Eure Fragen zum Anycubic Photon

Nachdem ich den Artikel über den Anycubic Photon geschrieben habe, erreichten mich viele Anfragen per Mail und einige hier in den Kommentaren. Zum einen ging es um Testdrucke – welche ich natürlich gerne bearbeitet habe. Zum Anderen hattet ihr noch einige Fragen, die ich gerne einmal hier im Artikel beantworten möchte. *Leider* kam zwischenzeitlich gutes Wetter und ein pflegebedürftiger Garten dazu, sodass sich die Fertigstellung des Artikels etwas hingezogen hat. Also bitte nicht sauer sein, falls genau deine Mail nicht direkt beantwortet wurde – die Antwort bekommst du jetzt.

Belichtungszeiten

Sehr viele von euch wollten wissen, welche Belichtungszeiten für verschiedene Resins benötigt werden. Hierzu möchte ich euch ein Google Sheet verlinken, welches viele Resins und ihre Belichtungszeiten enthält. Die Liste wird von mehreren Leuten bearbeitet und enthält deren Erfahrungswerte. Falls du diese Liste erweitern kannst – tue dies gerne. So profitieren alle davon. Zum Google Sheet kommt ihr hier: docs.google.com

Verwendetes Resin

Ich habe bisher das beiliegende Resin von Anycubic, sowie Industrial Blend schwarz, Snow White und unpigmentiertes Resin von FunToDo verwendet. Da ich bis auf ein paar Testobjekte nur Kundenaufträge damit drucke, kann ich zu weiteren Eigenschaften nichts sagen. Von anderen Nutzern weiss ich, dass auch das Wanhao Resin gut ist. Die Resins unterscheiden sich oft in ihrer Flüssigkeit – manche sind sehr dünn- und manche eher dickflüssig. Bisher hat dies aber keine Auswirkung auf die Härte des gedruckten Objekts, nach dem aushärten. Bei Amazon gibt es viele verschiedene Resins zur Auswahl.

Wie unterscheidet sich Resin von ABS und PLA Filament?

Resin hat eine höhere Temperaturbeständigkeit als ABS und PLA. Zudem sind Resins oft chemiebeständiger. Hier gibt es wie bei Filamenten Unterschiede von Material zu Material. Am besten sollte man in die Datenblätter schauen. Da ich neben drei Testdrucken nur Kundenaufträge gedruckt habe, welche meist Dekoteile waren, kann ich nicht direkt etwas zu den mechanischen Eigenschaften sagen. Im allgemeinen eignet sich Resin aber nicht für mechanisch beanspruchte Bauteile da die Widerstandsfähig- und Haltbarkeit schlecht sind Was die Temperatur- und Chemiekalienbeständigkeit angeht sind manche Resins im Vorteil. Leider ist Resin nicht besonders UV-Beständig, weshalb die Drucke nicht über längere Zeit in der Sonne stehen sollten (nach dem Aushärten).

Nachbearbeitung und Aushärten

UV Kammer
UV Kammer zum Aushärten der Modelle nach dem Druck. Kammer befindet sich noch im Aufbau. Foto und Kammer: Sven O.

Anders als beim FDM Druck, wo man oft bei supportlosen Drucken keine Nachbearbeitung benötigt, wird bei DLP Druck immer Nachbearbeitung nötig sein. Nach dem Druck hängen noch flüssige Resinreste am Objekt und es ist noch nicht vollständig ausgehärtet.
Bei mir sieht die Nachbearbeitung folgendermaßen aus:

  1. Objekt im ersten IPA Bad spülen
  2. Objekt im zweiten IPA Bad spülen
  3. Supports entfernen
  4. Objekt in klarem Wasser spülen
  5. Objekt abtrocknen
  6. Objekt weiter aushärten lassen
UV Kammer
UV Kammer zum Aushärten der Modelle nach dem Druck. Kammer befindet sich noch im Aufbau. Foto und Kammer: Sven O.

Das Aushärten nach dem Reinigen ist notwendig, da das Resin nach dem Druck noch nicht vollstänidg ausgehärtet ist. Man kann das fertige Objekt z.B. an einem sonnigen Ort aushärten lassen. Bisher habe ich das aushärten nach dem Druck auch im Drucker gemacht. Einfach einen Quader „drucken“ ohne das Resin in der Wanne ist.

