Eure Fragen zum Anycubic Photon

Nachdem ich den Artikel über den Anycubic Photon geschrieben habe, erreichten mich viele Anfragen per Mail und einige hier in den Kommentaren. Zum einen ging es um Testdrucke – welche ich natürlich gerne bearbeitet habe. Zum Anderen hattet ihr noch einige Fragen, die ich gerne einmal hier im Artikel beantworten möchte. *Leider* kam zwischenzeitlich gutes Wetter und ein pflegebedürftiger Garten dazu, sodass sich die Fertigstellung des Artikels etwas hingezogen hat. Also bitte nicht sauer sein, falls genau deine Mail nicht direkt beantwortet wurde – die Antwort bekommst du jetzt.

Belichtungszeiten

Sehr viele von euch wollten wissen, welche Belichtungszeiten für verschiedene Resins benötigt werden. Hierzu möchte ich euch ein Google Sheet verlinken, welches viele Resins und ihre Belichtungszeiten enthält. Die Liste wird von mehreren Leuten bearbeitet und enthält deren Erfahrungswerte. Falls du diese Liste erweitern kannst – tue dies gerne. So profitieren alle davon. Zum Google Sheet kommt ihr hier: docs.google.com

Verwendetes Resin

Ich habe bisher das beiliegende Resin von Anycubic, sowie Industrial Blend schwarz, Snow White und unpigmentiertes Resin von FunToDo verwendet. Da ich bis auf ein paar Testobjekte nur Kundenaufträge damit drucke, kann ich zu weiteren Eigenschaften nichts sagen. Von anderen Nutzern weiss ich, dass auch das Wanhao Resin gut ist. Die Resins unterscheiden sich oft in ihrer Flüssigkeit – manche sind sehr dünn- und manche eher dickflüssig. Bisher hat dies aber keine Auswirkung auf die Härte des gedruckten Objekts, nach dem aushärten. Bei Amazon gibt es viele verschiedene Resins zur Auswahl.

Wie unterscheidet sich Resin von ABS und PLA Filament?

Resin hat eine höhere Temperaturbeständigkeit als ABS und PLA. Zudem sind Resins oft chemiebeständiger. Hier gibt es wie bei Filamenten Unterschiede von Material zu Material. Am besten sollte man in die Datenblätter schauen. Da ich neben drei Testdrucken nur Kundenaufträge gedruckt habe, welche meist Dekoteile waren, kann ich nicht direkt etwas zu den mechanischen Eigenschaften sagen. Im allgemeinen eignet sich Resin aber nicht für mechanisch beanspruchte Bauteile da die Widerstandsfähig- und Haltbarkeit schlecht sind Was die Temperatur- und Chemiekalienbeständigkeit angeht sind manche Resins im Vorteil. Leider ist Resin nicht besonders UV-Beständig, weshalb die Drucke nicht über längere Zeit in der Sonne stehen sollten (nach dem Aushärten).

Nachbearbeitung und Aushärten

UV Kammer
UV Kammer zum Aushärten der Modelle nach dem Druck. Kammer befindet sich noch im Aufbau. Foto und Kammer: Sven O.

Anders als beim FDM Druck, wo man oft bei supportlosen Drucken keine Nachbearbeitung benötigt, wird bei DLP Druck immer Nachbearbeitung nötig sein. Nach dem Druck hängen noch flüssige Resinreste am Objekt und es ist noch nicht vollständig ausgehärtet.
Bei mir sieht die Nachbearbeitung folgendermaßen aus:

  1. Objekt im ersten IPA Bad spülen
  2. Objekt im zweiten IPA Bad spülen
  3. Supports entfernen
  4. Objekt in klarem Wasser spülen
  5. Objekt abtrocknen
  6. Objekt weiter aushärten lassen
UV Kammer
UV Kammer zum Aushärten der Modelle nach dem Druck. Kammer befindet sich noch im Aufbau. Foto und Kammer: Sven O.

