Tipp: Filamente richtig lagern




Warum Filamente richtig lagern?

Der erste Druck mit neuem Filament läuft, die Einstellungen passen und das Druckergebnis ist perfekt.
Zwei Wochen später, derselbe Druck, dasselbe Filament, doch nichts geht? Wie kann das sein?

Einer der Hauptgründe, warum es zu solchen Problemen kommt ist Feuchtigkeit. Doch woher kommt diese?

Es reicht, wie in unserem Beispiel schon die Lagerung einer offenen Rolle Filament an der Luft, denn über die Zeit nimmt das Material die Umgebungsfeuchtigkeit aus der Luft auf und speichert sie im Inneren.

Die Folgen können verstopfte Düsen, Farbunterschiede und Oberflächenprobleme sein.
Je nachdem wie viel Feuchtigkeit im Filament eingelagert ist, kann es sogar zum Aufkochen des Wassers im Filament kommen. Blasenbildung und ein hörbares Zischen will mancher schon beobachtet haben. Wir konnten diesen Fall bislang aber noch nie erleben.

Wie könnt Ihr Eure Rollen gegen Feuchtigkeit schützen?

Schauen wir uns mal an, wie es die Filamenthersteller machen: die Rollen werden meist vakuumversiegelt, mit einem Päckchen Silica Gel * im Inneren des Folienbeutels, verschickt.
Dies hat zwei Vorteile: zum einen gelangt keine Feuchtigkeit durch die Vakuumversiegelung an das Filament, zum anderen nimmt das Silica Gel die noch verbliebene Restfeuchtigkeit auf.
Zudem werden die meisten Filamentrollen in einem geschlossenen Karton verpackt, welcher das Material gegen Sonneneinstrahlung schützt.

Was könnt Ihr Zuhause machen? Es gibt mehrere, mal mehr oder weniger kostenintensive Möglichkeiten Eure Rollen zu schützen. Wir stellen Euch drei Varianten vor.

Mehr über Silica Gel * erfahrt Ihr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kieselgel (Wikipedia)

Vakuumversiegelung

Fangen wir mit der professionellsten und teuersten Methode an:
Ihr kauft Euch ein Vakuumierer, wie er zum Beispiel für das Sous-Vide Garen benutzt wird und schweißt Eure Rollen wieder ein.
Die günstigsten Geräte dafür liegen bei rund 40 -60€ und sind bei diversen Onlinehändlern und ab und an mal beim Discounter erhältlich.

Zusätzlich benötigt Ihr noch den passenden Vakuumschlauch als Rollenware für ca. 10€ pro Rolle.
Als Trockenmittel könnt Ihr zum Beispiel die Silica Gel * Päckchen aus der Originalverpackung wiederverwenden. Und wenn Ihr den Beutel lang genug lasst, dann müsst Ihr für die nächsten Versiegelung keinen neuen Folienbeutel herstellen.

Leider mussten wir aber festgestellen, dass nicht alle Rollen in die ca. 30cm breiten Beutel passen.
Wenn man diese auch verpacken möchte, dann benötigt man ein Profigerät, welches einen größeren Folienbeutel verschweißen kann. Diese Geräte liegen aber dann preislich bei rund 250€ aufwärts.

Vorteil Nachteil
+ Filament ist luftdicht verpackt - Teuer
+ Wenig Platzbedarf (Folienrolle) - Nicht für jede Rollengröße geeignet
  - Benötigt ein Vakuumiergerät
  - Bedingt wiederverwendbar

Filament-Lagerboxen

Wer Zuhause genug Platz hat, der kann sich für die Unterbringung seiner Filamentrollen eine Filament-Lagerbox bauen.

Wir wollen Euch anhand unserer Box einmal zeigen, wie so etwas aussehen kann.
Als Grundbox haben wir uns für die Heidrun Dragon Box entschieden. Diese könnt Ihr in verschiedenen Größen bei diversen Discountern oder auch bei amazon.de kaufen.
Unsere Box hat ein Maß von 390 x 290 x 200 mm und besteht aus einem durchsichtigem Körper mit einem zweigeteilten schwarzen Klappdeckel.
Im Inneren der Box befinden sich zwei Aufnahmen für ein passend gesägtes ø25m Aluminiumrohr.
Um das Filament nach außen zu führen, haben wir drei Durchlässe an der Seite angebracht, welche einen 4 x 2mm Teflonschlauch aufnehmen und festklemmen können.

