit wieder kaufen.

    Antwort
  • 15. Januar 2018 um 13:34
    Permalink

    die Leute die sich über den Anet A8 beschweren, sind solche die schon bei den einfachsten Ikea regalen an ihre grenzen stoßen was das zusammenbauen angeht. ich habe meine A8 zusammengebaut angemacht und gleich der erste test Würfel war nahe zu perfekt bei 20x20x20 mm
    habe ich einen Würfel mit 20×20,05×20,02 und die seiten sind sehr schön glatt.
    ich denke viel übertreiben und machen es schlimmer. meiner Meinung nach sind 95% der Verbesserungen unnötig

    Antwort
    • 19. Januar 2018 um 21:46
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      Naja, die Optimierung der Kabelführung erachte ich durchaus als Sinnvoll und notwendig. Kabelketten sind z.Bsp. eine solche Verbesserung und schonen die Kabel langfristig da diese sich in den Kabelketten nirgendwo durchscheuern können und auch nicht mehr lose in der Gegend rum hängen.

      Antwort
  • 6. Januar 2018 um 3:07
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    Hab jetzt auch einen und er läuft wie ein Bienchen mit PLA Filament. Bei ABS tut er sich schwer ohne Modifikationen die Temperatur von 110° zu erreichen.

    Da ich Linux Benutzer bin hatte ich anfangs Probleme mit der mitgelieferten Cura Version 14.07 da es diese nur für Windows gibt. Leider lief Sie nicht mit Wine weshalb ich später eine Virtuelle Maschine unter VirtualBox mit dem alternativ Betriebssystem ReactOS 4.7 (Windows XP Nachbau) anlegte und die Cura 14.07 Software dann darin installierte.

    Link: https://4noobs.de/viewtopic.php?f=15&t=104

    Inzwischen hab ich noch weiter Experimentiert und die richtigen Einstellungen für die Cura 3.1 Version zusammengetragen. Selbst das Überwachen und ansteuern der Grundfunktionen per USB funktioniert, allerdings ist das Drucken über USB immer noch nicht Fehlerfrei möglich.

    Immerhin kann ich jetzt unter Ubuntu die Linux Version von Cura 3.1 nutzen und die gcode Dateien generieren und auf SD-Karte schreiben. Hab eine Anleitung für Linux gebastelt wie man die Cura 3.1 unter Ubuntu startet und konfiguriert. Es sind auch meine Profildateien für den Drucker als Download hinterlegt.

    Link: https://4noobs.de/viewtopic.php?f=15&t=101

    Mit Simplify3D hab ich auch experimentiert und kann bestätigen das der Druck über SD-Karte und auch über USB fehlerfrei funktionieren. Wermutstropfen sind die 150$ die das Programm kostet. Daher bastel ich lieber an den Cura Einstellungen weiter rum bis auch Drucken über USB funktioniert 🙂

    Antwort
    • 29. April 2018 um 10:57
      Permalink

      Nimmst doch slic3r die gibt’s für Linux

      Antwort
  • 27. Dezember 2017 um 1:42
    Permalink

    Ich habe mir vor einiger Zeit, ca. 4km Filament, einen Anet A8 bestellt. „Aus Versehen“. Gesucht habe ich nichts, ich war in einem Shoppingrausch, wollte unbedingt was haben was einen vorwärts bringen kann, kam dabei auf das Thema 3D-Druck, an dem ich schon länger interessiert war.
    Damalige 149€ für einen 3D-Drucker? DIY-Kit? WOW! Wie schnell man doch in diese Welt eintauchen kann und darf.
    Der Anleitung wurde strikt gefolgt, einfach aus Unerfahrenheit und Linientreue. Geschadet hat es gewiss nicht, die ersten Drucke waren vollkommen zufriedenstellend, selbst im 10/1mm ….
    Klar gab es Optimierungsdrucke, Erweiterungen (MOSFET + GLASPLATTE), aber die Druckdauer für die Optimierung hat sich in meinem Fall auf ca. 60 Minuten reduziert. Der Drucker steht sehr standfest, das Cooling-Element des Hot-Ends / Extruders wurde entfernt, da durch Entkopplung des HotEnds (über interne Führungshülse), keinerlei Temperaturübertragung statt findet.

    Gekostet hat mich der Anet A8, inklusive diversen Kilo-(Günstig-)Filamenten bisher ca. 230€. Ohne Filamente eher nahe an 170€. Diverses Zubehör kann man sich ohne Probleme, mit etwas Wartezeit, aus Asien versandkostenfrei zusenden lassen.
    MOSFET ist unter 8€ zu haben. Nozzles sind scheinbar Massenware und locker zu unter 2€ per 10Stk. erhältlich und sicher kompatibel mit Druckern die daselbige Gewinde verwenden (Pruse, Makerbot, etc.)