Das Aushärten nach dem Reinigen ist notwendig, da das Resin nach dem Druck noch nicht vollstänidg ausgehärtet ist. Man kann das fertige Objekt z.B. an einem sonnigen Ort aushärten lassen. Bisher habe ich das aushärten nach dem Druck auch im Drucker gemacht. Einfach einen Quader „drucken“ ohne das Resin in der Wanne ist.

Auf lange Sicht werde ich mir wohl eine Aushärtungskammer bauen. Sven O. hat mir erlaubt die Bilder seiner noch im Bau befindlichen Aushärtungskammer zu veröffentlichen. Danke Sven. Alternativ nutzen Maker auch Nagellampen. Hier sollte drauf geachtet werden, eine zu nehmen, bei welcher die Belichtungszeit frei einstellbar ist. Ansonsten muss man die Lampe regelmäßig anschalten.

Materialsicherheit nach dem Druck

Die Sicherheitshinweise beziehen sich jeweils auf das flüssige Resin sowie das Resin während des Druckvorganges und solange es nicht gänzlich ausgehärtet ist. Nach dem Härten geht keine Gefahr von den Druckobjekten aus. Wer die Objekte weiterbearbeitet (feilen, sägen etc), sollte sich auch entsprechend schützen, da die Stäube weiterhin gesundheitsschädlich sind und nicht eingeatmet werden sollten.

Was benötigt man ausser dem Drucker noch?

Neben einer Möglichkeit die Drucke auszuhärten werden noch folgende Utensilien benötigt:

Sicherheitsausrüstung:

Verbrauchsmaterial:

Druckerschrank/Abluft

Die Abluftkammer hat viele von euch interessiert, deswegen möchte ich euch hier kurze Infos dazu geben. Die Kammer besteht aus 8mm Spanplatten mit weissem Furnier. Im Schrank ist Platz für den Drucker und den Radiallüfter. Zudem habe ich den Drucker auf einem Brett mit Schubladenschienen gestellt, damit der Schrank nicht so hoch sein muss, wie der Drucker in geöffnetem Zustand. So hat der Schrank aussenmaße von 70x30x30cm. Insgesamt hat der Schrank um die 50 Euro gekostet (ohne den Lüfter, da ich diesen von einem Freund bekommen habe) der Lüfter ist so eingebaut, dass er die Luft direkt über dem Drucker absaugt und über ein CombiDec Abluftrohr nach draussen leitet. Da ich den Abluftschlauch aus dem Fenster hänge ist das CombiDec nur 10cm im Durchmesser. Der Lüfter schaut oben ein wenig aus dem Gehäuse, sodass ich einen Adapter von 12,5cm auf 10cm erstellt habe.

Der Lüfter saugt so stark, dass Zigarettenrauch durch die Schlitze der Tür angesaugt wird. Genau wie ich es mir vorgestellt habe.

Supports

Scheinbar war die Aussage zu den Supportstrukturen etwas irreführend. Mit der Anycubic Software lassen sich die Supports anpassen und auch manuelle hinufügen. Jedoch sind es hier punktuell anliegende baumartige Supports, welche über 3 verschiedene Bereiche verfügen die individualisiert werden können: Top, Middle, Bottom. Mit der Software Meshmixer lassen sich wesentlich bessere Supports erstellen. Die STL kann dann ganz normal in der Anycubic Software gesliced werden ohne das dort Supports aktiviert werden.

Alternativen

Interessiert habt ihr euch auch für Alternativen aus dem FFF Drucker Bereich. Wichtig ist hier anzumerken, dass die Detailgenaugikeit eines SLA/DLP Druckers niemals mit FFF Druck erreicht werden kann. Wer nicht gerade Figuren für seine H0 Eisenbahnstadt drucken möchte, der kann sich meiner Meinung nach mal folgende Drucker anschauen.

