Filamente richtig lagern

Warum Filamente richtig lagern?

Der erste Druck mit neuem Filament läuft, die Einstellungen passen und das Druckergebnis ist perfekt.
Zwei Wochen später, derselbe Druck, dasselbe Filament, doch nichts geht? – Wie kann das sein?

Ein Grund ist, dass das Material mit der Zeit Feuchtigkeit „zieht“, die in der Umgebungsluft vorhanden ist. 
Dabei muss aber erwähnt sein, dass bestimmte Materialien mehr bzw. schneller Feuchtigkeit aufnehmen als  andere. Polypropylen (PP bzw. Nylon) ist hier sehr empfindlich. Aber auch PVA, welches besonders gerne als Stützmaterial verwendet wird, ist stark hygroskopisch (wasseranziehend).

Die Folgen sind verstopfte Düsen, Farbunterschiede und Oberflächenprobleme.
Je nachdem wie viel Feuchtigkeit im Filament eingelagert ist, kann es sogar zum Aufkochen des Wassers im Filament kommen.
Blasenbildung und ein hörbares Zischen des Material in der Düse sind klare Anzeichen dafür.

Video

In unserem Video zeigen wir Euch verschiedene Methoden, wie Ihr Filament lagern könnt.

Schutz gegen Feuchtigkeit

Schauen wir mal, wie es die Hersteller von Filamenten machen: die Rollen werden oftmals, aber nicht immer, vakuumversiegelt, mit einem Päckchen Silicagel* im Inneren des Folienbeutels, verschickt.

Von Narek75 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50433403

Dies hat zwei Vorteile: zum einen gelangt keine Feuchtigkeit durch die Vakuumversiegelung an das Filament, zum anderen nimmt das Silicagel* die noch verbliebene Restfeuchtigkeit auf.
Zudem werden die meisten Filamentrollen in einem geschlossenen Karton verpackt, welcher das Material gegen Sonneneinstrahlung schützt.

Mehr über Silicagel* erfahrt Ihr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kieselgel (Wikipedia)

Was könnt Ihr Zuhause machen?
Wir stellen Euch hier mehrere, mal mehr oder weniger kostenintensive, Varianten vor, Eure Rollen zu schützen.

Vakuumieren

Fangen wir mit der professionellsten und teuersten Methode an:
Ihr kauft Euch ein Vakuumierer, wie er zum Beispiel für das Sous-Vide-Garen benutzt wird, und schweißt Eure Filament-Rollen wieder ein.
Geräte dafür liegen preislich bei rund 50 – 150€ und sind bei diversen Onlinehändlern und ab und an mal beim Discounter erhältlich.

Zusätzlich benötigt Ihr noch den passenden Vakuumschlauch als Rollenware für ca. 10€ pro Rolle.
Als Trockenmittel kommt dann wieder eine Packung Silicagel * in den Schlauch. Ihr könnt auch das Beutelchen aus der Originalverpackung wiederverwenden.

Tipp:
Wenn Ihr den Beutel lang genug lasst, dann müsst Ihr für die nächsten Versiegelung keinen neuen Folienbeutel herstellen.

Leider mussten wir aber feststellen, dass nicht alle Rollen in die ca. 30cm breiten Beutel passen.
Wenn man diese auch verpacken möchte, dann benötigt man ein Profigerät, welches einen größeren Folienbeutel verschweißen kann. Diese Geräte liegen aber dann preislich bei rund 250€ aufwärts.

 

VorteilNachteil
+ Filament ist luftdicht verpackt– Teuer
+ Wenig Platzbedarf (Folienrolle)– Nicht für jede Rollengröße geeignet
 – Benötigt ein Vakuumiergerät
 – Bedingt wiederverwendbar

Filament-Lagerboxen

Wer Zuhause genug Platz hat, der kann sich für die Unterbringung seiner Filamentrollen eine Filament-Lagerbox bauen.

