Review: Ein Riesenteil – Der Anycubic Chiron

Mit dem Chiron bringt der chinesische Hersteller Anycubic einen 3D-Drucker auf den Markt, welcher nicht nur einen sehr großen Bauraum bietet sondern auch über einige smarte Features verfügt. Da der Anycubic Chiron nun bei Amazon Deutschland verfügbar ist, habe ich zugeschlagen. Hier bekommt ihr meinen Eindruck nach einer Woche und knapp 100 Stunden Druckzeit. Am Ende des Beitrags findet ihr eine Gallerie mit Bildern.

Anycubic hat mit seinem i3 Mega einige Lorbeeren sammeln können. Der Drucker besticht durch einen durchdachten Aufbau und konnte sich von den vielen Prusa i3 Klonen, nach deren Prinzip er arbeitet, abheben. Zuletzt hat der chinesische Hersteller mit dem Photon, einem DLP 3D-Drucker, ein neues Gerät vorgestellt. Nun hat sich Anycubic das beliebte CR-10 Design vorgenommen. Ordentlich Zeit gelassen hat Anycubic sich dabei: Die Geräte von anderen Herstellern sind längst am Markt und zumeist auch günstiger, wenngleich der Bauraum dort kleiner ist.

Versandverpackung des Anycubic Chiron
Versandverpackung des Anycubic Chiron. Gesamtgewicht 20 kg. Abmessungen 80x80x40 cm

Lieferumfang

Bei Amazon war ein Angebot für 499 Euro. Mittlerweile gibt es nur das Paket für 539 Euro -hier sind mehr Teile im Lieferumfang (Filament, Düsen, Düsennadeln). Der Lieferumfang besteht bei mir also nur aus dem Drucker, 0,5 kg PLA schwarz und einem Werkzeugpaket wie bei jedem Drucker. Die Lieferung erfolgte durch DHL. Ich habe am Freitag bestellt und am Mittwoch war der Drucker da. Da aus Deutschland versandt wurde fallen keine Steuern oder Zölle an. Der lange Versand lag definitiv an DHL. Der Versandkarton wiegt insgesamt 20 Kilogramm.

Technische Daten

Bauraum400 x 400 x 450 mm
Extruder1
Heizbettja, bis 105°C
ControllboardTrigorilla
BesonderheitenFilamentsensor, Autoleveling Sensor, Power Resume
Netzteil1000W
Schichtauflösungen0,05 - 0,3 mm
PositionierungsgenauigkeitX/Y 0.0125mm , Z 0.0020 mm

Anycubic macht beim Chiron einiges richtig: Das Trigorilla Board ist solide und ermöglicht das Wechseln der Steppertreiber ohne zu löten. Das heißt man kann später einfach Beispielsweise zu leiseren TMC2100 Drivern wechseln. Am Motor der Y-Achse ist ein Entkoppler verbaut, welcher die Vibrationen am Druckbett verringern soll. Auch die beiden optischen Endstops an der Z-Achse sieht man nicht an jedem „CR-10 Klon“.  Mit Zubehör und Ersatzteilen für alle seine Geräte macht Anycubic einiges anders als die vielen chinesischen Hersteller. Auf dem Youtube Kanal kann man regelmäßig neue Tutorials und Instandhaltungstipps zu den Geräten sehen.

Aufbau

Dank des modularen Designs ist der Aufbau sehr schnell erledigt. Lediglich die Z-Achse muss montiert werden. Dies geschieht mittels zwei Schrauben, welche die Profile des Portals und der Basis verbinden. Zudem wird ein T-Winkel mitgeliefert um die Achse zu stabilisieren. Zusammen mit dem Auspacken hat der Aufbau 25 Minuten gedauert – dabei habe ich gelegentlich in die Anleitung geschaut und alle Schrauben nachgezogen. Dies war bei meinem Gerät nicht notwendig. Leider ist ein kleines Stück aus dem Glasdruckbett abgesplittert. Da es am Rand liegt und nicht in den Druckbereich reicht, finde ich es nicht so schlimm – möchte es aber dennoch nicht unerwähnt lassen. Ebenso muss der Filamenthalter zusammengebaut und angebracht werden. Auch dies ist kein Problem.
Der Filamenthalter ist ebenfalls aus Metall. Leider passen nur Spulen mit maximal acht cm breite und Standard-Durchmesser. Für zwei Kilogramm Spulen muss man sich eine andere Lösung einfallen lassen. Spulen von Filament PM passen leider ebenfalls nicht, da sie neun cm breit sind.

Anleitung

Die Anleitung des Druckers ist gut gemacht. Hochwertiges Papier und gute bebilderte Erklärungen erleichtern den Einstieg. Die leider nur in Englisch verfügbare Anleitung enthält ein paar kleine Fehler. Diese liegen allerdings meist in Rechtschreibung und Grammatik. In der gedruckten Anleitung fehlte bei mir ein Abschnitt zum Autoleveling. Aber dazu später mehr. Man sollte sich also lieber die aktuelle Anleitung auf der SD Karte anschauen.

Der Drucker

Da steht er nun der Anycubic Chiron. Das Riesengerät passt fast genau auf einen IKEA Lack Tisch. Es fehlen oben und unten jeweils drei Zentimeterfür einen sicheren Halt. Zudem ragt das Druckbett dann noch über den Tisch hinaus. Insgesamt würde ich für de Chiron einen Platzbedarf von rund 100 x 100 cm und eine Höhe von 80 cm einplanen – wenn man den beiligenenden Filamentspulenhalter nutzt.
Alles in Allem macht der Drucker einen guten Eindruck. Über die „nur“ 20 x 40 mm Aluprofile kann man bei der Bauraumgröße streiten. Auf mich wirkt es soweit stabil. Am Drucker befindet sich nur ein gedrucktes Teil (die Fanduct) alle anderen Kunststoffteile sind auf herkömmliche Weise hergestellt. Dies verleiht dem Drucker eine gute Optik. Auch der „geschlossene“, d.h. mit einer Metallabdeckung versehene, Extruder sieht gut aus und wirkt hochwertiger als die meisten anderen Hotends. Schneller Zugriff auf das Coldend sind so nicht möglich.
Der Tocuscreen zeigt Inhalte in Farbe an und bietet viele Einstellmöglichkeiten. Leider kann man die Flowrate während des Drucks nicht ändern – bisher konnte ich das bei jedem Drucker der hier rumsteht. Mir gefällt auch die Anbringung der Kontrollbox und des Netzteils unter dem Druckbett gut, da der Drucker ansonsten noch mehr Platz einnehmen würde und auch das Kabelmanagement dadurch vereinfach wird. Für einen Größenvergleich: Ein Prusa i3 MK3 passt recht genau auf das Druckbett des Anycubic Chiron.

