Review: TEVO Michelangelo

Der Konkurrenzkampf tobt:
Die chinesischen Druckerhersteller beobachten den Markt sehr genau und so verwundert es nicht, dass sich zum Erfolgsmodell Ender-2 schnell ein Konkurrent gesellt.

Dieser heißt in diesem Fall Michelangelo und stammt aus dem Hause TEVO.
Kompakt, leise, schnell – diese drei Attribute beschreiben das neue Kompaktgerät schon ganz gut.
Fast wäre es sogar gelungen uns komplett zu begeistern, aber dem kleinen TEVO fehlt ein entscheidendes Detail: er hat KEIN Heizbett!
Warum man auf dieses fast schon existenzielle Bauteil verzichtet bleibt rätselhaft. Dennoch weiß der Zwerg zu begeistern und sein Defizit gut wett zu machen.

Lieferung und Aufbau

Da der TEVO Michelangelo zu 99,99% schon fertig aufgebaut ist, brauchten wir nur noch die vier Füße und den Drehknopf für das Display zu montieren. Da ist besonders für absolute Neuanfänger sehr interessant.
Auch die Verpackung des gesamten Druckers ist sehr vorbildlich gestaltet. Der freihängende Arm wird mit einer dicken Portion Schaumstoff so gut festgehalten, das während des Transports eigentlich nichts passieren sollte.
Leider bringt der Michelangelo nicht viel Zubehör mit. So hätte man zum Beispiel wenigstens ein Filamentsample und den guten alten Seitenschneider mit dazu legen können.
Auch ein Spulenhalter fehlt dem TEVO Michelangelo leider gänzlich.

Grund genug für uns selbst einen zu konstruieren und auf thingiverse zu stellen. Der Halter lässt sich übrigens auf dem Michelangelo drucken, so dass Ihr nicht auf einen zweiten Drucker zurückgreifen müsst.
Unseren Halter findet Ihr als Download hier:

https://www.thingiverse.com/thing:2841917

Technische Daten

 
MarkeTEVO
Geräte TypFertiggerät
ModellbezeichnungMichelangelo V1.0
RahmenmaterialAluminum
DruckbettAluminum Base 
DüsenanzahlSingle 
Düsendurchmesser0.4mm 
Drucktemperaturbis zu 260°C 
Bauraum150x150x150 mm
Schichtdicken0.05-0.3mm 
LCD-Screenvorhanden
Druckgeschwindigkeit60-120 mm/s 
Heizbett
druckbare MaterialienPLA, TPU
Materialdurchmesser1.75mm 
SprachenEnglish 
DateiformateJPG,OBJ,STL 
XY-Genauigkeit0.012mm 
Z-Genauigkeit0.05mm 
Spannung110V/220V 
Leistung60W
SlicerCura, S3D, Slic3r 
BetriebssystemWindows, Mac OS 
AnschlussmöglichkeitenSD card,USB
Gewicht6,5 kg

Mechanik und Führungen

Da der TEVO Michelangelo ein Klon des Ender2 bzw. Tronxy X1 ist, ist natürlich auch der mechanische Aufbau ähnlich gestaltet.
Abweichungen findet man aber trotzdem, so ist zum Beispiel der Riemen der X-Achse nicht komplett durch das Aluminiumprofil geführt, sondern nur auf der Oberseite. Wir finden diese Variante gelungener als beim Ender, da es weniger Probleme mit eventuellen Ecken gibt, wo sich der Riemen aufreiben kann.
Ebenfalls besser gelöst finden wir die Anbindung der kompletten Y-Achse. Diese ist fest auf der Grundplatte des TEVO Michelangelo verschraubt und erhält hierdurch eine gute Steifigkeit. Der Riemenantrieb befindet sich seitlich daneben und wird über mehrere Umlenkrollen geführt.
Durch seine feste Basis und die verwendeten Aluprofile scheint der Aufbau des Michelangelo schon gut gelungen.

Geführt wird der Michelangelo übrigens über V-Slot Rollen im Aluminiumprofil, einer mittlerweile sehr verbreiteten Lösung.

Hotend und Extruder

Ein direkter Pluspunkt geht an die Bauteilkühlung des TEVO Michelangelo, denn diese ist von Anfang an mit zwei Radiallüftern ausgestattet und bringt so gute Kühlergebnisse.
Beim Hotend setzt TEVO wieder auf sein standardmäßig verbautes Hotend, welches bereits beim Tornado, Tarantula etc. zu finden ist. Die Kühlung des Hotends erfolgt über einen nicht zu lauten 30×30 Axiallüfter.
Der Extruder, wie sollte es schon fast anders sein, ist der TEVOeigene Klon des E3D Titan Extruders. Der TEVO Titan Extruder hat uns bisher bei allen Druckern sehr gut gefallen und stellt eine günstige Alternative zum Original da. Durch die Untersetzung des Extruders und dem kurzen PTFE Liner, welcher am Michelangelo Verwendung findet, scheinen Förderprobleme fast ausgeschlossen. Selbst flexible Materialien können, mit gut angepassten Druckeinstellungen, beim Michelangelo eingesetzt werden.

