Review: Creality3D CR-X – Doppelt druckt besser

Name: CR-X
Gewicht: 15kg
Größe: 550x450x650mm
Besonderheiten: Dual (Double) Extruder, Touch Display und 24V Versorgung

Der CR-10 ist erwachsen geworden, so könnte man es kurz beschreiben. Er hat ein neues Aussehen und einige schöne Features erhalten.
Das Wichtigste: der CR-X hat zwei Extruder bekommen und kann somit mehrfarbig drucken.

Wir haben wieder einmal das Glück und dürfen Euch den Drucker in allen Einzelheiten vorstellen.
Unser besonderer Dank geht mal wieder an den Onlinehändler Gearbest, der uns diesen Test ermöglicht hat.

Anlieferung, Auspacken und Montieren

Als wir das Paket in die Arme gedrückt bekommen haben, hatten wir schon ein wenig Sorge, dass diesmal etwas kaputt ist oder fehlt. Eine Seite vom Karton war leicht geöffnet und die gesamte Umverpackung demoliert.
Doch Fehlanzeige, alle Teile waren wie immer bestens verpackt und gut geschützt im Karton vorhanden. Hier merkt man schnell, dass die Mengen an Schaumstoff doch für etwas Nütze sind, vor allem wenn man bedenkt, welchen langen Weg der Drucker aus China hinter sich hat.

Das Auspacken ist für uns fast jedes Mal wie Weihnachten. Wir schauen mit glänzenden Augen in die braune Kiste und freuen uns über jedes Teil, welches wir darin finden.
Beim CR-X ist es diesmal nicht ganz so viel, denn der Drucker besteht aus gerade einmal zwei Teilen. Das eine Teil ist der Portalrahmen mit den Spindeln, den Extrudern und dem Hotend und das andere Teil ist die Basis mit der Elektronik, dem Druckbett und dem Display.
Hier fällt besonders auf. Dass anders als bei den anderen Druckern der CR-Reihe, beim CR-X auf die externe Kontrollbox verzichtet wurde. Damit ist der CR-X die erste Standalone-Version der Serie.

Montieren ließ sich der CR-X innerhalb von nur 15 Minuten. Vier Schrauben halten von unten, durch die Basis, das Portal an seinem Platz. Dann noch schnell vier Kabel dran und es kann losgehen.
Naja, schnell ist bei den Steckern der Z-Motoren und dem Z-Endstop eher die falsche Beschreibung. Hier ist die ganze Geschichte doch sehr fummelig geraten und man braucht evtl. eine Zange um die Stecker richtig zu montieren.

Technische Daten

MarkeCreality3D
Geräte TypDIY 
ModellbezeichnungCR-X
RahmenmaterialAluminum
Druckbettbeschichtete Glasplatte
Düsenanzahl / ExtruderSingle  / Dual Extruder
Düsendurchmesser0.4mm (auswechselbar)
Drucktemperaturbis zu 250°C 
Bauraum300x300x400mm
(270x270x400mm Dual)
Schichtdicken0.05-0.3mm 
BedienungTouch Display
Druckgeschwindigkeit10 – 180mm/s 
Heizbetttemperaturbis zu 110°C
druckbare MaterialienABS,HIPS,PLA, PETG
Materialdurchmesser1.75mm 
SprachenEnglish 
DateiformateJPG,OBJ,STL 
XY-Genauigkeit0.012mm 
Z-Genauigkeit0.004mm 
Spannung110V/220V (24V)
Leistung500W 
SlicerCura, S3D, Slic3r 
LieferformBausatz
BetriebssystemWindows, Mac OS 
AnschlussmöglichkeitenSD card,USB
Gewicht15kg

Mechanik, Lager und Führungen

Hier gibt es nicht viel Neues zu berichten. Der CR-X setzt, wie die anderen Drucker der CR-Serie, auf die altbewährten V-Slot Profile mit passenden Führungsrollen. Diese lassen sich übrigens bequem per Exzenter-Sitz einstellen und halten den Drucker spielfrei.