Auf lange Sicht werde ich mir wohl eine Aushärtungskammer bauen. Sven O. hat mir erlaubt die Bilder seiner noch im Bau befindlichen Aushärtungskammer zu veröffentlichen. Danke Sven. Alternativ nutzen Maker auch Nagellampen. Hier sollte drauf geachtet werden, eine zu nehmen, bei welcher die Belichtungszeit frei einstellbar ist. Ansonsten muss man die Lampe regelmäßig anschalten.

Materialsicherheit nach dem Druck

Die Sicherheitshinweise beziehen sich jeweils auf das flüssige Resin sowie das Resin während des Druckvorganges und solange es nicht gänzlich ausgehärtet ist. Nach dem Härten geht keine Gefahr von den Druckobjekten aus. Wer die Objekte weiterbearbeitet (feilen, sägen etc), sollte sich auch entsprechend schützen, da die Stäube weiterhin gesundheitsschädlich sind und nicht eingeatmet werden sollten.

Was benötigt man ausser dem Drucker noch?

Neben einer Möglichkeit die Drucke auszuhärten werden noch folgende Utensilien benötigt:

Sicherheitsausrüstung:

Verbrauchsmaterial:

Druckerschrank/Abluft

Die Abluftkammer hat viele von euch interessiert, deswegen möchte ich euch hier kurze Infos dazu geben. Die Kammer besteht aus 8mm Spanplatten mit weissem Furnier. Im Schrank ist Platz für den Drucker und den Radiallüfter. Zudem habe ich den Drucker auf einem Brett mit Schubladenschienen gestellt, damit der Schrank nicht so hoch sein muss, wie der Drucker in geöffnetem Zustand. So hat der Schrank aussenmaße von 70x30x30cm. Insgesamt hat der Schrank um die 50 Euro gekostet (ohne den Lüfter, da ich diesen von einem Freund bekommen habe) der Lüfter ist so eingebaut, dass er die Luft direkt über dem Drucker absaugt und über ein CombiDec Abluftrohr nach draussen leitet. Da ich den Abluftschlauch aus dem Fenster hänge ist das CombiDec nur 10cm im Durchmesser. Der Lüfter schaut oben ein wenig aus dem Gehäuse, sodass ich einen Adapter von 12,5cm auf 10cm erstellt habe.

Der Lüfter saugt so stark, dass Zigarettenrauch durch die Schlitze der Tür angesaugt wird. Genau wie ich es mir vorgestellt habe.

Supports

Scheinbar war die Aussage zu den Supportstrukturen etwas irreführend. Mit der Anycubic Software lassen sich die Supports anpassen und auch manuelle hinufügen. Jedoch sind es hier punktuell anliegende baumartige Supports, welche über 3 verschiedene Bereiche verfügen die individualisiert werden können: Top, Middle, Bottom. Mit der Software Meshmixer lassen sich wesentlich bessere Supports erstellen. Die STL kann dann ganz normal in der Anycubic Software gesliced werden ohne das dort Supports aktiviert werden.

Alternativen

Interessiert habt ihr euch auch für Alternativen aus dem FFF Drucker Bereich. Wichtig ist hier anzumerken, dass die Detailgenaugikeit eines SLA/DLP Druckers niemals mit FFF Druck erreicht werden kann. Wer nicht gerade Figuren für seine H0 Eisenbahnstadt drucken möchte, der kann sich meiner Meinung nach mal folgende Drucker anschauen.

Zur Vergleichbarkeit mit anderen DLP Druckern kann ich nichts sagen, da ich bisher keine anderen DLP Drucke in „Real Life“ gesehen habe. Grob kann man sagen, dass sich DLP für sehr detailgetreue kleine Objekte, welche kaum mechanisch beansprucht werden und nicht ständig mit Sonnenlicht in Berührung kommen, eignet. Vor allem für Table Top Spieler kann ein SLA Drucker Sinn machen.

Falls ihr weitere Fragen habt, stellt sie bitte in den Kommentaren. So haben alle was davon! Vielen Dank fürs Lesen!

Review: ANYCUBIC Photon SLA/DLP 3D-Drucker | Gastbeitrag

Vor wenigen Wochen erhielt ich ein großes Paket, dass Ich schon heiß erwartet habe. Ich besitze mehrere 3D-Drucker, die im FDM Verfahren arbeiten.
Doch diesmal war es kein weiterer FDM 3D-Drucker, sondern der Anycubic Photon SLA/DLP 3D-Drucker. Ich war schon seit einiger Zeit an einem DLP Drucker interessiert, jedoch war mir der Einstiegspreis für eines der Geräte von Formlabs zu teuer und der günstige Wanhao schien mir noch nicht ganz ausgereift. Umso mehr war ich gespannt, was mich für den Kaufpreis von 450 Euro erwartet. In 10 Minuten war der erste Druck gestartet.