Leider schränkt das fehlende Heizbett die Auswahl der Materialien sehr ein.
Warum TEVO auf dieses elementare Bauteil verzichtet hat, bleibt rätselhaft. Zumal dies doch heutzutage zur Grundausstattung eines 3D-Druckers gehören sollte.
Mittlerweile gibt es aber Möglichkeiten dieses nachzurüsten und somit den Michelangelo für (fast) alles gängigen Materialien nutzbar zu machen. Ein gutes Video zum Nachrüsten findet Ihr übrigens hier:

Heizbett für den MIchelangelo [Video von Rics_3D]

Elektronik

Besonders hier sammelt der TEVO Michelangelo Pluspunkte. Verbaut ist ein MKS Gen_L V1.0. Beim Display wurde das MKS MINI 12864 verbaut. Beide Komponenten sind sehr wertig und versehen ohne Probleme den Dienst.
Besonders zu erwähnen ist aber, dass der Michelangelo nicht mit mechanischen, sondern kapazitiven Endschaltern ausgerüstet ist. Gerade in dieser Preisklasse wirklich top.

Durch das fehlende Heizbett konnte natürlich das Netzteil entsprechend klein ausfallen, so dass man im Inneren des 3D-Druckers nur ein 12V – 90W Netzteil findet. Eine Nachrüstung mit einem Heizbett bedeutet also, entweder ein größeres Netzteil zu verbauen, was aber aufgrund des Platzangebotes gut möglich ist, oder aber eine 230V Variante einzusetzen.
Wir tendieren aufgrund der Gefahr, die von 230V ausgehen, immer zur ersten Lösung.

Wer sich Gedanken um die Kühlung des TEVO Michelangelo macht, dem sei gesagt, dass dieser aufgrund des kleinen Netzteils und eines serienmäßig verbauten Lüfters sehr gut ausgestattet ist.

Eine Tatsache die übrigens urig ist, ist dass dem TEVO Michelangelo eine 512MB SD-Speicherkarte beiliegt. Da kommt der Charme der frühen 2000er auf. 😀

 

Druckergebnisse

Die bisher gedruckten Teile sehen sehr gut aus und auch die Geschwindigkeit des kleinen Druckers überrascht. Die Schichtstärken liegen laut Hersteller zwischen 0,02 und 0,3mm, wobei eine Auflösung von 0,1mm eher der Realität entspricht. Dabei darf die Druckgeschwindigkeit aber gerne mal über 80mm/s und mehr betragen.

Preis / Leistung

Der TEVO Michelangelo ist für rund 150-250€ bei diversen Händlern erhältlich.
Ein ganz akzeptabler Preis, zumal der Michelangelo doch mit einigen Feature daherkommt:

  • Eine gute und wertige Elektronik
  • Stabile Basis und Profile aus Aluminium
  • kapazitive Endschalter

Die Qualität und Verarbeitung des 3D-Druckers ist in Ordnung und dem Preis angemessen.

Fazit

Der TEVO Michelangelo ist ein kleiner, schneller Anfängerdrucker mit großen Stärken, aber auch einem sehr großem Defizit. Das fehlende Heizbett schränkt die Materialauswahl beträchtlich ein. Trotzdem punktet der 3D-Drucker in Sachen Geschwindigkeit und Ausstattung. Neben einem Geared Extruder und kapazitiven Endschaltern sind auch die anderen Komponenten sehr wertig.
Durch eine schwere Basis und ausreichend dimensionierten Aluprofilen liefert der Michelangelo sehr gute Druckergebnisse und bleibt dabei trotzdem portabel.

Wir finden den TEVO Michelangelo gut gelungen und empfehlen diesen gerne als Zweit- oder Drittgerät. Aber auch Anfänger sollten diesen 3D-Drucker ins Auge fassen.

Zu kaufen gibt es den TEVO Michelangelo natürlich, wie immer bei Gearbest, AliExpress usw

Bewertung
Gesamtbewertung 4 / 5
Zusammenbau 5 / 5
Mechanik / Elektronik 4 / 5
Ausstattung 3 / 5
Druckqualität 4 / 5
Preis / Leistung 4 / 5
Lautstärke 4,5 / 5
Ulrich Saßmannshausen

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Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
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