Review: TEVO Tarantula

Nachdem wir mittlerweile schon einige 3D-Drucker im Preisbereich von 100-299€ testen konnten,  haben wir nun die Möglichkeit bekommen den TEVO Tarantula i3 auf Herz und Nieren zu testen.
Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bei Gearbest, die uns den Drucker für diesen Test zu Verfügung gestellt haben.

Den TEVO Tarantula gibt es bereits ab 160€ bei Gearbest

Features

  • Druckgröße 200 x 200 x 200mm
  • Aluminiumrahmen aus 20/20 bzw. 20/40 Profil
  • E3D Extruder (Clone) mit Bowden
  • MKS Base 1.4 Mainboard
  • Dual-Extruder Update möglich

Unboxing

Wir haben den TEVO Tarantula als DIY Bausatz erhalten  der, im Vergleich zu anderen 3D-Druckerbausätzen, sehr gut verpackt geliefert wurde.
Direkt nach dem Öffnen des Deckels wird schon klar, dass TEVO sich hier besondere Mühe gegeben hat, den Druckerbausatz ohne Beschädigungen zum Kunden zu liefern.
Alle Bauteile sind auf mehreren Etagen in einem Weichschaumstoff verpackt, Schrauben und Kleinteile befinden sich in durchnummerierten Zip-Beuteln und die Acrylteile sind, wie auch sonst 😉 , mit einer Schutzschicht beklebt.
Die Aufbauanleitung und alle weiteren Dokumente des Druckers sind nicht, wie oftmals üblich nur einfache Kopien, sondern als gebundenes Heft oder Hochglanzpapier im Karton zu finden.
Besonders erwähnenswert ist, dass TEVO neben dem normalen Aluminium-Extruder auch einen weiteren Extruder mitliefert.
Es handelt sich dabei um den TEVO Titan*, der offensichtlich ein Clone des E3D Titan Extruders ist.

Aufbau

Leider lief der Aufbau des Druckers nicht so, wie wir es nach dem ersten guten Eindruck erwartet hätten.

Der Grund lässt sich schnell ausmachen:
Die Aufbauanleitung ist leider das Papier nicht wert, auf der Sie gedruckt ist.

Die Beschreibungen der ersten Montageschritte passen noch, aber danach machen falsche oder fehlende Bilder den Aufbau zu einem schwierigen Puzzlespiel.
Gut, dass hier das Internet alle Nötigen Informationen in Text und Bild bereithält.

 

Positiv wiederum ist zu bemerken, dass alle Schrauben und Kleinteile in Beutel verpackt sind.
Durch die aufgeklebte Nummerierung war es ganz schnell möglich die für den Montageschritt benötigten Teile zu finden.
Der Aufbau an sich war innerhalb eines Tages erledigt.
Lediglich mit den Verbindungen der Aluminiumprofile haben wir uns schwer getan.
Hier mussten wir des Öfteren nachbessern und sehr viel Sorgfalt walten lassen, um diese rechtwinklig miteinander zu verbinden.
Anders war es bei den Führungswagen der Achsen. Diese ließen sich sehr schnell zusammensetzen und später an den Aluminiumprofilen dank Exzentermutter ausrichten.

Endschalter mit schlecht angelötetem Kabel

Diese Führungsart mit den T-Slot Profilen und den dazugehörigen Rollen gefällt uns im Allgemeinen eh sehr gut.

Auch beim Heizbett hat TEVO nicht gespart. So ist dieses bereits vom Werk aus mit einer Dauerdruckfolie versehen. Zudem ist das Heizbett von unten mit einer Schaumstoffschicht und Aluminiumkaschierung beklebt, was das Aufheizen der Platte erheblich beschleunigt.
Auch wenn die ganze Halterung etwas instabil erscheint, so konnten wir den Drucker vernünftig kalibrieren und brauchten das Heizbett bis jetzt auch noch nicht nachstellen.

