CREALITY CR-6 SE – Bastelbude oder lohnenswerter Einstiegsdrucker? Unser Erfahrungsbericht

Achtung: Dieser Bericht enthält Werbung. Das Gerät selber wurde aber von uns gekauft und in keiner Weise von einem Hersteller oder Händler gestellt.

Das große Unternehmen ungewöhnliche Wege gehen, ist heutzutage keine Seltenheit mehr.
So startete CREALITY im April 2020 eine Kickstarter-Kampagne, um ein neues 3D-Drucker Modell auf den Markt zu bringen – den CR-6 SE*.

Bahnbrechend sollte der CR-6 SE* sein, ein neuartiges Leveling-System besitzen, innerhalb von 5 Minuten zu montieren sein und ein brandneues Extruder-Hotendsystem besitzen. Zudem wurde von CREALITY ein optischer Filamentsensor und weitere Add-Ons angekündigt, die Nutzer des bisherigen Schlachtrosses, dem Ender-3, vermissten: Dual-Z, Riemenspanner und eine Schublade unterhalb des Heizbetts.

Die Features des Gerätes, die CREALITY versprach, sahen gut aus und auch wir konnten der Versuchung nicht wiederstehen und haben die Kampagne im April unterstützt.
Im August, so CREALITY, sollte dann die Auslieferung starten.

Lieferzeiten und erste Rückmeldungen

Leider lief die Auslieferung des Druckers nicht so, wie es sich die Backer des Projektes gewünscht haben. CREALITY lieferte nicht nach der Reihenfolge der eingegangenen Unterstützer den 3D-Drucker, sondern immer länderabhängig, das heißt, dass zuerst die amerikanischen Backer beliefert wurden und der Rest warten musste.
Dies führte schon zum ersten Unmut in den Reihen der Unterstützer und man griff CREALITY mehrfach an, das die Reihenfolge der Verteilung so nicht klar und offen kommuniziert wurde.

Doch die nächsten schlechten Nachrichten ließen nicht lange auf sich warten: Es gab reihenweise Meldungen über abgebrannte Mainboards in den sozialen Netzwerken.

Nutzer auf der ganzen Welt sorgten sich, ob ihr Gerät beim ersten Einschalten auch direkt in Rauch aufgehen würde oder nicht.
Auch wir waren besorgt, mussten aber noch warten, bis wir unseren Drucker geliefert bekamen.

Im Oktober, also deutlich länger als die versprochene Lieferung im August, war es dann endlich soweit und mit großer Erwartung bauten wir das Gerät zusammen.
Die fünf Minuten Aufbauzeit, die CREALITY versprochen hatte, konnten wir zwar nicht ganz einhalten, aber deutlich schneller als andere 3D-Drucker ließ sich der CR-6 SE aufbauen.
Man musste nur deutlich aufpassen, dass die Profile in die dafür vorgesehenen Nuten passgenau eingebracht wurden.

Das erste Einschalten sah gut aus und auch die befürchteten Rauchschwaden blieben aus. – Wir waren erst einmal froh.

Doch ein Blick in die Community sorgte kurz danach wieder für Stirnfalten: der Hauptschalter, den CREALITY in Teilen seiner Drucker verbaut hatte, sollte fehlerhaft sein und dafür sorgen, dass sich der Drucker entweder nicht mehr einschalten oder ausschalten ließe.

Auch hier hatten wir anscheinend Glück und der Hauptschalter hat bisher seinen Dienst gut verrichtet und den Drucker immer ordentlich ein – bzw. ausgeschaltet.

Bett-Leveling und Druckergebnisse

Bahnbrechend sollte das neue Levelingsystem sein, welches CREALITY mit dem CR-6 SE angekündigt hatte. Kein zusätzlicher Sensor, wie der BL-Touch oder ein kapazitiver Sensor, sollte verbaut sein.

Und tatsächlich das Leveling funktioniert, zumindest bei unserem Drucker, reibungslos.  Es wird über eine Art „Wägezelle“ oberhalb des Hotends realisiert – ähnlich eines Piezzos.
Die Bewegungen der Z-Achsen zum Ausgleich der „Schiefstellung“ realisiert der Drucker ohne Probleme.