Unterseite eines Drucks. Die Ultrabase Pro macht ein interessantes Muster auf die Bauteile.
Unterseite eines Drucks. Die Ultrabase Pro macht ein interessantes Muster auf die Bauteile.

Druckbett

Das Druckbett ist mit einer Ultrabase Pro beschichtet. Diese habe ich bisher noch nicht genutzt, war also umso mehr gespannt wie Objekte haften und die Unterseite der Drucke aussieht. Die Ultrabase Pro fühlt sich etwas rau an – in etwa so, als wenn man das Glas mit Schultafellack lackiert hätte. Da die Glasplatte direkt an der Führung der Y-Achse befestigt ist, ist es nicht einfach möglich das Druckbett zu tauschen. Trotz Levelingassistent und Z-Height Kompensation sind vier Justierschrauben am Druckbett angebracht. Diese habe ich nicht genutzt. Dank der Ultrabase Pro Beschichtung haften auch großflächige Drucke optimal. Testdrucke mit ABS, HIPS und Nylon zeigten kein Warping. Nach dem Abkühlen schrumpft die Ultrabase Beschichtung im mikroskopischen Bereich und die Drucke liegen locker auf dem Druckbett. Auch bei sehr großflächigen Drucken.
Wer eine andere Druckbettbeschichtung möchte, muss wohl mit Clips arbeiten oder das Gesamte Druckbett tauschen.

Die Heizzeiten sehen bei 19°C Umgebungs- und Druckbetttemperatur wie folgt aus:

  • 215 Sekunden auf 60°C
  • 485 Sekunden auf 95°C
  • 585 Sekunden auf 105°C
Zubehörpaket Anycubic Chiron
Zubehörpaket Anycubic Chiron

Zubehör

Das Zubehör, welches dem Drucker beiliegt besteht aus:

  • Handschuhen
  • Pinzette
  • Zange
  • Sechskantschlüsseln
  • Spachtel
  • USB-Kabel
  • SD-Karte mit USB-Stick Kartenleser

Die Standardausrüstung bei 3D Druckern. Zumindest der Spachtel und der USB-Stick machen einen hochwertigen Eindruck, die Pinzette ist mit schwarzem Kunststoff überzogen. Ich habe schon schlechtere Werkzeuge gesehen. Zudem ist ein zweiter Druckkopf mit 0,4 mm Düse und Teflonschlauch dabei. Das beiliegende PLA Filament habe ich bisher nicht getestet.

Intelligente Funktionen

Dem Anycubic Chiron wurde vom Hersteller ein Filamentsensor und ein Stromausfallsensor spendiert. Dies macht meiner Meinung nach Sinn, da es die Zuverlässigkeit bei längeren Drucken (die aufgrund der Bauraumgröße ja einhergeht) erhöht. Insgesamt ist bei den dazugehörigen Prozessen noch Luft nach oben. Ebenfalls sinnvoll bei der großen Druckfläche ist der Bett Leveling Sensor mit Auto-Leveling Funktion. Im Bezug auf diese Funktionen habe ich einem Techniker von Anycubic bereits einige Fragen gestellt.

Bett Leveling Sensor

Das Bett Leveling erfolgt durch das Anstecken eines Sensors am Druckkopf. Der Anschluss erfolgt an einer Buchse auf dem Metallgehäuse des Druckkopfs. Der Sensor wird dann neben dem Hotend an einem Magneten befestigt. Danach muss man die Datei „Autoleveling.gcode“ drucken. Der Druck ist innerhalb von 0 Sekunden fertig. Nun ist im Menü ‚Tools > More > Level‘ der Punkt „Probe“ wählbar. Nach Auswahl des Punktes und anschließender Prüfung ob der Sensor richtig angebracht ist, erfolgt das Abtasten durch Bestätigung des „Okay“ Buttons. Der Chiron misst nun 25 Punkte des Druckbettes. Danach sollte die „Level_Test.gcode“ Datei auf der SD-Karte gedruckt werden. Während des Drucks können die Offsets der 25 Messpunkte eingestellt werden um das Bett zum Extruder richtig auszurichten. Der Vorgang funktioniert einfach und sollte auch Einsteigern keine Probleme bereiten – spätestens das Lesen der Anleitung (V7 von der SD-Karte) wird Klarheit bringen.
In der Autoleveling.gcode befinden sich nur drei Commands. Die letzte ist eine M1001. Diese wird verwendet um die „Probe“ im ‚Tools -> More‘ Menü freizuschalten.
Selbst wenn man keine Höhenorrektur an einzelnen Messpunkten vornimmt, muss die Z-Achse während des Drucks arbeiten. Dies habe ich in einem Twitter Video festgehalten.