Gerüchten zufolge sollte der CR-X mit einem anderen Antriebssystem der Z-Achsen ausgestattet sein. Bilder in der Bedienungsanleitung festigen diese Gerüchte und zeigen eine andere Variante, als die gelieferte. Es handelt sich um ein Bild des CR-X Synchronriemensystem, welches dann nur noch mit einem Motor angetrieben wird.
Warum man seitens Creality3D auf die Einführung verzichtet hat, bleibt unbeantwortet. Wir hätten uns diese Neuerung gerne gewünscht, da es doch immer wieder bei Druckern mit zwei Z-Achsen zu Abweichungen kommt.

Extruder, Hotend und Heizbett

Beim Extruder und vor allem beim Hotend gibt es große Unterschiede zu berichten. Und nicht nur, weil der CR-X ein Dual-Extruder-System hat.
Die Extruder sind beim CR-X aus Aluminium gefertigt und machen eine sehr gute Figur. Anscheinend hat man bei Creality3D aus den Fehlern der ersten CR-10 Drucker gelernt. Hier kann es damals reihenweise zu Defekten am Extruder durch Bruch.
Die Extruder bei unserem Testdrucker laufen sauber und fördern das Filament sehr gut durch den anschließenden Bowdenschlauch.
Ein kleiner Fehler ist aber trotzdem bei unserem Drucker aufgefallen. Durch eine unsaubere Gewindebohrung am Extruderrad rutschte dieses beim ersten Testlauf nach oben weg, weil es nicht richtig auf der Motorwelle befestigt war.
Drei Handgriffe später und das Problem war beseitigt.

Nun aber zur größten Neuerung der CR-X, dem Dual-Hotend. Dieses verbindet die beiden Extruder mittels Y-Stück zu einem Schmelzkanal. Das tolle daran ist, dass das Y-Stück mit zwei kleinen Schrauben auf dem eigentlichen Hotend befestigt ist.
Das Aussehen des darunterliegenden Hotends erinnert stark an das E3D V6.
Doch nicht nur das Y-Stück am Hotend ist neu, sondern auch die Düsen, mit dem der CR-X arbeitet. Diese sind wesentlich spitzer als die E3D-Düsen und haben ein kürzeres Gewinde.
Ein großer Vorteil daran ist, dass die neuen Düsen nicht mehr so einen großen „Bügelfaktor“ haben und viel genauer extrudieren.
Für uns ist dies ein wirklich gut gelungenes Update.

Das Heizbett beim CR-X ist übrigens keine 12V Version mehr, sondern arbeitet, wie der ganze Drucker, auf 24V. Hierdurch und durch die Isolierung auf der Rückseite erreicht man wesentlich schnellere Aufheizzeiten.
Das Aufheizen auf 60°C dauerte bei uns im Test rund 3 Minuten Das Aufheizen auf 110°C wiederum 10 Minuten, was durchaus akzeptabel ist.

Elektronik

Der Creality3D CR-X bedient sich beim Motherboard eines alten Bekannten. Es ist das Creality V2.1 Mainboard, welches nun mit einem Touchdisplay verbunden ist.
Alle Motortreiber sind, wie bei dieser Version bekannt, auf dem Board fest verlötet und können somit nicht einfach getauscht werden.
Wer es also leise mag, der muss wohl auf ein anderes Board umschwenken.

Eine wichtige Frage bleibt auch, ob sich der CR-X auf Marlin flashen lässt. Theoretisch sollte dies bei dem Creality V2.1 Board möglich sein, ob aber dann die Kommunikation zum Touchdisplay funktioniert, bleibt offen.
Wir bleiben an diesem Thema dran und halten Euch auf dem Laufenden.

Besonders auffällig ist das neue Kabelmanagement bei CR-X.
Da dieser ja, wie zu Eingangs beschrieben, eine Standalone Lösung ist, hat man bei Creality auf den Einsatz der vielen gesleevten Kabel verzichtet und nur ein zentrales Flachbandkabel eingesetzt.
Diese Idee ist simpel und unserer Meinung nach eine wirklich sehr gute Sache.