Zum Trockenhalten des Inneren verwenden wir einen wiederaufladbaren Mini Entfeuchter.
Dieser verfügt im Inneren über ein Trockenmittel, welches wieder rückgetrocknet werden kann. Das Gerät ist klein und kompakt und meldet über einen Indikator, wann die maximale Feuchtigkeit aufgenommen wurde und eine Rücktrocknung nötig ist.
Der Anschluss des Entfeuchters für die Rücktrocknung erfolgt dann ganz einfach an die Steckdose, wo das Gerät ca. 12-15 Stunden verbleibt. Der Verbrauch wird mit rund 20W angegeben, so dass ein Zyklus ca. 270W verbraucht.

Alternativ kann man natürlich auch Silica Gel * als Trockenmittel in der Box verwenden. Dieses gibt es als Großbeutel oder loses Schüttgut im Handel zu kaufen.

 

 


 

SPARTIPP:
Silikat Katzenstreu besteht ebenfalls aus Kieselgel und ist eine günstige Alternative zu den fertigen Päckchen. Eingepackt in eine alte Socke oder ein kleines genähtes Stoffbeutelchen, ist es genauso gut für das Trockenhalten Eures Filaments geeignet. Eine Rücktrocknung im Backofen wird aber nicht empfohlen, da nicht auszuschließen ist, dass weitere Zusatzstoffe im Streu enthalten sind.

Die Druckdaten für die Box findet Ihr auf unserer Patreon-Seite.

Vorteil Nachteil
+ Filament kann direkt aus der Box entnommen werden - Benötigt viel Platz
+ Wiederverwendbar - Handwerkliches Geschick zum Bau wird benötigt
+ Stapelbar - Nicht 100% dicht
   

Zip-Beutel

Die letzte und kostengünstigste Variante, die wir euch vorstellen wollen, ist die Lagerung der Filamentrollen in einem Zip-Beutel.
Alles was Ihr hierzu benötigt sind 6 Liter ZIP-Beutel * aus dem Supermarkt und Silica Gel * Päckchen.
Selbst größere Rollen passen durch die große Öffnung in die Beutel und lassen sich ganz simpel verpacken.
Alles was Ihr dafür tun müsst, ist die verbliebene Luft so gut es geht aus dem Beutel herauszudrücken und diesen dann zu verschließen. Vorher solltet Ihr natürlich noch das Trockenmittelpäckchen hineinlegen.

Vorteil Nachteil
+ Günstig - Nicht 100% dicht
+ Schnell - Nicht für alle Rollen geeignet
+ Mehrmals einsetzbar  
+ wenig Platz  




Fazit

Egal welche Variante Eurer Liebling ist, wichtig ist immer die trockene Lagerung des Filaments, damit Ihr später keine Überraschungen beim Druck erlebt.
Uns gefallen alle drei Lösungen und werden auch bei uns eingesetzt. Wenn es schnell gehen soll, dann nehmen wir den Zipper Beutel, wenn wir das Filament öfters nutzen, dann die Lagerbox und wenn wir das Material längerfristig nicht benötigen, dann wird es eingeschweißt.
Zusätzlich solltet Ihr Euer Filament immer so gut es geht vor Sonneneinstrahlung schützen, damit alle Eigenschaften des Materials erhalten bleiben.

Ulrich Saßmannshausen

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.
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2 Gedanken zu „Tipp: Filamente richtig lagern

  • 30. April 2018 um 14:13
    Permalink

    Hi – danke für die Vorschläge – stellt ihr die Dateien zum Druck der Durchlasse und Halterungen zur Verfügung? Wenn ja wo

    Danke und Grüße

    Michael

    Antwort
  • 12. April 2018 um 13:57
    Permalink

    Klasse Beitrag, die Ratschläge werden wir gerne befolgen.
    Wo Ihr allerdings in der Plasikbox ein Alu-Rohr mit einem 28 Meter Durchmesser unterbrigt, ist mir schleierhaft. Das sollte doch wohl 20mm statt 20m heißen?

    Antwort

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