Stromausfall Resume

Eine Funktion, die nach Stromausfällen den Druck fortsetzen kann, ist definitiv eine gute Idee. Der erste meiner Tests ging ordentlich in die Hose, weil ich aufgrund schlechten Kabelmanagements meinerseits tatsächlich den Drucker vom Strom abgezogen habe – ohne das zu wollen. Da Ich die Gelegenheit trotzdem direkt nutzen wollte, schaltete ich den Drucker einfach an und wollte den Druck fortsetzen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich diesen Punkt der Anleitung nicht ganz gelesen und so ging das Fortsetzen auch gehörig schief: Die Düse zerkratzte die Oberfläche der Ultrabase Pro Beschichtung. Falls ihr euch fragt was das da auf dem Druckbett ist (siehe Galerie am Ende des Beitrags). Nachdem ich beim Support angefragt habe, wurde mir empfohlen die Firmware zu aktualisieren. Mein Chiron wurde mit Version 1.2.5 ausgeliefert. Aktuell (25.10.2018) ist 1.2.8 – die Firmware ist auf der beiliegenden SD-Karte abgelegt. Nach dem Update funktionierte die Resume Funktion einwandfrei: Ich habe das Stromkabel abgezogen und nach kurzer Zeit wieder angesteckt. Dann habe ich den Druck fortgesetzt. Wie mir scheint werden ein paar Lines geskippt, da ich meist an einem Perimeter den Strom abgezogen habe. Der Drucker druckte aber im Infill weiter. Zudem sollte man sobald die Düse warm genug ist, etwas Filament nachschieben, da es in den ersten Zentimetern des fortgesetzten Drucks ansonsten zu Unterextrusion kommen kann. Der Ablauf könnte noch ein wenig verbessert werden. Im Gegensatz zum Power Resume am Prusa MK3 fährt die Nozzle nicht ein paar Milimeter vom Druck weg.
Wichtig dabei ist jedoch: Es ist notwendig in den Startcode eures Slicers am Ende ein „G5“ Kommando einzufügen. Ebenfalls sollte das Druckmodell nur im hinteren Bereich des Druckbetts platziert werden, da der Drucker zum fortsetzen einmal die Z-Achse homed. Drucke auf dem gesamten Druckbett sind leider nicht fortsetzbar nach einem Stromausfall. Dies ist sehr schade, aber wenn man es weiß dann kann man damit arbeiten. Dennoch ist dies ein Nachteil des Chiron.

Filamentsensor

Den Filamentsensor habe ich mit verschiedenen Filamenten getestet. Da es ein mechanischer Switch ist, wird er in verschiedenen Lichtumgebungen gleiche Ergebnisse liefern. Egal ob ABS, Wood, TPU oder andere flexible Filamente: Der Sensor merkt zuverlässig ob noch Filament vorhanden ist. Das sogar, wenn der Drucker gerade nicht druckt. Wenn das Filament während des Drucks abgeschnitten wird, hält der Drucker an und man hat die Möglichkeit neues Filament einzulegen. !!! Dabei wird die Düse nicht runter gekühlt sondern heizt weiter. Das ist meiner Meinung nach suboptimal.

Druckqualität

Da ich Cura nicht zum Slicen nutze musste ich mir in S3D ein eigenes Profil erstellen. Dieses stelle ich euch zum Download zur Verfügung. Die Druckqualität bei maximal 60 mm/s ist ordentlich, auch wenn ich das Profil noch nicht zu 100% richtig eingestellt habe. Es ist aber ein guter Start für euch. Der Druck keinerlei Fehler.
Nach drei 3DBenchys habe ich direkt einen 60+ Stunden Druck gestartet. Dieser lief problemfrei durch. Das gedruckte „Castle“ von MakerBot (thingiverse) ist 38 cm breit. Der Druck sieht super aus – bis auf das Stringing aufgrund eines nicht optimalen Profils. Ich habe ColorFabbs EcoPLA verwendet. Dieses hat eine Fertigungstoleranz von nur 0,1mm. Trotzdem sieht der Druck hervorragend aus und zeigt nicht die gewohnten Probleme eines günstigen Druckers der Out-of-the-Box druckt: Kein Z-Wobble oder ähnliches. Lediglich leichtes Ghosting ist zu erkennen. (Siehe Gallerie am Ende des Beitrags.

Fazit

Der Anycubic Chiron ist ein durchdachter Drucker nach Vorbild des Creality CR-10. Mit dem Trigorilla Board, optischen Endstops an der Z Achse, Filamentsensor und einer Resume Funktion bei Stromausfällen ist es nicht einfach nur ein Cr-10 Klon. Ein Kubikzentimeter Druckvolumen kostet beim Chiron nur 0,007 Euro. Bei einem Creality CR-10 sind es 0,01 Euro und bei einem Prusa i3 MK3 schlägt er mit 0,06 Euro, also fast dem 10-fachen zu Buche.
Der Aftersale Service bei Anycubic funktioniert einwandfrei. Die Mitarbeiter antworten schnell und gehen gut auf die Fragestellungen ein. Der Source Code der Firmware ist frei zugänglich. Somit sind eigene Firmwareanpassungen möglich. Bei Thigivverse habe Ich eine Collection mit Upgrades für den Chiron erstellt. Siehe hier: Anycubic Chiron Upgrades Collection

Vorteile:

  • Sehr großes Druckvolumen
  • Auto-Bedleveling
  • Filamentsensor
  • Solider Aufbau

Nachteile:

  • Netzteillüfter ist sehr laut (ca. 75 dB)
  • Platzbedarf
  • Es werden keine Ordnerstrukturen der SD-Karte angezeigt

 

Eure Fragen zum Anycubic Photon

Nachdem ich den Artikel über den Anycubic Photon geschrieben habe, erreichten mich viele Anfragen per Mail und einige hier in den Kommentaren. Zum einen ging es um Testdrucke – welche ich natürlich gerne bearbeitet habe. Zum Anderen hattet ihr noch einige Fragen, die ich gerne einmal hier im Artikel beantworten möchte. *Leider* kam zwischenzeitlich gutes Wetter und ein pflegebedürftiger Garten dazu, sodass sich die Fertigstellung des Artikels etwas hingezogen hat. Also bitte nicht sauer sein, falls genau deine Mail nicht direkt beantwortet wurde – die Antwort bekommst du jetzt.