    Stabilitätsprobleme kann ich hier keine verzeichnen. Sämtliche Bench-Drucke wurden verwindungsfrei und absolut innerhalb mikroskopischer Toleranzen gedruckt. Klar ist es kein SLA-Drucker, aber für einen FDM-Drucker, für unter 200€, ist dieses Gerät (sodenn man eine „echten“ Anet A8 erhält, ein absolut großartiges Projekt für Menschen, die sich für das Leben und die Wissenschaft interessieren.
    NICHT geeignet für die Masser der Generationen FACEBOOK/Wikipedia/Youtube etc.

    Urteile erfolgten aufgrund der Druckerfahrung im Bereich 4k+ Meter PLA-Filament mit 1.75mm Durchmesser und hauptsächlich einer Schichtstärke von 0.2mm (2. Platz = 0.1mm Schicht, 3. Platz = 0.3 mm Schichtstärke) mit einer 0.3mm Düse.

    ABS wurde in 0.4mm (Düse) getestet und aus Mangel an Erfahrung derzeit eingestellt. Druckergebnis war unzureichend. (Verwendbar, allerdings verzogen)

    Hört bloß nicht auf zu basteln, zu erforschen, zu probieren, zu testen, zu erfahren, zu modifizieren!!!!
    IHR seid die Zukunft!!!!!

    Antwort
  • 19. Oktober 2017 um 17:39
    Permalink

    Hallo,
    Ich kann der Erfordernis dass man in der Regel 80 bis 120€ reinstecken muss um gute Druckerergebnisse zu erzielen nicht zustimmen.
    Habe einen Anet A8 geschenkt bekommen, nach Videoanleitung aufgebaut und die darin enthaltenen Fehler instinktiv schon übergangen, weil der Aufbau sehr intuitiv ist. Geht man mit der nötigen Sorgfalt beim Aufbau vor, so ist selbst mit dem mitgeliefertem Werkzeug die nötige Stabilität für einen fehlerfreien Druck zu erzielen. Mein Erstdruck war das die Halterung für eine Riemengetriebe. Als Filamentmaterial wurde CarbonX wegen seiner geringen Wasseraufnahmefähigkeit, seinr hohen Festigkeit und des geringen Gewichts gewählt. Bei 0,1mm Schichthöhe mit 0,4mm Noozle und nur 105°C Druckbetttemeperatur waren nur ein paar wenige gezogene Filamentfäden zu entfernen.
    Deutlich war nach dem Druck erkennbar, dass sich die M3-Rahmenschrauben durch die Vibrationen lösen. Dies konnte sehr infach durch senken der Bohrlöcher und den Austausch der Schrauben durch Senkkopfschrauben gelöst werden was kein finanzieller Aufwand war, da die paar Schrauben eh noch von einem anderen Projekt über waren. Die bisher beiden einzigen weiteren Modifikationen sind das mit L-Winkeln festspaksen des Druckers auf eine feuerfeste Resopalplatte und der Austausch der Hotendhalterung, weil diese einfach miserable Design und ausgeführt ist. Die verwendung eines 7475 Flugzeugalustücks (Abfallstück) in 25x25x15mm mit den nötigen Bohrlöchern für das Heizelemen und des Schrauben, ein Bohrloch um den Temepraturfühler möglichst nah an die Noozel zu bringen zzgl ein Bohrloch für dessen Verschrauben sowie das M6-Gewinde für die Noozle samt Filamentführung, waren keine 20min Arbeit und können von jedem Heimwerker ausgeführt werden.

    Durch diese geringen Modifikationen konnte eine konstante Schichthöhe von 0,06mm und durch den Einsatz einer 0,2mm Noozle eine wesentlich feinere Auflösung erreicht werden.
    Der Einsatz hochwertiger Filamente mindestens Abs bis CarbonX (kohlefaserverstärktes Nylon) ermöglicht Drucke in Industriequalität und hängt selbst einen Flashforge in der Druckqualität locker ab, wobei der in der 1000€ Klasse zu finden ist.

    Sorgfältiges zusammenbauen und einfachste Modifikationen ohne großen finanziellen Aufwand sorgen für gute Druckergebnisse.
    Alle weiteren Modifikationen wie Verstärkungsteile oder der Austausch von Lagern, Mainboard, Treibern, Netzteil etc sind alles Optionen die den Drucker noch deutlich verbessern, sind aber für die ersten Gehversuche als Einsteiger nicht notwendig um wirklich in diesem Statdium gute Ergebnisse zu erzielen.

