Review: ANYCUBIC Photon SLA/DLP 3D-Drucker | Gastbeitrag

Vor wenigen Wochen erhielt ich ein großes Paket, dass Ich schon heiß erwartet habe. Ich besitze mehrere 3D-Drucker, die im FDM Verfahren arbeiten.
Doch diesmal war es kein weiterer FDM 3D-Drucker, sondern der Anycubic Photon SLA/DLP 3D-Drucker. Ich war schon seit einiger Zeit an einem DLP Drucker interessiert, jedoch war mir der Einstiegspreis für eines der Geräte von Formlabs zu teuer und der günstige Wanhao schien mir noch nicht ganz ausgereift. Umso mehr war ich gespannt, was mich für den Kaufpreis von 450 Euro erwartet. In 10 Minuten war der erste Druck gestartet.

Kleiner Spoiler: Für Bastler ist dieser Drucker nichts. 

Auspacken und Lieferumfang

 Es erwartete mich ein sehr ordentlich verpackter Drucker. Im Karton lagen auf einer Schaumstoffschicht das Zubehör, sowie das Netzteil. Unterhalb der ersten Schicht war auch schon der Drucker zu finden, das war es.

Im Lieferumfang befindet sich natürlich der Drucker mit einer Resinwanne, einer Bauplattform und einem Netzteil.

Zudem war folgendes im Paket enthalten:

  • USB Stick
  • 250g Resin grün
  • 1 Mundschutzmaske
  • 3 Paar Gummihandschuhe
  • 10 Papierfilter
  • Bedienungsanleitung
  • Ersatz FEP Folie für die Resinwanne
  • 3 Innensechskant- und ein Kreuzschlitz Schraubendreher
  • 1 Plastikspachtel
  • 5 Extra Schrauben
Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Technische Daten Anycubic Photon SLA/DLP

  • Bildschirm: 2K Auflösung, 0.047mm XY Genauigkeit (2560x1440px)
  • Bauraum: 115mm x 65mm x 155mm
  • Gerätegröße: 220mm x 200mm x 400mm
  • Gewicht: 6,6 kg
  • Technik: LCD Shadow Masking

SLA/DLP – wie bitte?

Kurzer Einblick in das DLP Verfahren: Beim Digital Light Processing wird flüssiges Kunstharz schichtweise durch UV-Strahlung ausgehärtet. Dadurch werden besonders feine Drucke möglich mit kaum bis gar nicht sichtbaren Schichten. 

Im Gegensatz zum FDM Druck wird auf die Bewegung der X- und Y-Achse verzichtet, da diese durch die Projektion der gesamten Schicht dargestellt wird. Lediglich die Bauplattform wird an der Z-Achse angehoben und somit ein dreidimensionales Objekt aufgebaut.
Der Vorteil ist, dass es theoretisch möglich ist, mehrere Objekte in gleicher Zeit zu drucken wie ein einzelnes Bauteil, da die Druckzeit maßgeblich von der Belichtungszeit bestimmt wird.

Das hier angewendete Shadow Masking Verfahren bedeutet, dass unter dem LCD Bildschirm eine UV-Lampe sitzt. Das LCD-Display erzeugt einen Schatten und lässt nur den Bereich in der Resinwanne aushärten der nicht im Schatten liegt.

Das Wichtigste zuerst – die Sicherheit

Kunstharz oder Resin, wie es meist genannt wird, ist ein gesundheitsgefährdender Stoff.
Dem Datenblatt können folgende Sicherheitshinweise entnommen werden:

 Gefahrenhinweise:

  • H315 Verursacht Hautreizungen
  • H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen
  • H319 Verursacht schwere Augenreizung
  • H411 Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.

Sicherheitshinweise:

  • P102 Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen
  • P273 Freisetzung in die Umwelt vermeiden
  • P280 Schutzhandschuhe, Augen- und Gesichtsschutz tragen
  • P302+P352 BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: Mit viel Wasser waschen
  • P333+P313 Bei Hautreizung oder -ausschlag: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • P305+P351+P338 BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen.
  • P501 Inhalt/Behälter in Übereinstimmung mit den nationalen Vorschriften einer Entsorgung zuführen.

Zusätzliche Sicherheitshinweise:

  • P261 Einatmen von Dampf/Aerosol vermeiden
  • P264 Nach Handhabung kontaminierte Haut gründlich waschen
  • P272 Kontaminierte Arbeitskleidung nicht außerhalb des Arbeitsplatzes tragen
  • P337+P313 Bei anhaltender Augenreizung: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen
  • P362+P364 Kontaminierte Kleidung ausziehen und vor erneutem Tragen waschen
  • P391 Ausgetretene Mengen auffangen

Also eine ausgesprochen große Litanei an Hinweisen und Ratschlägen, die dringend eingehalten werden sollten.