Wir wollen Euch anhand unserer Box einmal zeigen, wie so etwas aussehen kann.
Als Grundbox haben wir uns für die Heidrun Dragon Box* entschieden.
Diese könnt Ihr in verschiedenen Größen bei Discountern oder auch bei Amazon kaufen.
Unsere Box hat ein Maß von 390 x 290 x 200 mm und besteht aus einem durchsichtigem Körper mit einem zweigeteilten schwarzen Klappdeckel.
Im Inneren der Box befinden sich zwei Aufnahmen für ein passend gesägtes ø25m Aluminiumrohr.
Um das Filament nach außen zu führen, haben wir drei Durchlässe an der Seite angebracht, welche einen 4 x 2mm Teflonschlauch aufnehmen und festklemmen können.

Zum Trockenhalten des Inneren verwenden wir einen wiederaufladbaren Entfeuchter*.
Dieser verfügt im Inneren über ein Trockenmittel, welches wieder rückgetrocknet werden kann.
Das Gerät ist klein und kompakt und meldet über einen Indikator, wann die maximale Feuchtigkeit aufgenommen wurde und eine Rücktrocknung nötig ist.
Der Anschluss des Entfeuchters für die Rücktrocknung erfolgt dann ganz einfach an die Steckdose, wo das Gerät ca. 12-15 Stunden verbleibt. Der Verbrauch wird mit rund 20W angegeben, so dass ein Zyklus ca. 270W verbraucht.

Alternativ kann man natürlich auch Silicagel * als Trockenmittel in der Box verwenden. Dieses gibt es als Großbeutel oder loses Schüttgut im Handel zu kaufen.

Eine gute Ergänzung bietet übrigens ein Hygrometer, welches Ihr in die Box mit einsetzen könnt.

Zuletzt aktualisiert am 21. Juni 2021 um 2:01 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
 

VorteilNachteil
+ Filament kann direkt aus der Box entnommen werden– Benötigt viel Platz
+ Wiederverwendbar– Handwerkliches Geschick zum Bau wird benötigt
+ Stapelbar– Nicht 100% dicht

Zip-Beutel

Die kostengünstigste Variante, die wir euch vorstellen wollen, ist die Lagerung der Filamentrollen in einem Zip-Beutel.
Alles was Ihr hierzu benötigt sind 6 Liter ZIP-Beutel * aus dem Supermarkt und Silicagel * Päckchen.
Selbst größere Rollen passen durch die große Öffnung in die Beutel und lassen sich ganz simpel verpacken.
Alles was Ihr dafür tun müsst, ist die verbliebene Luft so gut es geht aus dem Beutel herauszudrücken und diesen dann zu verschließen. Vorher solltet Ihr natürlich noch das Trockenmittelpäckchen hineinlegen.

VorteilNachteil
+ Günstig– Nicht 100% dicht
+ Schnell– Nicht für alle Rollen geeignet
+ Mehrmals einsetzbar 
+ wenig Platz 

+++Aktualisierung+++

Als wir den Artikel vor einiger Zeit verfasst haben, gab es noch keine fertigen Lösungen auf dem Markt. 
Mittlerweile hat sich dies geändert und einige Hersteller haben Filamentboxen auf den Markt gebracht.

Eine davon ist die Box von SUNLU, die für rund 60€ bei Amazon zu finden ist, aber auch andere Hersteller, wie Aibecy oder Polymaker haben Boxen entwickelt.

Zuletzt aktualisiert am 21. Juni 2021 um 2:01 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Wir selbst haben die Boxen noch nicht getestet, werden dies aber beizeiten nachholen.

Fazit

Egal welche Variante Eurer Liebling ist, wichtig ist immer die trockene Lagerung des Filaments, damit Ihr später keine Überraschungen beim Druck erlebt.
Uns gefallen alle Lösungen und werden auch bei uns eingesetzt.
Wenn es schnell gehen soll, dann nehmen wir den Zipper Beutel, wenn wir das Filament öfters nutzen, dann die Lagerbox und wenn wir das Material längerfristig nicht benötigen, dann wird es eingeschweißt.
Zusätzlich solltet Ihr Euer Filament immer so gut es geht vor Sonneneinstrahlung schützen, damit alle Eigenschaften des Materials erhalten bleiben. 

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.

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