Review: TEVO Tarantula

Nachdem wir mittlerweile schon einige 3D-Drucker im Preisbereich von 100-299€ testen konnten,  haben wir nun die Möglichkeit bekommen den TEVO Tarantula i3 auf Herz und Nieren zu testen.
Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bei Gearbest, die uns den Drucker für diesen Test zu Verfügung gestellt haben.

Den TEVO Tarantula gibt es bereits ab 160€ bei Gearbest

Features

  • Druckgröße 200 x 200 x 200mm
  • Aluminiumrahmen aus 20/20 bzw. 20/40 Profil
  • E3D Extruder (Clone) mit Bowden
  • MKS Base 1.4 Mainboard
  • Dual-Extruder Update möglich

Unboxing

Wir haben den TEVO Tarantula als DIY Bausatz erhalten  der, im Vergleich zu anderen 3D-Druckerbausätzen, sehr gut verpackt geliefert wurde.
Direkt nach dem Öffnen des Deckels wird schon klar, dass TEVO sich hier besondere Mühe gegeben hat, den Druckerbausatz ohne Beschädigungen zum Kunden zu liefern.
Alle Bauteile sind auf mehreren Etagen in einem Weichschaumstoff verpackt, Schrauben und Kleinteile befinden sich in durchnummerierten Zip-Beuteln und die Acrylteile sind, wie auch sonst 😉 , mit einer Schutzschicht beklebt.
Die Aufbauanleitung und alle weiteren Dokumente des Druckers sind nicht, wie oftmals üblich nur einfache Kopien, sondern als gebundenes Heft oder Hochglanzpapier im Karton zu finden.
Besonders erwähnenswert ist, dass TEVO neben dem normalen Aluminium-Extruder auch einen weiteren Extruder mitliefert.
Es handelt sich dabei um den TEVO Titan*, der offensichtlich ein Clone des E3D Titan Extruders ist.

Aufbau

Leider lief der Aufbau des Druckers nicht so, wie wir es nach dem ersten guten Eindruck erwartet hätten.

Der Grund lässt sich schnell ausmachen:
Die Aufbauanleitung ist leider das Papier nicht wert, auf der Sie gedruckt ist.

Die Beschreibungen der ersten Montageschritte passen noch, aber danach machen falsche oder fehlende Bilder den Aufbau zu einem schwierigen Puzzlespiel.
Gut, dass hier das Internet alle Nötigen Informationen in Text und Bild bereithält.

 

Positiv wiederum ist zu bemerken, dass alle Schrauben und Kleinteile in Beutel verpackt sind.
Durch die aufgeklebte Nummerierung war es ganz schnell möglich die für den Montageschritt benötigten Teile zu finden.
Der Aufbau an sich war innerhalb eines Tages erledigt.
Lediglich mit den Verbindungen der Aluminiumprofile haben wir uns schwer getan.
Hier mussten wir des Öfteren nachbessern und sehr viel Sorgfalt walten lassen, um diese rechtwinklig miteinander zu verbinden.
Anders war es bei den Führungswagen der Achsen. Diese ließen sich sehr schnell zusammensetzen und später an den Aluminiumprofilen dank Exzentermutter ausrichten.

Endschalter mit schlecht angelötetem Kabel

Diese Führungsart mit den T-Slot Profilen und den dazugehörigen Rollen gefällt uns im Allgemeinen eh sehr gut.

Auch beim Heizbett hat TEVO nicht gespart. So ist dieses bereits vom Werk aus mit einer Dauerdruckfolie versehen. Zudem ist das Heizbett von unten mit einer Schaumstoffschicht und Aluminiumkaschierung beklebt, was das Aufheizen der Platte erheblich beschleunigt.
Auch wenn die ganze Halterung etwas instabil erscheint, so konnten wir den Drucker vernünftig kalibrieren und brauchten das Heizbett bis jetzt auch noch nicht nachstellen.

Leider ist neben der schlechten Aufbauanleitung noch etwas weiteres aufgefallen:
Durch ein schlecht angelötetes Kabel des Z-Endstops funktionierte dieser nicht richtig und so zerbrach beim ersten Homing die Halteplatte des Z-Motors.
Nach diesem Crash kontrollierten wir alle weiteren Endschalter und mussten zwei von drei nachlöten.

 

Druckqualität

Die Qualität der Drucke ist, für einen 3D-Drucker dieser Preisklasse, schon sehr gut und im oberen Bereich anzusiedeln.
Dies scheint aber auch insbesondere an dem mitgelieferten und von uns montierten TEVO Titan* Extruder zu liegen.

 TEVO Titan Extruder

Das Besondere an dem Extruder ist, dass er mit einer Untersetzung arbeitet und sich so noch genauer einstellen lässt. Zudem kann der Andruck der Führungsrolle auf das Filament mittels einer Schraube eingestellt werden.
Um den Titan Extruder zu nutzen müssen aber in der Firmware des Druckers ein paar Einstellungen vorgenommen werden. Zum einen muss die Drehrichtung des Motors invertiert werden und zum anderen müssen die Steps/mm bedingt durch die Untersetzung angepasst werden.
Durch die Verwendung unserer Berechnungstools, war dies jedoch kein Problem.