Belichtungszeiten

Sehr viele von euch wollten wissen, welche Belichtungszeiten für verschiedene Resins benötigt werden. Hierzu möchte ich euch ein Google Sheet verlinken, welches viele Resins und ihre Belichtungszeiten enthält. Die Liste wird von mehreren Leuten bearbeitet und enthält deren Erfahrungswerte. Falls du diese Liste erweitern kannst – tue dies gerne. So profitieren alle davon. Zum Google Sheet kommt ihr hier: docs.google.com

Verwendetes Resin

Ich habe bisher das beiliegende Resin von Anycubic, sowie Industrial Blend schwarz, Snow White und unpigmentiertes Resin von FunToDo verwendet. Da ich bis auf ein paar Testobjekte nur Kundenaufträge damit drucke, kann ich zu weiteren Eigenschaften nichts sagen. Von anderen Nutzern weiss ich, dass auch das Wanhao Resin gut ist. Die Resins unterscheiden sich oft in ihrer Flüssigkeit – manche sind sehr dünn- und manche eher dickflüssig. Bisher hat dies aber keine Auswirkung auf die Härte des gedruckten Objekts, nach dem aushärten. Bei Amazon gibt es viele verschiedene Resins zur Auswahl.

Wie unterscheidet sich Resin von ABS und PLA Filament?

Resin hat eine höhere Temperaturbeständigkeit als ABS und PLA. Zudem sind Resins oft chemiebeständiger. Hier gibt es wie bei Filamenten Unterschiede von Material zu Material. Am besten sollte man in die Datenblätter schauen. Da ich neben drei Testdrucken nur Kundenaufträge gedruckt habe, welche meist Dekoteile waren, kann ich nicht direkt etwas zu den mechanischen Eigenschaften sagen. Im allgemeinen eignet sich Resin aber nicht für mechanisch beanspruchte Bauteile da die Widerstandsfähig- und Haltbarkeit schlecht sind Was die Temperatur- und Chemiekalienbeständigkeit angeht sind manche Resins im Vorteil. Leider ist Resin nicht besonders UV-Beständig, weshalb die Drucke nicht über längere Zeit in der Sonne stehen sollten (nach dem Aushärten).

Nachbearbeitung und Aushärten

UV Kammer
UV Kammer zum Aushärten der Modelle nach dem Druck. Kammer befindet sich noch im Aufbau. Foto und Kammer: Sven O.

Anders als beim FDM Druck, wo man oft bei supportlosen Drucken keine Nachbearbeitung benötigt, wird bei DLP Druck immer Nachbearbeitung nötig sein. Nach dem Druck hängen noch flüssige Resinreste am Objekt und es ist noch nicht vollständig ausgehärtet.
Bei mir sieht die Nachbearbeitung folgendermaßen aus:

  1. Objekt im ersten IPA Bad spülen
  2. Objekt im zweiten IPA Bad spülen
  3. Supports entfernen
  4. Objekt in klarem Wasser spülen
  5. Objekt abtrocknen
  6. Objekt weiter aushärten lassen
UV Kammer
UV Kammer zum Aushärten der Modelle nach dem Druck. Kammer befindet sich noch im Aufbau. Foto und Kammer: Sven O.

Das Aushärten nach dem Reinigen ist notwendig, da das Resin nach dem Druck noch nicht vollstänidg ausgehärtet ist. Man kann das fertige Objekt z.B. an einem sonnigen Ort aushärten lassen. Bisher habe ich das aushärten nach dem Druck auch im Drucker gemacht. Einfach einen Quader „drucken“ ohne das Resin in der Wanne ist.

Auf lange Sicht werde ich mir wohl eine Aushärtungskammer bauen. Sven O. hat mir erlaubt die Bilder seiner noch im Bau befindlichen Aushärtungskammer zu veröffentlichen. Danke Sven. Alternativ nutzen Maker auch Nagellampen. Hier sollte drauf geachtet werden, eine zu nehmen, bei welcher die Belichtungszeit frei einstellbar ist. Ansonsten muss man die Lampe regelmäßig anschalten.

Materialsicherheit nach dem Druck

Die Sicherheitshinweise beziehen sich jeweils auf das flüssige Resin sowie das Resin während des Druckvorganges und solange es nicht gänzlich ausgehärtet ist. Nach dem Härten geht keine Gefahr von den Druckobjekten aus. Wer die Objekte weiterbearbeitet (feilen, sägen etc), sollte sich auch entsprechend schützen, da die Stäube weiterhin gesundheitsschädlich sind und nicht eingeatmet werden sollten.

Was benötigt man ausser dem Drucker noch?

Neben einer Möglichkeit die Drucke auszuhärten werden noch folgende Utensilien benötigt:

Sicherheitsausrüstung:

Verbrauchsmaterial:

Druckerschrank/Abluft

Die Abluftkammer hat viele von euch interessiert, deswegen möchte ich euch hier kurze Infos dazu geben. Die Kammer besteht aus 8mm Spanplatten mit weissem Furnier. Im Schrank ist Platz für den Drucker und den Radiallüfter. Zudem habe ich den Drucker auf einem Brett mit Schubladenschienen gestellt, damit der Schrank nicht so hoch sein muss, wie der Drucker in geöffnetem Zustand. So hat der Schrank aussenmaße von 70x30x30cm. Insgesamt hat der Schrank um die 50 Euro gekostet (ohne den Lüfter, da ich diesen von einem Freund bekommen habe) der Lüfter ist so eingebaut, dass er die Luft direkt über dem Drucker absaugt und über ein CombiDec Abluftrohr nach draussen leitet. Da ich den Abluftschlauch aus dem Fenster hänge ist das CombiDec nur 10cm im Durchmesser. Der Lüfter schaut oben ein wenig aus dem Gehäuse, sodass ich einen Adapter von 12,5cm auf 10cm erstellt habe.

Der Lüfter saugt so stark, dass Zigarettenrauch durch die Schlitze der Tür angesaugt wird. Genau wie ich es mir vorgestellt habe.

Supports

Scheinbar war die Aussage zu den Supportstrukturen etwas irreführend. Mit der Anycubic Software lassen sich die Supports anpassen und auch manuelle hinufügen. Jedoch sind es hier punktuell anliegende baumartige Supports, welche über 3 verschiedene Bereiche verfügen die individualisiert werden können: Top, Middle, Bottom. Mit der Software Meshmixer lassen sich wesentlich bessere Supports erstellen. Die STL kann dann ganz normal in der Anycubic Software gesliced werden ohne das dort Supports aktiviert werden.