Zur Vergleichbarkeit mit anderen DLP Druckern kann ich nichts sagen, da ich bisher keine anderen DLP Drucke in „Real Life“ gesehen habe. Grob kann man sagen, dass sich DLP für sehr detailgetreue kleine Objekte, welche kaum mechanisch beansprucht werden und nicht ständig mit Sonnenlicht in Berührung kommen, eignet. Vor allem für Table Top Spieler kann ein SLA Drucker Sinn machen.

Falls ihr weitere Fragen habt, stellt sie bitte in den Kommentaren. So haben alle was davon! Vielen Dank fürs Lesen!

Review: ANYCUBIC Photon SLA/DLP 3D-Drucker | Gastbeitrag

Vor wenigen Wochen erhielt ich ein großes Paket, dass Ich schon heiß erwartet habe. Ich besitze mehrere 3D-Drucker, die im FDM Verfahren arbeiten.
Doch diesmal war es kein weiterer FDM 3D-Drucker, sondern der Anycubic Photon SLA/DLP 3D-Drucker. Ich war schon seit einiger Zeit an einem DLP Drucker interessiert, jedoch war mir der Einstiegspreis für eines der Geräte von Formlabs zu teuer und der günstige Wanhao schien mir noch nicht ganz ausgereift. Umso mehr war ich gespannt, was mich für den Kaufpreis von 450 Euro erwartet. In 10 Minuten war der erste Druck gestartet.

Kleiner Spoiler: Für Bastler ist dieser Drucker nichts. 
UPDATE: Ich habe einen Beitrag mit Userfragen geschrieben, die aufgrund dieses Beitrags gestellt worden sind. Hier findet ihr den Artikel: 
Userfragen Anycubic Photon.

Auspacken und Lieferumfang

 Es erwartete mich ein sehr ordentlich verpackter Drucker. Im Karton lagen auf einer Schaumstoffschicht das Zubehör, sowie das Netzteil. Unterhalb der ersten Schicht war auch schon der Drucker zu finden, das war es.

Im Lieferumfang befindet sich natürlich der Drucker mit einer Resinwanne, einer Bauplattform und einem Netzteil.

Zudem war folgendes im Paket enthalten:

  • USB Stick
  • 250g Resin grün
  • 1 Mundschutzmaske
  • 3 Paar Gummihandschuhe
  • 10 Papierfilter
  • Bedienungsanleitung
  • Ersatz FEP Folie für die Resinwanne
  • 3 Innensechskant- und ein Kreuzschlitz Schraubendreher
  • 1 Plastikspachtel
  • 5 Extra Schrauben
Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Technische Daten Anycubic Photon SLA/DLP

  • Bildschirm: 2K Auflösung, 0.047mm XY Genauigkeit (2560x1440px)
  • Bauraum: 115mm x 65mm x 155mm
  • Gerätegröße: 220mm x 200mm x 400mm
  • Gewicht: 6,6 kg
  • Technik: LCD Shadow Masking

SLA/DLP – wie bitte?

Kurzer Einblick in das DLP Verfahren: Beim Digital Light Processing wird flüssiges Kunstharz schichtweise durch UV-Strahlung ausgehärtet. Dadurch werden besonders feine Drucke möglich mit kaum bis gar nicht sichtbaren Schichten. 

Im Gegensatz zum FDM Druck wird auf die Bewegung der X- und Y-Achse verzichtet, da diese durch die Projektion der gesamten Schicht dargestellt wird. Lediglich die Bauplattform wird an der Z-Achse angehoben und somit ein dreidimensionales Objekt aufgebaut.
Der Vorteil ist, dass es theoretisch möglich ist, mehrere Objekte in gleicher Zeit zu drucken wie ein einzelnes Bauteil, da die Druckzeit maßgeblich von der Belichtungszeit bestimmt wird.

Das hier angewendete Shadow Masking Verfahren bedeutet, dass unter dem LCD Bildschirm eine UV-Lampe sitzt. Das LCD-Display erzeugt einen Schatten und lässt nur den Bereich in der Resinwanne aushärten der nicht im Schatten liegt.