    Für mich steht nach nun erfolgtem Bau einer Einhausung um die Abs-Gerüche einzudämmen, nun erst einmal nur der Austausch des Netzteil gegen ein mit 24A an, da ich PEEK Filament Drucken möchte und somit Druckbetttemperaturen von mehr als 105° benötige. Diese Inverstition von etwa 120€ ist nur dann wirklich notwendig.

    Die Filamentwechselnproblem bei meinem Anet A8, der bei mir mit Bowden-Extruder geliefert wurde kann ich nicht reproduzieren, da ich bisher die Filamente mit aufgeheiztem Extruder einfach durch Druck auf die Federklemme problemlos ausführen konnte. Etwa 50mm Filament gehen dann fürs „Reinigen“ drauf.
    Auch konnte ich nach etwa 3kg verdrucktem Filament noch keine Abnutzungerscheinungen durch die Kohlefasern und damit eine Verschlechterung des Druckergebnisses feststellen.
    Etwaige Probleme mit der Druckbettauflage wie Beschädigungen beim Lösen des Druckguts kann ich ebenfalls nicht berichten. Es ist von UEETEK. Ohne RAFT lassen sich damit selbst Kleinteile von 3mm Auflagefläche drucken und problemlos ablösen.

    Mein Fazit: wer den Anet A8 sorgfältig aufbaut kann damit sofort loslegen. Wer dann etwas Zeit für Modifikationen aufwendet kann ohne großen finanziellen Aufwand auch noch ne Menge mehr herausholen und das nicht nur in Puncto Lernen.

    Antwort
  • 16. Oktober 2017 um 10:32
    Permalink

    Hallo, was ist denn schlecht an dem Drucker. Von 5 Sternen bekommt er bei mir 4. Klar ist es ein Bastelprojekt und kein plag and Play. Wenn man mit genügend Sorgfalt daran geht erhält man ein gleichwertigen Drucker in der Preisklasse bei 1.700 EUR zu finden ist. Sorry, aber der A>net A8 oder A6 wird sehr häufig schlecht geredet und als Müll bezeichnet. Nun ja jeder muss selber wissen was er möchte. Der Anet A8 oder A6 ist für Leute gedacht mit einer Afinität zur Technik. Nichts für absolute Laien und Anfänger. Technisches know how sollte schon vorhanden sein

    Antwort
  • 28. August 2017 um 12:26
    Permalink

    Ich bin mit meinem A8 super zufrieden. Nachdem ich ihn einmal sauber eingestellt habe druckt der super.
    Da einzige, was ich ebenfalls zu bemängeln habe ist tatsächlich der Filamentwechsel. Jedesmal den Lüfter und den Kühlkörper demontieren ist nicht wirklich Praktikabel.
    Ich habe mir nun bei AliExpress für rund 45€ ein paar Bauteile bestellt (2. Extruder, diverse Düsen von 0.2 bis 0.5 mm Durchmesser für 1.75mm und 3mm Filamente) und habe damit die Möglichkeit nach BEdarf beide Filamentstärken zu nutzen. Ob das bei den genannten Alternativen auch so einfach möglich ist weiß ich nicht.
    Was ich auch nicht so ganz nachvollziehen kann sind die Vergleiche des A8 mit dem Davinci Mini und dem Wanhao Duplicator 3D-Druckern. Beide bieten nicht den Bauraum des A8 (A8=22*22*24cm, Davinci=15*15*15cm und der Duplicator mit 20*20*18cm). Wenn, dann sollte man den A8 auch mit Geräten ähnlicher Größe vergleichen. Ich kann auch keinen Smart mit ’nem Golf vergleichen.

    Antwort
  • 24. August 2017 um 7:43
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    Vielen Dank für deinen Bericht. Er deckt sich mit meinen Erfahrungen – Der Anet A8 ist ein wirklich toller Drucker, man muss aber wirklich gewillt sein viele Stunden an dem Gerät herumzubasteln um einerseits das Gerät aufzubauen und dann schrittweise z verbessern. Gerade Anfängern sollte man raten, dass sie deine Tipps bzgl. Kabelinstallation und befolgen.

    Nichtsdestotrotz lernt man unglaublich viel, wenn man gewillt ist, diesem Drucker eine Chance zu geben. Und wenn er erst einmal läuft, richtig kalibriert ist und ein paar Verbesserungen eingebaut wurden, können sich die Ergebnisse sehen lassen.

    Antwort

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