Review: Alfawise U30 Pro

Das der Prusa-Aufbau bei 3D-Druckern heutzutage sehr erfolgreich ist, merkt man daran, dass fast täglich neue Modelle dieser Art auf den Markt kommen.
Dabei ist momentan eine Modellreihe, der Ender-3 von Creality3D, eine der erfolgreichsten auf dem Markt.
Doch jetzt scheint Gegenwind zu kommen.
Mit dem U30 Pro drängt der Gearbest eigene Hersteller Alfawise auf den Markt. Mit dem siebten Modell des chinesischen Herstellers scheint man in diesem hart umkämpften Gebiet nun Fuß gefasst haben.

Doch was macht den U30 Pro anders, als seine Konkurrenten?

Hier in unserem Review, welches wir wieder durch die Unterstützung von Gearbest schreiben konnten, werdet Ihr es erfahren.

Anlieferung, Auspacken und Montieren

Mittlerweile gibt es zum Transport nicht mehr viel zu schreiben, da die 3D-Drucker, welche uns aus Fernost erreichen, immer bestens geschützt verpackt sind.
Die Lieferung dauerte von der Ankündigung bis zur Auslieferung rund 4 Wochen und besaß sogar eine DHL Trackingnummer. Somit konnten wir immer verfolgen, wo sich das Paket momentan befand.

Nach dem Auspacken ging es natürlich direkt mit der Montage los.
Diese war dank übersichtlicher und gut verständlicher und sogar deutscher Aufbauanleitung überhaupt kein Problem. Auch das mitgelieferte Werkzeug machte einen ganz ordentlichen Eindruck und kann auch nach der Montage weiterverwendet werden.
Es wird in der Anleitung sogar darauf hingewiesen, dass die Exzenterschrauben entsprechend einzustellen sind.
Diesen Hinweis haben wir bisher bei keinem anderen Hersteller gesehen und hat uns wirklich positiv überrascht.
Daher denken wir, dass der Aufbau auch von Anfängern durchzuführen ist.

Weiter ging es mit dem Einstellen und Leveln des gesamten Systems. Auch hier war das ganze kein Problem, da der U30 Pro in seiner Menüführung ein Levelingprogramm bereitstellt.
Mehr zum Menü und dem eigentlichen Eyecatcher, dem 4,3“ LCD-Display erfahrt Ihr im Abschnitt Elektronik.

Technische Daten

 
TechnologieFFF/FDM
AusführungBausatz / vormontiert
RahmenmaterialAluminiumprofil
Filament Durchmesser1.75 mm
Druckermaße (HxBxT)425 x 402 x 505 mm
Extruder / HotendBowden Extruder
Düsendurchmesser0.4 mm
HerstellerAlfawise
ModellU30
Hersteller LandChina
DruckplattformAluminium Heizbett 24V
Unterstütztes MaterialPLA, ABS, PETG uvm.
Max. Druckbereich (LxBxH)220 x 220 x 250 mm
AnschlussmöglichkeitenUSB-Buchse / microSD Slot
Softwarealle gängigen Slicer
Systemanforderungenab Windows 7 / MAC OS
Dateiformat.stl , .obj, g-code
Gewicht7,8 kg
DisplayFull Color Touch Display

Mechanik, Lager und Führungen

Der U30 Pro setzt, wie sein kleiner Bruder der U30, an allen Achsen auf V-Slot Führungen mit POM-Rädern.
Diese lassen sich, wie bereits zuvor schon beschrieben, mit Exzenterschrauben einstellen, um eventuell auftretendes Spiel zu reduzieren.
Für den Antrieb der Z-Achse setzt Alfawise beim U30 Pro leider nur auf eine Spindel. Dafür, dass es ein „Pro“ Modell sein soll hätten wir schon eine zweite Spindel erwartet.
Ansonsten machen der mechanische Aufbau bzw. die Konstruktion einen ganz soliden Eindruck.

Dadurch das der U30 Pro ein Stand-Alone-System ist, mussten die Elektronik und das Netzteil einen Platz am Drucker finden. Hierfür hat man den U30 Pro einfach „aufgebockt“ und die Komponenten unten platziert.
Das Ganze mag zwar ein wenig komisch anmuten, ist aber unserer Meinung nach eine gute und einfache Lösung, denn so bietet sich der Platz vor der Elektronikbox an, um dort Werkzeug oder benötigtes Zubehör zu lagern.

Extruder, Hotend und Heizbett

Die Kombination von Extruder und Hotend ist, wie bei den meisten 3D-Druckern der Chinaklasse, als Bowdensystem ausgeführt. Beim Extruder hat man auf einen, etwas abgewandelten, MK8 Standard-Extruder gesetzt. Als Hotend kommt eine MK8 CR-10 Variante zum Einsatz.
Beide Komponenten liefen beriets nach dem Auspacken recht sauber zueinander, so dass auch ohne Abgleich der E-Steps ein brauchbares Ergebnis aus dem Drucker kam.