Das Wichtigste zuerst – die Sicherheit

Kunstharz oder Resin, wie es meist genannt wird, ist ein gesundheitsgefährdender Stoff.
Dem Datenblatt können folgende Sicherheitshinweise entnommen werden:

 Gefahrenhinweise:

  • H315 Verursacht Hautreizungen
  • H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • H319 Verursacht schwere Augenreizung
  • H411 Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.

Sicherheitshinweise:

  • P102 Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen
  • P273 Freisetzung in die Umwelt vermeiden
  • P280 Schutzhandschuhe, Augen- und Gesichtsschutz tragen
  • P302+P352 BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: Mit viel Wasser waschen
  • P333+P313 Bei Hautreizung oder -ausschlag: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • P305+P351+P338 BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen.
  • P501 Inhalt/Behälter in Übereinstimmung mit den nationalen Vorschriften einer Entsorgung zuführen.

Zusätzliche Sicherheitshinweise:

  • P261 Einatmen von Dampf/Aerosol vermeiden
  • P264 Nach Handhabung kontaminierte Haut gründlich waschen
  • P272 Kontaminierte Arbeitskleidung nicht außerhalb des Arbeitsplatzes tragen
  • P337+P313 Bei anhaltender Augenreizung: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • P362+P364 Kontaminierte Kleidung ausziehen und vor erneutem Tragen waschen
  • P391 Ausgetretene Mengen auffangen

Also eine ausgesprochen große Litanei an Hinweisen und Ratschlägen, die dringend eingehalten werden sollten.

Bildergallerie

Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Geruch

Der Geruch, der beim Umgang mit Resin entsteht, ist unangenehmer als der von ABS.
Ebenso breitet er sich stärker durch geschlossene Türen aus. Ich arbeite nur mit einer A3P3 Gasmaske, sowie im Arbeitskittel.
Der Drucker verfügt zwar über einen Aktivkohlefilter und der entsprechende Lüfter arbeitet auch ordentlich, jedoch ist der Geruch trotzdem unangenehm. Für den Gebrauch in einer kleinen Wohnung, halte ich den Drucker für ungeeignet.
Wer eine Werkstatt, ein Arbeitszimmer oder einen Keller hat, sollte trotzdem über eine Absaugung nachdenken. Dies ist nur meine Meinung. Ich persönlich möchte meine Gesundheit nicht kaputt machen.

Umdenken beim Drucken und Slicen

Alle die bisher nur mit einem FDM 3D Drucker arbeiteten, werden sich erst mal umgewöhnen müssen denke ich. Zum einen ist die Orientierung des Models auf der Druckplatte etwas anders. Beim FDM Druck wird meist eine möglichst große Auflagefläche gewählt. Hingegen kann es beim DLP Druck sinnvoller sein ein Objekt auf eine Kante zu stellen. Auch die Supporte sind etwas anders, da sie nur punktuell am Objekt anliegen. 

Des Weiteren ist das „Zuschauen“ beim Druck etwas schwieriger, bzw. erst ab einer gewissen Druckhöhe möglich. Die beim 3D Druck wichtige erste Schicht zu beobachten ist nicht möglich. Dies liegt daran, dass die Baufläche in die Resinwanne eintaucht und somit den Blick versperrt.
Wenn man Resin von anderen Herstellern verwendet, kann es mühsam sein, die richtige Belichtungszeit zu finden. Jedes Resin und jede Schichtdicke verlangt eine andere Belichtungszeit, die benötigt wird, um es auszuhärten.

Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Software

Anycubic liefert eine proprietäre Software Namens, wer hätte es gedacht, „Anycubic Photon Slicer“. Die erzeugten Druckdaten werden als photon Dateien abgespeichert.

Mir scheint die Sotfware sehr auf einfache Bedienung ausgelegt, jedoch bieten die „Supporteinstellungen“ eine reiche Auswahl: Autosupport, Verschiedene Supportarten, die angepasst werden können, manuelle Supports hinzufügen, Supports entfernen. Ich weiß nicht ob andere Slicer für DLP Drucke da mehr bieten, vorstellen kann ich es mir. Eine „Automatische Ausrichtung“ des Objekts für den Druck wäre gut.