Alternativen

Interessiert habt ihr euch auch für Alternativen aus dem FFF Drucker Bereich. Wichtig ist hier anzumerken, dass die Detailgenaugikeit eines SLA/DLP Druckers niemals mit FFF Druck erreicht werden kann. Wer nicht gerade Figuren für seine H0 Eisenbahnstadt drucken möchte, der kann sich meiner Meinung nach mal folgende Drucker anschauen.

Zur Vergleichbarkeit mit anderen DLP Druckern kann ich nichts sagen, da ich bisher keine anderen DLP Drucke in „Real Life“ gesehen habe. Grob kann man sagen, dass sich DLP für sehr detailgetreue kleine Objekte, welche kaum mechanisch beansprucht werden und nicht ständig mit Sonnenlicht in Berührung kommen, eignet. Vor allem für Table Top Spieler kann ein SLA Drucker Sinn machen.

Falls ihr weitere Fragen habt, stellt sie bitte in den Kommentaren. So haben alle was davon! Vielen Dank fürs Lesen!

Review: ANYCUBIC Photon SLA/DLP 3D-Drucker | Gastbeitrag

Vor wenigen Wochen erhielt ich ein großes Paket, dass Ich schon heiß erwartet habe. Ich besitze mehrere 3D-Drucker, die im FDM Verfahren arbeiten.
Doch diesmal war es kein weiterer FDM 3D-Drucker, sondern der Anycubic Photon SLA/DLP 3D-Drucker. Ich war schon seit einiger Zeit an einem DLP Drucker interessiert, jedoch war mir der Einstiegspreis für eines der Geräte von Formlabs zu teuer und der günstige Wanhao schien mir noch nicht ganz ausgereift. Umso mehr war ich gespannt, was mich für den Kaufpreis von 450 Euro erwartet. In 10 Minuten war der erste Druck gestartet.

Kleiner Spoiler: Für Bastler ist dieser Drucker nichts. 
UPDATE: Ich habe einen Beitrag mit Userfragen geschrieben, die aufgrund dieses Beitrags gestellt worden sind. Hier findet ihr den Artikel: 
Userfragen Anycubic Photon.

Auspacken und Lieferumfang

 Es erwartete mich ein sehr ordentlich verpackter Drucker. Im Karton lagen auf einer Schaumstoffschicht das Zubehör, sowie das Netzteil. Unterhalb der ersten Schicht war auch schon der Drucker zu finden, das war es.

Im Lieferumfang befindet sich natürlich der Drucker mit einer Resinwanne, einer Bauplattform und einem Netzteil.

Zudem war folgendes im Paket enthalten:

  • USB Stick
  • 250g Resin grün
  • 1 Mundschutzmaske
  • 3 Paar Gummihandschuhe
  • 10 Papierfilter
  • Bedienungsanleitung
  • Ersatz FEP Folie für die Resinwanne
  • 3 Innensechskant- und ein Kreuzschlitz Schraubendreher
  • 1 Plastikspachtel
  • 5 Extra Schrauben
Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Technische Daten Anycubic Photon SLA/DLP

  • Bildschirm: 2K Auflösung, 0.047mm XY Genauigkeit (2560x1440px)
  • Bauraum: 115mm x 65mm x 155mm
  • Gerätegröße: 220mm x 200mm x 400mm
  • Gewicht: 6,6 kg
  • Technik: LCD Shadow Masking

SLA/DLP – wie bitte?

Kurzer Einblick in das DLP Verfahren: Beim Digital Light Processing wird flüssiges Kunstharz schichtweise durch UV-Strahlung ausgehärtet. Dadurch werden besonders feine Drucke möglich mit kaum bis gar nicht sichtbaren Schichten. 

Im Gegensatz zum FDM Druck wird auf die Bewegung der X- und Y-Achse verzichtet, da diese durch die Projektion der gesamten Schicht dargestellt wird. Lediglich die Bauplattform wird an der Z-Achse angehoben und somit ein dreidimensionales Objekt aufgebaut.
Der Vorteil ist, dass es theoretisch möglich ist, mehrere Objekte in gleicher Zeit zu drucken wie ein einzelnes Bauteil, da die Druckzeit maßgeblich von der Belichtungszeit bestimmt wird.

Das hier angewendete Shadow Masking Verfahren bedeutet, dass unter dem LCD Bildschirm eine UV-Lampe sitzt. Das LCD-Display erzeugt einen Schatten und lässt nur den Bereich in der Resinwanne aushärten der nicht im Schatten liegt.

Das Wichtigste zuerst – die Sicherheit

Kunstharz oder Resin, wie es meist genannt wird, ist ein gesundheitsgefährdender Stoff.
Dem Datenblatt können folgende Sicherheitshinweise entnommen werden:

 Gefahrenhinweise:

  • H315 Verursacht Hautreizungen
  • H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • H319 Verursacht schwere Augenreizung
  • H411 Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.

Sicherheitshinweise:

  • P102 Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen
  • P273 Freisetzung in die Umwelt vermeiden
  • P280 Schutzhandschuhe, Augen- und Gesichtsschutz tragen
  • P302+P352 BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: Mit viel Wasser waschen
  • P333+P313 Bei Hautreizung oder -ausschlag: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • P305+P351+P338 BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen.
  • P501 Inhalt/Behälter in Übereinstimmung mit den nationalen Vorschriften einer Entsorgung zuführen.

Zusätzliche Sicherheitshinweise:

  • P261 Einatmen von Dampf/Aerosol vermeiden
  • P264 Nach Handhabung kontaminierte Haut gründlich waschen
  • P272 Kontaminierte Arbeitskleidung nicht außerhalb des Arbeitsplatzes tragen
  • P337+P313 Bei anhaltender Augenreizung: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • P362+P364 Kontaminierte Kleidung ausziehen und vor erneutem Tragen waschen
  • P391 Ausgetretene Mengen auffangen

Also eine ausgesprochen große Litanei an Hinweisen und Ratschlägen, die dringend eingehalten werden sollten.