Kleiner Spoiler: Für Bastler ist dieser Drucker nichts. 
UPDATE: Ich habe einen Beitrag mit Userfragen geschrieben, die aufgrund dieses Beitrags gestellt worden sind. Hier findet ihr den Artikel: 
Userfragen Anycubic Photon.

Auspacken und Lieferumfang

 Es erwartete mich ein sehr ordentlich verpackter Drucker. Im Karton lagen auf einer Schaumstoffschicht das Zubehör, sowie das Netzteil. Unterhalb der ersten Schicht war auch schon der Drucker zu finden, das war es.

Im Lieferumfang befindet sich natürlich der Drucker mit einer Resinwanne, einer Bauplattform und einem Netzteil.

Zudem war folgendes im Paket enthalten:

  • USB Stick
  • 250g Resin grün
  • 1 Mundschutzmaske
  • 3 Paar Gummihandschuhe
  • 10 Papierfilter
  • Bedienungsanleitung
  • Ersatz FEP Folie für die Resinwanne
  • 3 Innensechskant- und ein Kreuzschlitz Schraubendreher
  • 1 Plastikspachtel
  • 5 Extra Schrauben
Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Technische Daten Anycubic Photon SLA/DLP

  • Bildschirm: 2K Auflösung, 0.047mm XY Genauigkeit (2560x1440px)
  • Bauraum: 115mm x 65mm x 155mm
  • Gerätegröße: 220mm x 200mm x 400mm
  • Gewicht: 6,6 kg
  • Technik: LCD Shadow Masking

SLA/DLP – wie bitte?

Kurzer Einblick in das DLP Verfahren: Beim Digital Light Processing wird flüssiges Kunstharz schichtweise durch UV-Strahlung ausgehärtet. Dadurch werden besonders feine Drucke möglich mit kaum bis gar nicht sichtbaren Schichten. 

Im Gegensatz zum FDM Druck wird auf die Bewegung der X- und Y-Achse verzichtet, da diese durch die Projektion der gesamten Schicht dargestellt wird. Lediglich die Bauplattform wird an der Z-Achse angehoben und somit ein dreidimensionales Objekt aufgebaut.
Der Vorteil ist, dass es theoretisch möglich ist, mehrere Objekte in gleicher Zeit zu drucken wie ein einzelnes Bauteil, da die Druckzeit maßgeblich von der Belichtungszeit bestimmt wird.

Das hier angewendete Shadow Masking Verfahren bedeutet, dass unter dem LCD Bildschirm eine UV-Lampe sitzt. Das LCD-Display erzeugt einen Schatten und lässt nur den Bereich in der Resinwanne aushärten der nicht im Schatten liegt.

Das Wichtigste zuerst – die Sicherheit

Kunstharz oder Resin, wie es meist genannt wird, ist ein gesundheitsgefährdender Stoff.
Dem Datenblatt können folgende Sicherheitshinweise entnommen werden:

 Gefahrenhinweise:

  • H315 Verursacht Hautreizungen
  • H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • H319 Verursacht schwere Augenreizung
  • H411 Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.

Sicherheitshinweise:

  • P102 Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen
  • P273 Freisetzung in die Umwelt vermeiden
  • P280 Schutzhandschuhe, Augen- und Gesichtsschutz tragen
  • P302+P352 BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: Mit viel Wasser waschen
  • P333+P313 Bei Hautreizung oder -ausschlag: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • P305+P351+P338 BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen.
  • P501 Inhalt/Behälter in Übereinstimmung mit den nationalen Vorschriften einer Entsorgung zuführen.

Zusätzliche Sicherheitshinweise:

  • P261 Einatmen von Dampf/Aerosol vermeiden
  • P264 Nach Handhabung kontaminierte Haut gründlich waschen
  • P272 Kontaminierte Arbeitskleidung nicht außerhalb des Arbeitsplatzes tragen
  • P337+P313 Bei anhaltender Augenreizung: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • P362+P364 Kontaminierte Kleidung ausziehen und vor erneutem Tragen waschen
  • P391 Ausgetretene Mengen auffangen

Also eine ausgesprochen große Litanei an Hinweisen und Ratschlägen, die dringend eingehalten werden sollten.