Bildergallerie

Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Geruch

Der Geruch, der beim Umgang mit Resin entsteht, ist unangenehmer als der von ABS.
Ebenso breitet er sich stärker durch geschlossene Türen aus. Ich arbeite nur mit einer A3P3 Gasmaske, sowie im Arbeitskittel.
Der Drucker verfügt zwar über einen Aktivkohlefilter und der entsprechende Lüfter arbeitet auch ordentlich, jedoch ist der Geruch trotzdem unangenehm. Für den Gebrauch in einer kleinen Wohnung, halte ich den Drucker für ungeeignet.
Wer eine Werkstatt, ein Arbeitszimmer oder einen Keller hat, sollte trotzdem über eine Absaugung nachdenken. Dies ist nur meine Meinung. Ich persönlich möchte meine Gesundheit nicht kaputt machen.

Umdenken beim Drucken und Slicen

Alle die bisher nur mit einem FDM 3D Drucker arbeiteten, werden sich erst mal umgewöhnen müssen denke ich. Zum einen ist die Orientierung des Models auf der Druckplatte etwas anders. Beim FDM Druck wird meist eine möglichst große Auflagefläche gewählt. Hingegen kann es beim DLP Druck sinnvoller sein ein Objekt auf eine Kante zu stellen. Auch die Supporte sind etwas anders, da sie nur punktuell am Objekt anliegen. 

Des Weiteren ist das „Zuschauen“ beim Druck etwas schwieriger, bzw. erst ab einer gewissen Druckhöhe möglich. Die beim 3D Druck wichtige erste Schicht zu beobachten ist nicht möglich. Dies liegt daran, dass die Baufläche in die Resinwanne eintaucht und somit den Blick versperrt.
Wenn man Resin von anderen Herstellern verwendet, kann es mühsam sein, die richtige Belichtungszeit zu finden. Jedes Resin und jede Schichtdicke verlangt eine andere Belichtungszeit, die benötigt wird, um es auszuhärten.

Foto © ANYCUBIC 3D Printer

Software

Anycubic liefert eine proprietäre Software Namens, wer hätte es gedacht, „Anycubic Photon Slicer“. Die erzeugten Druckdaten werden als photon Dateien abgespeichert.

Mir scheint die Sotfware sehr auf einfache Bedienung ausgelegt, jedoch bieten die „Supporteinstellungen“ eine reiche Auswahl: Autosupport, Verschiedene Supportarten, die angepasst werden können, manuelle Supports hinzufügen, Supports entfernen. Ich weiß nicht ob andere Slicer für DLP Drucke da mehr bieten, vorstellen kann ich es mir. Eine „Automatische Ausrichtung“ des Objekts für den Druck wäre gut.

Nach dem Slicen steckt man den Stick in den Drucker und kann über den Vollfarb-Touchscreen den Druck starten.

Druckbeispiele

Leider kann ich die meisten Drucke nicht zeigen, da Sie im Kundenauftrag gedruckt wurden. Aber hier ein paar Eindrücke von den ersten Drucken.

Fazit

Wenn man die mit Frust behaftete Zeit übersteht, die zum Einstellen der Belichtungszeit für unterschiedliche Resins anfällt, erhält man wunderschöne Drucke.
Der Drucker verbraucht während des Drucks konstant 40Watt. Wenn der Netzschalter aus ist, wird noch ein Watt gezogen. Zum Vergleich: Der Prusa I3 MK3 zieht auch mal 200Watt beim Aufheizen und während des Drucks um die 130Watt.

Aus Sicherheitsgründen würde ich die Nutzung in Privatwohnungen nicht empfehlen – es sei denn ihr wollt eure Gesundheit gefährden. Ich habe mir einen Abluftschrank gebaut – sicherheitshalber.

Ich nutze folgenden Lüfter (http://amzn.to/2IpXMW3)

Wenn ihr Interesse an einem Probedruck habt, könnt ihr gerne eine E-Mail an info@kolbers.de senden. Für weitere Fragen könnt ihr die Kommentarfunktion nutzen – ich werde versuchen jeden Tag reinzuschauen.