Nach dem Slicen steckt man den Stick in den Drucker und kann über den Vollfarb-Touchscreen den Druck starten.

Druckbeispiele

Leider kann ich die meisten Drucke nicht zeigen, da Sie im Kundenauftrag gedruckt wurden. Aber hier ein paar Eindrücke von den ersten Drucken.

Fazit

Wenn man die mit Frust behaftete Zeit übersteht, die zum Einstellen der Belichtungszeit für unterschiedliche Resins anfällt, erhält man wunderschöne Drucke.
Der Drucker verbraucht während des Drucks konstant 40Watt. Wenn der Netzschalter aus ist, wird noch ein Watt gezogen. Zum Vergleich: Der Prusa I3 MK3 zieht auch mal 200Watt beim Aufheizen und während des Drucks um die 130Watt.

Aus Sicherheitsgründen würde ich die Nutzung in Privatwohnungen nicht empfehlen – es sei denn ihr wollt eure Gesundheit gefährden. Ich habe mir einen Abluftschrank gebaut – sicherheitshalber.

Ich nutze folgenden Lüfter (http://amzn.to/2IpXMW3)

Wenn ihr Interesse an einem Probedruck habt, könnt ihr gerne eine E-Mail an info@kolbers.de senden. Für weitere Fragen könnt ihr die Kommentarfunktion nutzen – ich werde versuchen jeden Tag reinzuschauen.

Bewertung
Gesamtbewertung 4,5 / 5
Zusammenbau 5 / 5
Mechanik / Elektronik 5 / 5
Ausstattung 4,5 / 5
Druckqualität 4,5 / 5
Preis / Leistung 4,5 / 5
Lautstärke 4 / 5

Review: Anycubic I3 Mega – made of steel

Auch im neuen Jahr wollen wir euch wieder mit neuen Infos aus der 3D-Druckszene versorgen und fangen direkt mit dem Review des Anycubic I3 Mega an, den wir vor ca. 4 Wochen als Testgerät von Gearbest erhalten haben.

Vielleicht noch ein paar Worte vorweg.
Auch wenn wir diesen Drucker von Gearbest als Testgerät bekommen haben, bewerten wir stets neutral und schreiben auch über Dinge die uns nicht gefallen.
So haben wir auch bei diesem Gerät wieder einige Punkte gefunden, die uns gefallen und nicht gefallen haben.
Wir hoffen ihr bleibt uns weiterhin treu und wünschen euch nun viel Spaß beim Lesen unseres Testberichts.

Inhaltsverzeichnis

Verpackung, Versand und Inhalt

Verpackung (1)

Gut verpackt erreicht uns der Anycubic I3 Mega nach ca. einer Woche, da Gearbest ihn aus dem neuen Tschechischen Lager versandt hat.

Alleine schon der Karton, in dem der Drucker geliefert wird, macht einen guten Eindruck. Die stabile Pappe und die gute Verklebung scheinen den Drucker gut zu schützen.
Innen erwarten uns mal wieder ganz viel Schaumstoff und Plastiktüten und lässt unsere Wertstofftonne fast platzen.
Alles ist sehr passgenau verpackt, so dass Beschädigungen fast auszuschließen sind.
Neben dem Drucker erwartet uns such eine prallgefüllte Tüte mit Werkzeug und Ersatzteilen, wie z.B. ein komplettes Hotend und einem Endstop.
Eine Rolle schwarzes PLA, eine 8GB SD-Karte und das obligatorische USB-Kabel liegen dem Gesamtpaket ebenfalls dabei, so dass es direkt mit dem Drucken losgehen kann.