Leider ist neben der schlechten Aufbauanleitung noch etwas weiteres aufgefallen:
Durch ein schlecht angelötetes Kabel des Z-Endstops funktionierte dieser nicht richtig und so zerbrach beim ersten Homing die Halteplatte des Z-Motors.
Nach diesem Crash kontrollierten wir alle weiteren Endschalter und mussten zwei von drei nachlöten.

 

Druckqualität

Die Qualität der Drucke ist, für einen 3D-Drucker dieser Preisklasse, schon sehr gut und im oberen Bereich anzusiedeln.
Dies scheint aber auch insbesondere an dem mitgelieferten und von uns montierten TEVO Titan* Extruder zu liegen.

 TEVO Titan Extruder

Das Besondere an dem Extruder ist, dass er mit einer Untersetzung arbeitet und sich so noch genauer einstellen lässt. Zudem kann der Andruck der Führungsrolle auf das Filament mittels einer Schraube eingestellt werden.
Um den Titan Extruder zu nutzen müssen aber in der Firmware des Druckers ein paar Einstellungen vorgenommen werden. Zum einen muss die Drehrichtung des Motors invertiert werden und zum anderen müssen die Steps/mm bedingt durch die Untersetzung angepasst werden.
Durch die Verwendung unserer Berechnungstools, war dies jedoch kein Problem.

E3D Hotend ohne Bauteilkühler

Die Auflösung des Druckers wird vom Hersteller übrigens mit 0,05mm angegeben, was wir anhand nur einer Z-Spindel für sportlich halten.
Wer diese Auflösung erreichen möchte, der greift am besten auf das Z-Achsen Upgrade zurück, welches dem Drucker einen zweiten Z-Spindelantrieb spendiert und für rund 60€ erhältlich ist.
Hier gibt es den Kauflink dazu: https://www.monkeyprints.de/tevo-tarantula-dual-z-upgrade-kit.html

Die von uns eingestellten 0,2mm schaffte der TEVO Tarantula aber ohne Probleme.
Die eingestellte Druckgeschwindigkeit lag bei unseren Tests immer um 60-80 mm/s, welche der Drucker ebenfalls problemlos schaffte.
Flexible Filamente konnten wir mit dem Drucker aufgrund des Bowden-Setup nicht drucken, was wir aber nicht als tragisch empfanden.

Tipp: Um noch bessere Ergebnisse zu erzielen, solltet ihr direkt einen Bauteilkühler verbauen. Wir haben der Einfachheit halber einen ganz normalen 40×40 Lüfter verbaut und konnten direkt Verbesserungen im Druckbild feststellen.

Elektronik

Mainboard MKS Base 1.4

TEVO liefert den Tarantula von Haus aus mit einem MKS Base 1.4 aus, was in dieser günstigen Preisklasse ungewöhnlich ist.
Für den Anfang ist Repetier als Firmware auf dem Board aufgespielt, was aber problemlos auf Marlin geändert werden kann.
Beim Display setzt man auf das althergebrachte 2004 Display mit 20 Zeichen und 4 Zeilen.
Für die Steuerung durch die Menüs wird ein Drehgeber mit Push-Pin verwendet und erleichtert damit das Durchscrollen erheblich.
Alle Bewegungen werden durch NEMA 17 Motoren ausgeführt, wie es mittlerweile bei fast allen 3D-Druckern Standard ist.
Solltet ihr den Tarantula mit einem Single-Extruder gekauft haben, so könnt ihr diesen, dank des freien Extruder-Steckplatzes zum Dual-Extruder erweitern.
Beim Verkabeln der Elektronik haben wir darauf geachtet alle Kabel, sofern noch nicht vom Werk aus geschehen, mit Kabelschuhen bzw. Aderhülsen zu versehen.