Bildergallerie

Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Geruch

Der Geruch, der beim Umgang mit Resin entsteht, ist unangenehmer als der von ABS.
Ebenso breitet er sich stärker durch geschlossene Türen aus. Ich arbeite nur mit einer A3P3 Gasmaske, sowie im Arbeitskittel.
Der Drucker verfügt zwar über einen Aktivkohlefilter und der entsprechende Lüfter arbeitet auch ordentlich, jedoch ist der Geruch trotzdem unangenehm. Für den Gebrauch in einer kleinen Wohnung, halte ich den Drucker für ungeeignet.
Wer eine Werkstatt, ein Arbeitszimmer oder einen Keller hat, sollte trotzdem über eine Absaugung nachdenken. Dies ist nur meine Meinung. Ich persönlich möchte meine Gesundheit nicht kaputt machen.

Umdenken beim Drucken und Slicen

Alle die bisher nur mit einem FDM 3D Drucker arbeiteten, werden sich erst mal umgewöhnen müssen denke ich. Zum einen ist die Orientierung des Models auf der Druckplatte etwas anders. Beim FDM Druck wird meist eine möglichst große Auflagefläche gewählt. Hingegen kann es beim DLP Druck sinnvoller sein ein Objekt auf eine Kante zu stellen. Auch die Supporte sind etwas anders, da sie nur punktuell am Objekt anliegen. 

Des Weiteren ist das „Zuschauen“ beim Druck etwas schwieriger, bzw. erst ab einer gewissen Druckhöhe möglich. Die beim 3D Druck wichtige erste Schicht zu beobachten ist nicht möglich. Dies liegt daran, dass die Baufläche in die Resinwanne eintaucht und somit den Blick versperrt.
Wenn man Resin von anderen Herstellern verwendet, kann es mühsam sein, die richtige Belichtungszeit zu finden. Jedes Resin und jede Schichtdicke verlangt eine andere Belichtungszeit, die benötigt wird, um es auszuhärten.

Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Software

Anycubic liefert eine proprietäre Software Namens, wer hätte es gedacht, „Anycubic Photon Slicer“. Die erzeugten Druckdaten werden als photon Dateien abgespeichert.

Mir scheint die Sotfware sehr auf einfache Bedienung ausgelegt, jedoch bieten die „Supporteinstellungen“ eine reiche Auswahl: Autosupport, Verschiedene Supportarten, die angepasst werden können, manuelle Supports hinzufügen, Supports entfernen. Ich weiß nicht ob andere Slicer für DLP Drucke da mehr bieten, vorstellen kann ich es mir. Eine „Automatische Ausrichtung“ des Objekts für den Druck wäre gut.

Nach dem Slicen steckt man den Stick in den Drucker und kann über den Vollfarb-Touchscreen den Druck starten.

Druckbeispiele

Leider kann ich die meisten Drucke nicht zeigen, da Sie im Kundenauftrag gedruckt wurden. Aber hier ein paar Eindrücke von den ersten Drucken.

Fazit

Wenn man die mit Frust behaftete Zeit übersteht, die zum Einstellen der Belichtungszeit für unterschiedliche Resins anfällt, erhält man wunderschöne Drucke.
Der Drucker verbraucht während des Drucks konstant 40Watt. Wenn der Netzschalter aus ist, wird noch ein Watt gezogen. Zum Vergleich: Der Prusa I3 MK3 zieht auch mal 200Watt beim Aufheizen und während des Drucks um die 130Watt.

Aus Sicherheitsgründen würde ich die Nutzung in Privatwohnungen nicht empfehlen – es sei denn ihr wollt eure Gesundheit gefährden. Ich habe mir einen Abluftschrank gebaut – sicherheitshalber.

Ich nutze folgenden Lüfter (http://amzn.to/2IpXMW3)

Wenn ihr Interesse an einem Probedruck habt, könnt ihr gerne eine E-Mail an info@kolbers.de senden. Für weitere Fragen könnt ihr die Kommentarfunktion nutzen – ich werde versuchen jeden Tag reinzuschauen.

Bewertung
Gesamtbewertung 4,5 / 5
Zusammenbau 5 / 5
Mechanik / Elektronik 5 / 5
Ausstattung 4,5 / 5
Druckqualität 4,5 / 5
Preis / Leistung 4,5 / 5
Lautstärke 4 / 5