Mechanischer Aufbau des Druckers

Der mechanische Aufbau des Anycubic I3 Mega hält sich, wie es bereits der Name erahnen lässt, an das Prinzip des Prusa i3.
Das bedeutet aber auch, dass das Druckbett gleichzeitig als Y-Achse dient und somit das Bauteil bewegt wird, was sich auf die Druckgeschwindigkeit auswirkt.
Schneller als 80-100 mm/s solltet ihr ohnehin nicht mit dem I3 Mega drucken, worauf wir aber gleich zu sprechen kommen.

Was beim Anycubic I3 Mega direkt auffällt ist, dass der gesamte Drucker ziemlich bullig und wuchtig daherkommt. Dies liegt in der besonderen Aufbauweise des Druckers, denn der Drucker besteht nicht aus einem Rahmen aus Acryl oder Aluminiumprofilen. Alle Gehäuse und Rahmenteile bestehen aus gekanteten und schwarz-pulverbeschichteten Blechen, welche miteinander verschweißt oder verschraubt sind.
Man findet am Anycubic I3 Mega kein einziges gedrucktes Bauteil. Alle Linearlager, Stangen und Motoren sind mit den Blechkomponenten verbunden.

Leider hat dieser Blechaufbau auch einen entscheidenden Nachteil: es entstehen bei schnellen Druckgeschwindigkeiten Schwingungen, die sich leider in Klappergeräuschen und Fehlern auf dem Bauteil bemerkbar machen. Besonders durch die Winkelkantung des Portalrahmens kommt dieser nicht an die Steifigkeit eines Aluminiumprofilrahmens heran.  Deshalb sollte die Druckgeschwindigkeit, wie bereits erwähnt, nicht allzu schnell gewählt werden.

Es gibt aber auch Sachen, die uns am I3 Mega wirklich gut gefallen:
Alle Linearlager scheinen ausreichend groß dimensioniert zu sein und auch die Grundplatte des Heizbettes macht einen guten Eindruck, was sich beim Leveln des Druckers sehr positiv auswirkt.
Ebenfalls weicht man von den beliebten Federkupplungen an den Z-Spindeln ab und hat stattdessen starre Kupplungen zwischen Motoren und Gewindespindeln verbaut.

Eine tolle Sache ist auch das automatische Ausrichten der Z-Achse.
Einmal in Ihrer Höhe nivelliert fährt die Z-Achse immer wieder auf den gleichen Ausganswert zurück, selbst wenn ihr mal eine Seite verdrehen solltet.
Dies wird durch zwei Endschalter und die getrennte Versorgung der Steppermotoren mit jeweils einem eigenen Treiber erreicht.

Zusammenbau

Vormontierte Module machen den Aufbau denkbar einfach.

Der Zusammenbau des Anycubic I3 Mega ist innerhalb von fünf Minuten erledigt, denn es müssen nur zwei bereits vormontierte Module miteinander verschraubt werden.
Das eine Modul ist das Unterteil mit Steuereinheit und Y-Achse, das andere Modul ist das, nennen wir es mal „Portal“, mit der X und Z-Achse. Auch der Extruder sitzt bereits fertig montiert an der X-Achse und braucht, wie alle anderen Komponenten nicht mehr verkabelt werden.

Das Zusammensetzen der beiden Komponenten ist denkbar einfach. Man stellt das Portalmodul auf eine Tischplatte, setzt das Unterteil hinein und verschraubt alles mit insgesamt acht Schrauben.

Die Verkabelung der beiden Module ist noch einfacher.
Seitlich befindet sich am Unterteil ein Anschlussmodul in dem alle Kabel vom Portal eingesteckt werden. Durch unterschiedliche Steckergrößen und Farben ist ein Verwechseln so gut wie ausgeschlossen.

Das war es! Schon hat man einen fast betriebsbereiten Drucker vor sich.

Da der Anycubic I3 Mega in der von uns getesteten Version keinen Autobettlevellingsensor hat, muss noch die Druckplattform manuell gelevelt werden.
Dies geschieht ganz einfach über die vier Rändelschrauben, die unterhalb des Druckbettes zu finden sind. Um den optimalen Abstand zu haben, kann man entweder eine Fühlerlehre, ein Blatt Papier oder die Abdeckung des Heizbettes verwenden.