Bildergallerie

Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Geruch

Der Geruch, der beim Umgang mit Resin entsteht, ist unangenehmer als der von ABS.
Ebenso breitet er sich stärker durch geschlossene Türen aus. Ich arbeite nur mit einer A3P3 Gasmaske, sowie im Arbeitskittel.
Der Drucker verfügt zwar über einen Aktivkohlefilter und der entsprechende Lüfter arbeitet auch ordentlich, jedoch ist der Geruch trotzdem unangenehm. Für den Gebrauch in einer kleinen Wohnung, halte ich den Drucker für ungeeignet.
Wer eine Werkstatt, ein Arbeitszimmer oder einen Keller hat, sollte trotzdem über eine Absaugung nachdenken. Dies ist nur meine Meinung. Ich persönlich möchte meine Gesundheit nicht kaputt machen.

Umdenken beim Drucken und Slicen

Alle die bisher nur mit einem FDM 3D Drucker arbeiteten, werden sich erst mal umgewöhnen müssen denke ich. Zum einen ist die Orientierung des Models auf der Druckplatte etwas anders. Beim FDM Druck wird meist eine möglichst große Auflagefläche gewählt. Hingegen kann es beim DLP Druck sinnvoller sein ein Objekt auf eine Kante zu stellen. Auch die Supporte sind etwas anders, da sie nur punktuell am Objekt anliegen. 

Des Weiteren ist das „Zuschauen“ beim Druck etwas schwieriger, bzw. erst ab einer gewissen Druckhöhe möglich. Die beim 3D Druck wichtige erste Schicht zu beobachten ist nicht möglich. Dies liegt daran, dass die Baufläche in die Resinwanne eintaucht und somit den Blick versperrt.
Wenn man Resin von anderen Herstellern verwendet, kann es mühsam sein, die richtige Belichtungszeit zu finden. Jedes Resin und jede Schichtdicke verlangt eine andere Belichtungszeit, die benötigt wird, um es auszuhärten.

Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Software

Anycubic liefert eine proprietäre Software Namens, wer hätte es gedacht, „Anycubic Photon Slicer“. Die erzeugten Druckdaten werden als photon Dateien abgespeichert.

Mir scheint die Sotfware sehr auf einfache Bedienung ausgelegt, jedoch bieten die „Supporteinstellungen“ eine reiche Auswahl: Autosupport, Verschiedene Supportarten, die angepasst werden können, manuelle Supports hinzufügen, Supports entfernen. Ich weiß nicht ob andere Slicer für DLP Drucke da mehr bieten, vorstellen kann ich es mir. Eine „Automatische Ausrichtung“ des Objekts für den Druck wäre gut.

Nach dem Slicen steckt man den Stick in den Drucker und kann über den Vollfarb-Touchscreen den Druck starten.

Druckbeispiele

Leider kann ich die meisten Drucke nicht zeigen, da Sie im Kundenauftrag gedruckt wurden. Aber hier ein paar Eindrücke von den ersten Drucken.

Fazit

Wenn man die mit Frust behaftete Zeit übersteht, die zum Einstellen der Belichtungszeit für unterschiedliche Resins anfällt, erhält man wunderschöne Drucke.
Der Drucker verbraucht während des Drucks konstant 40Watt. Wenn der Netzschalter aus ist, wird noch ein Watt gezogen. Zum Vergleich: Der Prusa I3 MK3 zieht auch mal 200Watt beim Aufheizen und während des Drucks um die 130Watt.

Aus Sicherheitsgründen würde ich die Nutzung in Privatwohnungen nicht empfehlen – es sei denn ihr wollt eure Gesundheit gefährden. Ich habe mir einen Abluftschrank gebaut – sicherheitshalber.

Ich nutze folgenden Lüfter (http://amzn.to/2IpXMW3)

Wenn ihr Interesse an einem Probedruck habt, könnt ihr gerne eine E-Mail an info@kolbers.de senden. Für weitere Fragen könnt ihr die Kommentarfunktion nutzen – ich werde versuchen jeden Tag reinzuschauen.

Bewertung
Gesamtbewertung 4,5 / 5
Zusammenbau 5 / 5
Mechanik / Elektronik 5 / 5
Ausstattung 4,5 / 5
Druckqualität 4,5 / 5
Preis / Leistung 4,5 / 5
Lautstärke 4 / 5

Review: Anycubic I3 Mega – made of steel

Auch im neuen Jahr wollen wir euch wieder mit neuen Infos aus der 3D-Druckszene versorgen und fangen direkt mit dem Review des Anycubic I3 Mega an, den wir vor ca. 4 Wochen als Testgerät von Gearbest erhalten haben.

Vielleicht noch ein paar Worte vorweg.
Auch wenn wir diesen Drucker von Gearbest als Testgerät bekommen haben, bewerten wir stets neutral und schreiben auch über Dinge die uns nicht gefallen.
So haben wir auch bei diesem Gerät wieder einige Punkte gefunden, die uns gefallen und nicht gefallen haben.
Wir hoffen ihr bleibt uns weiterhin treu und wünschen euch nun viel Spaß beim Lesen unseres Testberichts.

Inhaltsverzeichnis

Verpackung, Versand und Inhalt

Verpackung (1)

Gut verpackt erreicht uns der Anycubic I3 Mega nach ca. einer Woche, da Gearbest ihn aus dem neuen Tschechischen Lager versandt hat.

Alleine schon der Karton, in dem der Drucker geliefert wird, macht einen guten Eindruck. Die stabile Pappe und die gute Verklebung scheinen den Drucker gut zu schützen.
Innen erwarten uns mal wieder ganz viel Schaumstoff und Plastiktüten und lässt unsere Wertstofftonne fast platzen.
Alles ist sehr passgenau verpackt, so dass Beschädigungen fast auszuschließen sind.
Neben dem Drucker erwartet uns such eine prallgefüllte Tüte mit Werkzeug und Ersatzteilen, wie z.B. ein komplettes Hotend und einem Endstop.
Eine Rolle schwarzes PLA, eine 8GB SD-Karte und das obligatorische USB-Kabel liegen dem Gesamtpaket ebenfalls dabei, so dass es direkt mit dem Drucken losgehen kann.