Was auch noch neu ist, ist der Einsatz eines 24V Netzteiles. Anscheinend geht hier der Trend weg von den 12V Systemen, da immer mehr Hersteller auf die höhere Spannung setzen.

Kleiner Wehrmutstropfen: wer noch andere Drucker hat, muss jetzt bei Ersatzteilen besonders aufpassen.

 

Bedienung und Features

Wie bereits mehrfach geschrieben, wird der CR-X nicht mehr über einen Dreh-Push-Knopf bedient, sondern komfortabler über ein 4,3“ Touch-Display.
Alles ist sehr übersichtlich gehalten und soll eine einfache Bedienung des Druckers ermöglichen.
Wer den CR-X zum ersten Mal anschaltet, der wird von einer melodischen Startsequenz überrascht, welche ein wenig an die GameBoy-Spiele der 90er Jahre erinnert. Auf Dauer kann dieses Gedüdel aber nerven, zumal alle Tastenducke ebenfalls mit einem Ton quittiert werden.
Gut, dass die Entwickler daran gedacht haben eine Lautstärkeregelung zu programmieren 😉.

Ein besonders nützliches Feature ist der Leveling Assistent. Dieser hilft sowohl Anfängern und auch Fortgeschrittenen bei der optimalen Ausrichtung der Bauplattform. Es lässt sich jeder Level-Punkt per Tastendruck anwählen und kann immer wieder neu angefahren werden.

Was uns beim CR-X aber überhaupt nicht gefällt, ist dass man keinerlei Möglichkeiten hat den Drucker über das Menü zu kalibrieren. Weder die Steps/mm lassen sich einstellen, noch ist ein PID Tuning möglich.
Da hätten wir mehr erwartet.

Druckergebnis

Wenn das Dual-Extrudieren einmal vernünftig eingestellt ist, dann läuft der CR-X wie geschnitten Brot. Bei unserem ersten Test haben wir das mitgelieferte Filament von CCTREE verwendet und haben eine herbe Bauchlandung erlebt. Erstens stinkt das Zeug erbärmlich und zweitens mussten wir für das PLA eine Drucktemperatur von mindestens 230°C einstellen.
Beim zweiten Mal ging es schon wesentlich besser mit dem Drucken, da wir ja die Probleme vorher kannten. Die Pilone kann sich, bis auf die obersten Schichten sehen lassen.
Und auch das Problem mit den hohen Temperaturen ist nur bei dem CCTREE Filament der Fall.
Andere Sorten, wie z.B. das Redline Filament können mit wesentlich weniger Temperatur gedruckt

Preis / Leistung

Ok, 600-700€ machen den CR-X nicht gerade zum Schnäppchen, aber Ihr erhaltet viel Drucker für den Preis. Die Verarbeitung ist sehr gut und wer einen Drucker haben möchte, der out oft he box Dual-Drucken kann, der ist mit dem CR-X gut beraten.

Fazit

Bis auf zwei, drei kleine Mängel ist der CR-X ein echter Knaller. Creality3D legt mit seinem neusten Schlachtross die Messlatte im chinesischen 3D-Druckermarkt wieder ein Stückchen höher.
Andere Hersteller werden wahrscheinlich nicht lange auf sich warten lassen und den CR-X alsbald kopieren.
Uns würde freuen, wenn der Drucker noch mit Marlin zu flashen ging und die fehlenden Einstellungsfeatures bekommen würde.

 

Der CR-X erhält unsere bisher beste Wertung von 4,75 Punkten und ist somit besonders empfehlenswert.

Bewertung
Gesamtbewertung 4,75 / 5
Zusammenbau 5 / 5
Mechanik / Elektronik 5 / 5
Ausstattung 5 / 5
Druckqualität 5 / 5
Preis / Leistung 4,5 / 5
Lautstärke 4 / 5
Ulrich Saßmannshausen

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Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
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