Elektronik

Komfortable Bedienung durch Touch-Display

Die Steuerung des Anycubic I3 Mega geschient sehr komfortabel über ein Touch-Display an der Vorderseite des Druckers. Hier können alle nötigen Einstellungen vorgenommen und der Drucker per Hand gesteuert werden.

Ansonsten gibt es für den normalen Anwender nicht viel von der Elektronik zu sehen, da sich diese im Unterteil des Druckers versteckt.

Wir haben nachgesehen und zeigen, welche Komponenten im Anycubic I3 Mega stecken.

Das Mainboard nennt sich TRIGORILLA® und ist ein Eigenbau bzw. eine Lizenzfertigung für Anycubic. Vermutlich wurde ein MKS Board als Grundlage für das Mainboard verwendet.
Alle Kabel sind ordentlich verlegt und in das Mainboard gesteckt oder geschraubt.
Über dem Board befindet sich ein Lüfter, der die Elektronik aktiv kühlen soll. Warum man diesen wiederum mit dem Bodenblech verdeckt, bleibt uns ein Rätsel.
Besonders nützlich erweist sich die Tatsache, dass bei unserer Testversion des Druckers alle Treibermodule aufgesteckt und nicht in das Board integriert sind. So kann man diese bei einem Defekt oder zur Lautstärkereduzierung gegen andere Treiberbausteine, wie die TMC2100, austauschen.
Standardmäßig befinden sich übrigens A4988 Treiber mit 1/16 Schritteinteilung auf dem Mainboard.

Neueste Fotos aus dem Internet aber zeigen, dass Anycubic bei neueren Modellen das Mainboard überarbeitet hat und mittlerweile festverlötete Treiber einsetzt. Dies finden wir sehr schade, da gerade dieses Feature bei manch einem Interessenten zur endgültigen Kaufentscheidung beigetragen hat.

Neben dem Mainboard befindet sich auch das Netzteil im Unterteil des Druckers. Es ist mit 300W groß genug dimensioniert, um alle Komponenten des Druckers mit genügend Spannung zu versorgen. Darüber hinaus findet man noch das Modul für die SD-Karte, das Modul des LCD-Touch Display und das Anschlussmodul für die Stecker des Portalmoduls im Unterteil.

Auch Im Extruderkopf ist eine kleine Platine zu finden. Sie dient als Anschlussmodul für Bauteile wie Hotend und Lüfter. Dies hat den Vorteil, dass man nicht jedes Mal den gesamten Kabelbaum zum Wechseln einer Komponente öffnen muss.

Sowieso ist die gesamte Verkabelung des I3 Mega sehr unauffällig gehalten. Alle Kabel sind entweder versteckt verlegt oder mit einem Kabelschlauch umwickelt. Hierdurch wirkt der ganze Drucker sehr aufgeräumt. Lediglich beim Heizbett hätte man dem I3 Mega noch eine vernünftige Zugentlastung spendieren können.

Erwähnenswert ist übrigens noch, dass der Drucker nach einem Stromausfall den Druck fortsetzen kann. Besonders in Ländern mit einem instabilen Stromnetz oder kleinen Kindern im Haushalt ein sehr nützliches Feature.

Extruder & Hotend

Hier gibt es eigentlich nicht viel zu schreiben, denn Anycubic setzt bei dem I3 Mega auf einen normalen MK8 Extruder mit gerade verzahnten Extruderrad und einem E3D-Clone als Hotend.
Das Ganze ist beim I3 Mega als Bowden-Setup verbaut und machte bei unseren bisherigen Drucken keinerlei Probleme.

Ein nettes Feature gibt es aber doch noch zu erwähnen: der I3 Mega verfügt, in der uns zur Verfügung gestellten Version, über einen Filament-Ende Sensor, der den Drucker pausieren soll, wenn einmal das Filament ausgeht. Da wir den Drucker aber fast nie autark laufen lassen, ist dies für uns nur ein nettes nice-to-have.