Mechanischer Aufbau des Druckers

Der mechanische Aufbau des Anycubic I3 Mega hält sich, wie es bereits der Name erahnen lässt, an das Prinzip des Prusa i3.
Das bedeutet aber auch, dass das Druckbett gleichzeitig als Y-Achse dient und somit das Bauteil bewegt wird, was sich auf die Druckgeschwindigkeit auswirkt.
Schneller als 80-100 mm/s solltet ihr ohnehin nicht mit dem I3 Mega drucken, worauf wir aber gleich zu sprechen kommen.

Was beim Anycubic I3 Mega direkt auffällt ist, dass der gesamte Drucker ziemlich bullig und wuchtig daherkommt. Dies liegt in der besonderen Aufbauweise des Druckers, denn der Drucker besteht nicht aus einem Rahmen aus Acryl oder Aluminiumprofilen. Alle Gehäuse und Rahmenteile bestehen aus gekanteten und schwarz-pulverbeschichteten Blechen, welche miteinander verschweißt oder verschraubt sind.
Man findet am Anycubic I3 Mega kein einziges gedrucktes Bauteil. Alle Linearlager, Stangen und Motoren sind mit den Blechkomponenten verbunden.

Leider hat dieser Blechaufbau auch einen entscheidenden Nachteil: es entstehen bei schnellen Druckgeschwindigkeiten Schwingungen, die sich leider in Klappergeräuschen und Fehlern auf dem Bauteil bemerkbar machen. Besonders durch die Winkelkantung des Portalrahmens kommt dieser nicht an die Steifigkeit eines Aluminiumprofilrahmens heran.  Deshalb sollte die Druckgeschwindigkeit, wie bereits erwähnt, nicht allzu schnell gewählt werden.

Es gibt aber auch Sachen, die uns am I3 Mega wirklich gut gefallen:
Alle Linearlager scheinen ausreichend groß dimensioniert zu sein und auch die Grundplatte des Heizbettes macht einen guten Eindruck, was sich beim Leveln des Druckers sehr positiv auswirkt.
Ebenfalls weicht man von den beliebten Federkupplungen an den Z-Spindeln ab und hat stattdessen starre Kupplungen zwischen Motoren und Gewindespindeln verbaut.

Eine tolle Sache ist auch das automatische Ausrichten der Z-Achse.
Einmal in Ihrer Höhe nivelliert fährt die Z-Achse immer wieder auf den gleichen Ausganswert zurück, selbst wenn ihr mal eine Seite verdrehen solltet.
Dies wird durch zwei Endschalter und die getrennte Versorgung der Steppermotoren mit jeweils einem eigenen Treiber erreicht.

Zusammenbau

Vormontierte Module machen den Aufbau denkbar einfach.

Der Zusammenbau des Anycubic I3 Mega ist innerhalb von fünf Minuten erledigt, denn es müssen nur zwei bereits vormontierte Module miteinander verschraubt werden.
Das eine Modul ist das Unterteil mit Steuereinheit und Y-Achse, das andere Modul ist das, nennen wir es mal „Portal“, mit der X und Z-Achse. Auch der Extruder sitzt bereits fertig montiert an der X-Achse und braucht, wie alle anderen Komponenten nicht mehr verkabelt werden.

Das Zusammensetzen der beiden Komponenten ist denkbar einfach. Man stellt das Portalmodul auf eine Tischplatte, setzt das Unterteil hinein und verschraubt alles mit insgesamt acht Schrauben.

Die Verkabelung der beiden Module ist noch einfacher.
Seitlich befindet sich am Unterteil ein Anschlussmodul in dem alle Kabel vom Portal eingesteckt werden. Durch unterschiedliche Steckergrößen und Farben ist ein Verwechseln so gut wie ausgeschlossen.

Das war es! Schon hat man einen fast betriebsbereiten Drucker vor sich.

Da der Anycubic I3 Mega in der von uns getesteten Version keinen Autobettlevellingsensor hat, muss noch die Druckplattform manuell gelevelt werden.
Dies geschieht ganz einfach über die vier Rändelschrauben, die unterhalb des Druckbettes zu finden sind. Um den optimalen Abstand zu haben, kann man entweder eine Fühlerlehre, ein Blatt Papier oder die Abdeckung des Heizbettes verwenden.




Elektronik

Komfortable Bedienung durch Touch-Display

Die Steuerung des Anycubic I3 Mega geschient sehr komfortabel über ein Touch-Display an der Vorderseite des Druckers. Hier können alle nötigen Einstellungen vorgenommen und der Drucker per Hand gesteuert werden.

Ansonsten gibt es für den normalen Anwender nicht viel von der Elektronik zu sehen, da sich diese im Unterteil des Druckers versteckt.

Wir haben nachgesehen und zeigen, welche Komponenten im Anycubic I3 Mega stecken.

Das Mainboard nennt sich TRIGORILLA® und ist ein Eigenbau bzw. eine Lizenzfertigung für Anycubic. Vermutlich wurde ein MKS Board als Grundlage für das Mainboard verwendet.
Alle Kabel sind ordentlich verlegt und in das Mainboard gesteckt oder geschraubt.
Über dem Board befindet sich ein Lüfter, der die Elektronik aktiv kühlen soll. Warum man diesen wiederum mit dem Bodenblech verdeckt, bleibt uns ein Rätsel.
Besonders nützlich erweist sich die Tatsache, dass bei unserer Testversion des Druckers alle Treibermodule aufgesteckt und nicht in das Board integriert sind. So kann man diese bei einem Defekt oder zur Lautstärkereduzierung gegen andere Treiberbausteine, wie die TMC2100, austauschen.
Standardmäßig befinden sich übrigens A4988 Treiber mit 1/16 Schritteinteilung auf dem Mainboard.

Neueste Fotos aus dem Internet aber zeigen, dass Anycubic bei neueren Modellen das Mainboard überarbeitet hat und mittlerweile festverlötete Treiber einsetzt. Dies finden wir sehr schade, da gerade dieses Feature bei manch einem Interessenten zur endgültigen Kaufentscheidung beigetragen hat.