Bewertung
Gesamtbewertung 4,5 / 5
Zusammenbau 5 / 5
Mechanik / Elektronik 5 / 5
Ausstattung 4,5 / 5
Druckqualität 4,5 / 5
Preis / Leistung 4,5 / 5
Lautstärke 4 / 5
Sebastian Kolpert
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Sebastian Kolpert

Hallo!
Ich bin Sebastian. Ich betreibe seit drei Jahren einen Onlineshop und 3D Druck Service unter https://kolbers.de.
Ich schreibe gerne ins Internet und möchte hier die Gelegenheit nutzen dies zu tun. Meine Interessen neben 3D Druck sind Einplatinencomputer, Drohnen und meine kleine Familie.
Bei Fragen könnt ihr gerne einen Kommentar hinterlassen, Ich werde versuchen diese zu beantworten.
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Sebastian Kolpert

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9 Gedanken zu „Review: ANYCUBIC Photon SLA/DLP 3D-Drucker | Gastbeitrag

  • 15. April 2018 um 19:26
    Permalink

    Moin,
    schöner Artikel, der DLP Druck interessiert mich auch, da Tabletopsspieler und selbst mit einer 0.2er Noozle ist es beim FDM Verfahren doch schon nicht ohne da brauchbare Ergebnisse zu bekommen. In der Preisklasse des Photon spielt ja auch der Wanhao Duplicator D7. Einer der beiden wird es wohl bei mir werden. Was mir beim Wanhao gefällt dass alle Hardware-Updates, die sind inzwischen bei 1.5, für die Vorgänger nachgekauft werden können. Einen wirklich objektiven Vergleich zwischen den beiden finde ich leider gar nicht.
    Gruß
    Arne

    Antwort
  • 9. April 2018 um 22:14
    Permalink

    Lieben Dank,

    für den Beitrag, den ich mit sehr viel Interesse gelesen und mir darauf hin den Drucker gekauft habe.

    Der genannte Ablauftschrank hat mein Interesse geweckt, vielleicht könnte hier noch eine allgemeine Info zu dem Schrank gegeben werden.

    Vielleicht auch zu den Belichtungseinstellung bei verschiedenen Resin Sorten.

    Danke schon vor ab.

    Gruß

    Klaus

    Antwort
    • 9. April 2018 um 22:42
      Permalink

      Guten Abend Klaus,

      vielen Dank für dein Feedback hier und deine E-Mail. Ich habe wegen dem Beitrag einige Nachfragen per Mail bekommen und werde alle Fragen in einem Beitrag beantworten. Auch deine beiden. Bitte habe noch ein paar Tage geduld.
      Nochmals vielen Dank für den Kommentar.
      Mit freundlichen Grüßen
      Sebastian Kolpert

      Antwort
  • 26. März 2018 um 3:01
    Permalink

    Hallo,
    danke für den Beitrag. Ich hab noch ne Nachfrage zu dem „Kleiner Spoiler: Für Bastler ist dieser Drucker nichts. „. IMHO geht das aus dem Artikel nicht eindeutig hervor, warum er für Bastler nichts ist.
    Wegen dem Geruch? Den fummeligen Settings bei Materialwechsel? Kannst du das noch mal begründen?

    Danke,
    Flo

    Antwort
    • 26. März 2018 um 9:39
      Permalink

      Moin!
      Vielen Dank für das Feedback. Der Drucker ist nichts für Bastler, soll heissen: Wer daran gewöhnt ist an seinem FDM Drucker rumzubasteln, der wird hier nicht glücklich. Es gibt nichts, was man drucken oder verbessern müsste.
      Gruß
      Sebastian

      Antwort
  • 15. März 2018 um 7:06
    Permalink

    Super Geschrieben und sehr informativ!

    Leider wird so ein Drucker erst einmal bei mir auf sich warten lassen 🙁 Die Wohnung ist einfach zu klein

    Antwort
    • 15. März 2018 um 9:02
      Permalink

      Vielen Dank.War nach längerer Zeit mal wiederein längerer Text von mir
      Ja ich denke auch, dass es sich für eine kleine Wohnung nicht lohnt, bzw. sehe ich eigentlich (es sei denn du bist Table Top Spieler) keinen Bereich in dem ich das Privat brauche. Du weisst ja wo du mich findest, wenn du was aus Resin brauchst!
      Gruß
      Sebastian

      Antwort
  • 14. März 2018 um 20:48
    Permalink

    Hallo Sebastian,

    vielen Dank für den tollen Beitrag. Es macht wirklich Spaß ihn zu lesen.
    Vielleicht hören wir ja demnächst noch einmal von dir.

    Antwort
    • 15. März 2018 um 8:59
      Permalink

      Vielen Dank für die Blumen! Ich werde sobald wieder Zeit dafür frei ist, gerne wieder etwas schreiben!
      Gruß
      Sebastian

      Antwort

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