Druckbett

ULTRABASE – so der Name der Druckplattform des I3 Mega. Es handelt sich hierbei um eine direkt mit dem Heatbed verklebte Glasplatte mit einer speziellen Beschichtung. Diese erinnert durch ihr Aussehen ein wenig an das Druckbett des UP Mini. Die ULTRABASE soll perfekte Haftung und gute Ablöseeigenschaften bieten. Und tatsächlich, einmal ausgelevelt hielten bisher bei uns alle Drucke ohne Probleme auf der Oberfläche. Und nach dem Abkühlen konnten diese fast „heruntergepustet“ werden, was uns wirklich sehr gefiel.

Leider erreicht der Drucker in seiner Standardausführung die für die Haftung von ABS benötigten 110°C nicht. Also sollten alle, die den Drucker für ABS verwenden wollen, hier nochmal nacharbeiten. Wir haben es uns ganz einfach gemacht und eine 8mm dicke Korkplatte unter das Heizbett geklebt. Und siehe da, der Drucker erreicht die gewünschte Temperatur.

Erfahrungsbericht

Wir haben den I3 Mega seit mittlerweile knapp 4 Wochen bei uns im Einsatz und haben schon einige Höhen und Tiefen mit ihm erlebt.
Die erste Enttäuschung kam direkt nach dem Zusammenbau und dem ersten Leveln des Druckers. Einer der beiden Z-Motoren verweigerte den Dienst, so dass wir uns auf die Fehlersuche machten. Nachdem wir sämtliche Kabel und Steckverbindungen durchgemessen und getestet haben, konnten wir einen defekten Treiber als Fehlerursache ausmachen.
Gut, dass diese austauschbar sind und wir noch einen passenden Treiber auftreiben konnten.
Seitdem wir diesen ausgetauscht haben, läuft der Drucker wie am Schnürchen.

Mittlerweile macht der Mainboard-Lüfter unschöne Geräusche, so dass wir von einem beginnenden Lagerschaden ausgehen und den Lüfter zeitnah ersetzen werden.

Von den Druckergebnissen, die der I3 Mega liefert, sind wir bislang nicht enttäuscht worden. Wir haben den Drucker in der Weihnachtszeit genutzt, um mit ihm Geschenke für die Familien zu drucken. Auch andere Bauteile stellen für den Anycubic I3 Mega kein Problem dar.
Wirklich begeistert sind wir aber von der ULTRABASE Druckoberfläche. Die Drucke haften auf ihr perfekt und lassen sich nach dem Abkühlen fast wie von selbst entfernen.

Was wir beim I3 Mega vermissen, sind die Einstellmöglichkeiten z.B. für Steps/mm oder der PID-Regelung. Dort sollte man seitens Anycubic vielleicht noch einmal nachbessern und das Ganze offener gestalten.

Hier noch ein paar Beispiele für die Druckqualität




Fazit

Der Anycubic bietet Stärken und Schwächen. Die Druckergebnisse sind mehr als zufriedenstellend und machen eine gute Figur. Leider schwächelt der Drucker bei schnelleren Geschwindigkeiten und schwingt sich auf.
Für ABS ist die Standardversion ohne isoliertes Heizbett nicht zu gebrauchen. Hier sollte man von Anfang an nachbessern.
Besonders gefallen uns das Features der selbstnivellierenden Z-Achse und die ULTRABASE-Druckoberfläche.
Leider wurde unser Testdrucker mit einem Defekt am zweiten Z-Achsen Treiber ausgeliefert und mittlerweile versagt der Lüfter des Mainboards den Dienst.

Dennoch ist der Anycubic ein 3D-Drucker für Einsteiger und als Zweit- oder Drittgerät eine ganz gute Wahl. Das System ist gut aufeinander abgestimmt, so dass das Drucken out-of-the-box kein Problem sein sollte.

Wir geben dem Drucker 3,5 von 5 Punkten.