Neben dem Mainboard befindet sich auch das Netzteil im Unterteil des Druckers. Es ist mit 300W groß genug dimensioniert, um alle Komponenten des Druckers mit genügend Spannung zu versorgen. Darüber hinaus findet man noch das Modul für die SD-Karte, das Modul des LCD-Touch Display und das Anschlussmodul für die Stecker des Portalmoduls im Unterteil.

Auch Im Extruderkopf ist eine kleine Platine zu finden. Sie dient als Anschlussmodul für Bauteile wie Hotend und Lüfter. Dies hat den Vorteil, dass man nicht jedes Mal den gesamten Kabelbaum zum Wechseln einer Komponente öffnen muss.

Sowieso ist die gesamte Verkabelung des I3 Mega sehr unauffällig gehalten. Alle Kabel sind entweder versteckt verlegt oder mit einem Kabelschlauch umwickelt. Hierdurch wirkt der ganze Drucker sehr aufgeräumt. Lediglich beim Heizbett hätte man dem I3 Mega noch eine vernünftige Zugentlastung spendieren können.

Erwähnenswert ist übrigens noch, dass der Drucker nach einem Stromausfall den Druck fortsetzen kann. Besonders in Ländern mit einem instabilen Stromnetz oder kleinen Kindern im Haushalt ein sehr nützliches Feature.

Extruder & Hotend

Hier gibt es eigentlich nicht viel zu schreiben, denn Anycubic setzt bei dem I3 Mega auf einen normalen MK8 Extruder mit gerade verzahnten Extruderrad und einem E3D-Clone als Hotend.
Das Ganze ist beim I3 Mega als Bowden-Setup verbaut und machte bei unseren bisherigen Drucken keinerlei Probleme.

Ein nettes Feature gibt es aber doch noch zu erwähnen: der I3 Mega verfügt, in der uns zur Verfügung gestellten Version, über einen Filament-Ende Sensor, der den Drucker pausieren soll, wenn einmal das Filament ausgeht. Da wir den Drucker aber fast nie autark laufen lassen, ist dies für uns nur ein nettes nice-to-have.

Druckbett

ULTRABASE – so der Name der Druckplattform des I3 Mega. Es handelt sich hierbei um eine direkt mit dem Heatbed verklebte Glasplatte mit einer speziellen Beschichtung. Diese erinnert durch ihr Aussehen ein wenig an das Druckbett des UP Mini. Die ULTRABASE soll perfekte Haftung und gute Ablöseeigenschaften bieten. Und tatsächlich, einmal ausgelevelt hielten bisher bei uns alle Drucke ohne Probleme auf der Oberfläche. Und nach dem Abkühlen konnten diese fast „heruntergepustet“ werden, was uns wirklich sehr gefiel.

Leider erreicht der Drucker in seiner Standardausführung die für die Haftung von ABS benötigten 110°C nicht. Also sollten alle, die den Drucker für ABS verwenden wollen, hier nochmal nacharbeiten. Wir haben es uns ganz einfach gemacht und eine 8mm dicke Korkplatte unter das Heizbett geklebt. Und siehe da, der Drucker erreicht die gewünschte Temperatur.

Erfahrungsbericht

Wir haben den I3 Mega seit mittlerweile knapp 4 Wochen bei uns im Einsatz und haben schon einige Höhen und Tiefen mit ihm erlebt.
Die erste Enttäuschung kam direkt nach dem Zusammenbau und dem ersten Leveln des Druckers. Einer der beiden Z-Motoren verweigerte den Dienst, so dass wir uns auf die Fehlersuche machten. Nachdem wir sämtliche Kabel und Steckverbindungen durchgemessen und getestet haben, konnten wir einen defekten Treiber als Fehlerursache ausmachen.
Gut, dass diese austauschbar sind und wir noch einen passenden Treiber auftreiben konnten.
Seitdem wir diesen ausgetauscht haben, läuft der Drucker wie am Schnürchen.

Mittlerweile macht der Mainboard-Lüfter unschöne Geräusche, so dass wir von einem beginnenden Lagerschaden ausgehen und den Lüfter zeitnah ersetzen werden.

Von den Druckergebnissen, die der I3 Mega liefert, sind wir bislang nicht enttäuscht worden. Wir haben den Drucker in der Weihnachtszeit genutzt, um mit ihm Geschenke für die Familien zu drucken. Auch andere Bauteile stellen für den Anycubic I3 Mega kein Problem dar.
Wirklich begeistert sind wir aber von der ULTRABASE Druckoberfläche. Die Drucke haften auf ihr perfekt und lassen sich nach dem Abkühlen fast wie von selbst entfernen.

Was wir beim I3 Mega vermissen, sind die Einstellmöglichkeiten z.B. für Steps/mm oder der PID-Regelung. Dort sollte man seitens Anycubic vielleicht noch einmal nachbessern und das Ganze offener gestalten.

Hier noch ein paar Beispiele für die Druckqualität




Fazit

Der Anycubic bietet Stärken und Schwächen. Die Druckergebnisse sind mehr als zufriedenstellend und machen eine gute Figur. Leider schwächelt der Drucker bei schnelleren Geschwindigkeiten und schwingt sich auf.
Für ABS ist die Standardversion ohne isoliertes Heizbett nicht zu gebrauchen. Hier sollte man von Anfang an nachbessern.
Besonders gefallen uns das Features der selbstnivellierenden Z-Achse und die ULTRABASE-Druckoberfläche.
Leider wurde unser Testdrucker mit einem Defekt am zweiten Z-Achsen Treiber ausgeliefert und mittlerweile versagt der Lüfter des Mainboards den Dienst.

Dennoch ist der Anycubic ein 3D-Drucker für Einsteiger und als Zweit- oder Drittgerät eine ganz gute Wahl. Das System ist gut aufeinander abgestimmt, so dass das Drucken out-of-the-box kein Problem sein sollte.

Wir geben dem Drucker 3,5 von 5 Punkten.