 

Das Heizbett arbeitet, wie der gesamte Drucker, auf 24V.
Hierdurch erreicht man im Gegensatz zu 12V Systemen wesentlich schnellere Aufheizzeiten beim Heizbett und Hotend.
Das Aufheizen auf 60°C dauerte bei uns im Test rund 90 Sekunden.

Elektronik

Die Elektronikausstattung des U30 Pro hat uns ehrlich gesagt etwas überrascht.
Nicht nur das 4,3“ LCD-Display, was wirklich ein absoluter Hingucker ist, hat überzeugt, sondern auch das Mainboard, welches mit austauschbaren Steppertreibern daherkommt.
Anders als bei der Konkurrenz ist beim verbauten Mainboard bereits Marlin als Firmware eingespielt und lässt sich auch jederzeit updaten, da das Mainboard einen ATMega2560 Chip besitzt.
Diese Sache hatte uns zuweilen bei anderen Herstellern doch sehr geärgert, denn so waren keine Einstellungen und Abstimmungen in der Firmware möglich.
Nicht aber beim U30 Pro. Wer das System direkt auf eine aktuelle Version von Marlin bringen will, der findet sogar auf der Webseite von Gearbest die aktuellste Version. Diese ist aber auch auf GitHub zu erhalten.

Nochmal zurück zu den Steppertreibern.
Auch hier gibt es mal wieder einen Pluspunkt, denn der Alfawise U30 besitzt TMC2100 Treiber für die X- und Y- Achse, welche die Geräuschentwicklung während des Druckvorganges doch erheblich dämpfen.

 

Apropos Geräuschentwicklung, denn hier liegt leider ein Schwachpunkt des Druckers. Die Lüfter für die Elektronikbox und das Hotend sind überirdisch laut und scheinen von Anfang an bereits einen Lagerschaden zu besitzen.
Ganz zu schweigen vom Bauteillüfter, welcher bereits nach dem zweiten Druck komplett den Geist aufgab. Hier wären ein paar Cent mehr in bessere Lüfter doch angebracht gewesen – Punktabzug.

Bedienung und Features

Die Bedienung des U30 Pro ist dank des Touch-Displays sehr einfach und übersichtlich.
Es gibt eine Funktion zum Ein- und Ausfädeln des Filaments und einen Levelingassistenten.
Des Weiteren können alle Achsen manuell verfahren und in Home-Position gebracht werden.
Das Display reagiert gut auf die Eingaben und ist mit einem übersichtlich im Menü versehen.

Leider bietet das Display keinerlei Möglichkeit ein PID-Tuning für das Hotend oder die Einstellung der Bewegungsparameter der Achsen zu machen. Das Ganze ist aber nicht weiter tragisch, da man über ein Terminal die Möglichkeit hat die Funktionen durchzuführen und per EEPROM zu speichern.

Druckergebnis

Leider schwächelt der U30 Pro an dieser Stelle. Dies ist vor allem der Druckbettauflage geschuldet. Diese ist zwar aus Glas, hat aber bei unserem Testgerät eine Delle zur Mitte hin.
Somit kann man noch so oft die Außenecken leveln, doch die Mitte liegt ungefähr 0,08mm tiefer als der Rest. Dadurch bedingt hat man entweder zu den Seiten hin einen gequetschten Firstlayer oder halt in der Mitte größere Abstände zwischen den Linien bis hin zum Haftverlust.

Ansonsten ist das Druckergebnis befriedigend bis gut.
Die Layer bildet das Hotend sauber ab und Stützstrukturen lassen sich problemlos drucken.
Voraussetzung dafür ist natürlich ein gewissenhaft eingestelltes System und ein kalibrierter Extruder.
Die Druckgeschwindigkeiten sollten beim U30 Pro nicht allzu hoch gewählt werden, da das System, wie bereits eingangs geschrieben, ein Bettschubser ist. Mit 40 – 80mm/s seid Ihr bei diesem Drucker genau richtig.

Preis / Leistung

Für einen Preis von 150 – 220€, je nachdem welche Gutscheine gerade im Umlauf sind, ist der U30 Pro bereits zu haben und liegt so im Preissegment der Einsteigerdrucker. 

Fazit

Wer sich für den Alfawise U30 Pro entscheidet macht sicherlich nicht viel verkehrt. Bis auf die Sache mit den Lüftern und der Glasplatte ist dieser 3D-Drucker durchaus ein gutes Gerät, welcher sich auch gerne mit dem Ender-3 messen kann.
Besonders gefallen hat uns am U30 Pro das große 4,3“ LCD-Display, das Mainboard, welches dank ATMega2560 Chip und Marlin quelloffen ist und die TMC 2100 Steppertreiber.
Dies sind alles Features, die man bei anderen Herstellern nicht von Anfang an dabei hat und dort nachrüsten muss.

Der U30 Pro erhält eine Wertung von 4,6 Punkten und ist somit besonders empfehlenswert.

Bewertung
Gesamtbewertung 4,6 / 5
Zusammenbau 4 / 5
Mechanik / Elektronik 5 / 5
Ausstattung 5 / 5
Druckqualität 4 / 5
Preis / Leistung 5 / 5
Lautstärke 4,5 / 5

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.
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