E3D Hotend ohne Bauteilkühler

Die Auflösung des Druckers wird vom Hersteller übrigens mit 0,05mm angegeben, was wir anhand nur einer Z-Spindel für sportlich halten.
Wer diese Auflösung erreichen möchte, der greift am besten auf das Z-Achsen Upgrade zurück, welches dem Drucker einen zweiten Z-Spindelantrieb spendiert und für rund 60€ erhältlich ist.
Hier gibt es den Kauflink dazu: https://www.monkeyprints.de/tevo-tarantula-dual-z-upgrade-kit.html

Die von uns eingestellten 0,2mm schaffte der TEVO Tarantula aber ohne Probleme.
Die eingestellte Druckgeschwindigkeit lag bei unseren Tests immer um 60-80 mm/s, welche der Drucker ebenfalls problemlos schaffte.
Flexible Filamente konnten wir mit dem Drucker aufgrund des Bowden-Setup nicht drucken, was wir aber nicht als tragisch empfanden.

Tipp: Um noch bessere Ergebnisse zu erzielen, solltet ihr direkt einen Bauteilkühler verbauen. Wir haben der Einfachheit halber einen ganz normalen 40×40 Lüfter verbaut und konnten direkt Verbesserungen im Druckbild feststellen.

Elektronik

Mainboard MKS Base 1.4

TEVO liefert den Tarantula von Haus aus mit einem MKS Base 1.4 aus, was in dieser günstigen Preisklasse ungewöhnlich ist.
Für den Anfang ist Repetier als Firmware auf dem Board aufgespielt, was aber problemlos auf Marlin geändert werden kann.
Beim Display setzt man auf das althergebrachte 2004 Display mit 20 Zeichen und 4 Zeilen.
Für die Steuerung durch die Menüs wird ein Drehgeber mit Push-Pin verwendet und erleichtert damit das Durchscrollen erheblich.
Alle Bewegungen werden durch NEMA 17 Motoren ausgeführt, wie es mittlerweile bei fast allen 3D-Druckern Standard ist.
Solltet ihr den Tarantula mit einem Single-Extruder gekauft haben, so könnt ihr diesen, dank des freien Extruder-Steckplatzes zum Dual-Extruder erweitern.
Beim Verkabeln der Elektronik haben wir darauf geachtet alle Kabel, sofern noch nicht vom Werk aus geschehen, mit Kabelschuhen bzw. Aderhülsen zu versehen.

Was uns gar nicht gefallen hat, ist dass das Netzteil keine Halterung am Rahmen besitzt und einfach nur auf den Tisch gelegt wird. Auch fehlt eine Abdeckung über der Klemmleiste, so dass ein Berühren der spannungführenden Leitung lebensgefährliche Folgen haben kann.
Hier empfehlen wir euch, direkt einen Schutz zu drucken, um diese Stelle sicher zu gestalten.

Fazit

Negativ sind vor allem die schlechte Aufbauanleitung und die Stromversorgung aufgefallen, die im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlich sein kann.
Hier muss der Hersteller noch einmal dringend nachbessern!
Auch bei Lötpunkten der Endstops muss TEVO etwas mehr Sorgfalt walten lassen, damit sich die Anschlusskabel nicht direkt lösen.

Gut gefallen haben uns besonders die Führungen der Führungswagen und der Titan Extruder, welcher erstaunlich gute Ergebnisse liefert.
Auch der Rahmen ist extrem steif und wirkt durch das schwarz eloxierte Aluminium sehr edel.
Auch die Updatemöglichkeit zum Dual-Extruder macht den Tarantula zu einem sehr interessanten Drucker.

Wer einen wirklich starken 3D-Drucker im unteren Preissegment sucht, der auch noch mit einem stabilen Rahmen ausgestattet ist, der ist mit dem TEVO Tarantula gut beraten.
Das Gerät ist für 160-250€, je nach Ausführung, erhältlich und macht somit einen günstigen Einstieg in den 3D-Druck möglich.
Ein Wehrmutstropfen ist und bleibt die fehlende zweite Z-Spindel, die sich aber bei unseren Tests nicht groß bemerkbar machte.
Der Drucker hat aber durch seine Erweiterungsmöglichkeiten zum Dual-Extruder-Drucker noch gutes Ausbaupotential. Und kann durch kleinere Updates weiter verbessert werden.

Uns hat der Drucker von allen „Billigdruckern“ am besten gefallen und möchten ihn euch wärmstens empfehlen.

Wir geben dem Drucker insgesamt 4 von 5 Punkten.

 

Ulrich Saßmannshausen

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.
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Ein Gedanke zu „Review: TEVO Tarantula

  • 13. Dezember 2017 um 11:52
    Permalink

    Die Seite ist sehr informativ und gut gemacht. Schade, dass ich diese Seite erst jetzt gefunden habe. Jetzt, wo ich alles aufgebaut habe.
    Nun steht mein 3 D Drucker in meinem Zimmer herum, ohne das ich damit drucken kann. Ich habe keine Firmware. Cura ist heruntergeladen und aus Thingiverse die ersten Dateien ins Cura Programm übernommen. Jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Dann habe ich für das Heizbett zwei zusätzliche Exenterhülsen gesucht um die Y Achse zu stabilisieren. Ohne Erfog. Kannst Du mir weiterhelfen?

    Antwort

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