Wir haben den CR-6 SE für einen Druckauftrag benutzt und sind nach wie vor von der Druckqualität überzeugt. Der Drucker lief dabei bis zu 18 Stunden täglich und das über fast 4 Wochen.
Als Slicer benutzen wir hierfür den PrusaSlicer und als Profil eine abgeänderte Version vom Ender-3.

Christmas Village – 26 Stunden Druckzeit

Da der CR-6 SE mit einem Carbon-Glasbett geliefert wurde, haben wir bisher auf die Verwendung von PETG verzichtet und nur PLA mit dem Drucker verarbeitet. Dieses aber von mehreren Herstellern und in verschiedenen Preisklassen.

Die neuartige Extruder-Hotend-Kombination ist gut aufeinander abgestimmt und liefert passable Extrusionsergebnisse.
Das Einzige, was wir direkt getauscht haben, ist den Tube, da wir mittlerweile nur noch den blauen Capricorn PTFE Tube* verwenden.

 

Mainboard und Firmware

Zum Mainboard und zur Firmware können wir bisher nicht viel sagen.
Was uns aber etwas komisch vorkommt, ist die Verkabelung des Mainboards. Diese ist nicht mehr mit einzelnen Steckern für Endstops und Motoren getrennt, sondern führt diese teils in einem Stecker zusammen.
Warum dies CREALITY so entwickelt hat, bleibt uns ein Rätsel, zumal es schon nach kürzester Zeit ein Mainboard* von BIGTREETECH gab, welches gegen das original Board getauscht werden kann.

Ansonsten sind auf dem Board TMC2209 Treiber verbaut, was den Drucker leise macht.
Auch die Lüfter für das Netzteil oder die Hotendkühlung finden wir jetzt nicht besonders laut.

Die Firmware des CR-6 SE basiert auf Marlin, ist quelloffen und auf der Seite von CREALITY zu finden. Das letzte Update vom Hersteller selbst ist vom 03. Dezember 2020.

Was wir sehr schade und auch nervig finden ist, dass für ein Update des Displays dieses demontiert werden muss, da sonst der Micro-SD Anschluss nicht zu erreichen ist.
Mittlerweile haben wir aber auch hier eine Lösung gefunden: mit einer kurzen Verlängerung*

 haben wir den Slot für die Karte nach außengelegt und unter das Display geklebt.

Weitere Rückmeldungen aus der Community

Es sollen, laut der Community, wohl noch einige Fehler beim CR-6 SE bestehen.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • 24V wird bei manchen Geräten über die USB-Buchse abgegeben – VORSICHT beim Anschließen Eures Computers
  • Die X-Riemen reißen wohl bei manchen Geräten sehr schnell während des Spannens
  • Der Filamentsensor sorgt bei manchen Geräten für Probleme

Weitere Informationen findet Ihr hier: https://gist.github.com/Sebazzz/ff4d716c8d2ad9bab1e87b3fc4238281

Unser Fazit

Der CR-6 SE ist bei manchen geliebt, bei manchen gehasst. Wir jedenfalls sind bisher von den berichteten Problemen verschont geblieben und hoffen, dass es auch weiterhin so bleibt.

Die Druckergebnisse des CR-6 SE sind gut und die Einrichtung des Systems recht simpel.
Wer einen Drucker für um die 350-400€ sucht ist mit dem CR-6 SE ganz gut bedient.

Zuletzt aktualisiert am 20. Juni 2021 um 2:04 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Kleine Anmerkung von uns:
Das immer mehr große Unternehmen, wie z.B. CREALITY oder JGMaker die Plattform Kickstarter für den Verkauf ihrer Produkte verwenden, wiederspricht dem eigentlichen Sinn der Plattform. Ziel von Kickstarter ist es, kleinen Unternehmen und Erfindern die Möglichkeit der Finanzierung ihrer Projekte zu ermöglichen und nicht als Verkaufsplattform für Millionen Dollar schwere Unternehmen zu dienen.

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.

One thought on “CREALITY CR-6 SE – Bastelbude oder lohnenswerter Einstiegsdrucker? Unser Erfahrungsbericht

  • 1. Februar 2021 um 16:02
    Permalink

    Super Zusammenfassung und sehr informationsreich! Macht weiter so! 🙂
    Bin Neuling und gerade am überlegen ob ich den Ender 3V2 oder doch lieber den CR-6 SE holen soll :/

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.