Was uns gar nicht gefallen hat, ist dass das Netzteil keine Halterung am Rahmen besitzt und einfach nur auf den Tisch gelegt wird. Auch fehlt eine Abdeckung über der Klemmleiste, so dass ein Berühren der spannungführenden Leitung lebensgefährliche Folgen haben kann.
Hier empfehlen wir euch, direkt einen Schutz zu drucken, um diese Stelle sicher zu gestalten.

Fazit

Negativ sind vor allem die schlechte Aufbauanleitung und die Stromversorgung aufgefallen, die im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlich sein kann.
Hier muss der Hersteller noch einmal dringend nachbessern!
Auch bei Lötpunkten der Endstops muss TEVO etwas mehr Sorgfalt walten lassen, damit sich die Anschlusskabel nicht direkt lösen.

Gut gefallen haben uns besonders die Führungen der Führungswagen und der Titan Extruder, welcher erstaunlich gute Ergebnisse liefert.
Auch der Rahmen ist extrem steif und wirkt durch das schwarz eloxierte Aluminium sehr edel.
Auch die Updatemöglichkeit zum Dual-Extruder macht den Tarantula zu einem sehr interessanten Drucker.

Wer einen wirklich starken 3D-Drucker im unteren Preissegment sucht, der auch noch mit einem stabilen Rahmen ausgestattet ist, der ist mit dem TEVO Tarantula gut beraten.
Das Gerät ist für 160-250€, je nach Ausführung, erhältlich und macht somit einen günstigen Einstieg in den 3D-Druck möglich.
Ein Wehrmutstropfen ist und bleibt die fehlende zweite Z-Spindel, die sich aber bei unseren Tests nicht groß bemerkbar machte.
Der Drucker hat aber durch seine Erweiterungsmöglichkeiten zum Dual-Extruder-Drucker noch gutes Ausbaupotential. Und kann durch kleinere Updates weiter verbessert werden.

Uns hat der Drucker von allen „Billigdruckern“ am besten gefallen und möchten ihn euch wärmstens empfehlen.

Wir geben dem Drucker insgesamt 4 von 5 Punkten.

 

News: Ultimaker präsentiert ‚Ultimaker Cura 3.0‘

Aus Cura wird Ultimaker Cura und dies ist nicht die einzige Veränderung, die der niederländische Druckerhersteller Ultimaker an seiner kostenlosen Slicing-Software vornimmt.
Die heute veröffentlichte Version 3.0 hat neben einer neuen Bedienoberfläche noch weitere innovative Neuerungen an Bord, welche wir Euch hier gerne vorstellen möchten:

Neue Bedienoberfläche von Ultimaker Cura 3.0 (Quelle: https://ultimaker.com)

Die  einfache, intuitive Bedienbarkeit scheint auch bei Ultimaker mit der neuen Version von Ultimaker Cura in den Mittelpunkt gerückt zu sein. In der Standardansicht können jetzt die empfohlenen Einstellungen per Schieberegler schnell und einfach vorgenommen werden.
Dieser Modus richtet sich besonders an Anfänger und Laien, die den 3D-Druck erst kennenlernen wollen.

Sliders in recommended mode
Neue Schieberegler für noch einfachere Druckeinstellungen (Quelle: https://ultimaker.com)

 

Hier sind auch die Parameter für optimierte Druckzeiten und Materialverbräuche angepasst worden, um die Druckkosten und –zeiten so gering wie möglich zu gestalten.

Natürlich gibt es in Ultimaker Cura auch weiterhin einen Expertenmodus, mit dem auf über 200 Parameter der Slicing-Software Einfluss genommen werden kann. Somit kann jeder seine individuellen  Druckparameter finden.

Auch die Integration von Ultimaker Cura zu CAD-Systemen wurde im neuen Update verbessert, so dass es nun beispielsweise nahtlose Verknüpfungen zwischen Siemens NX oder Solid Works gibt.

Diese Verbesserungen gibt es

  • Die Startzeit beträgt in etwa nur noch die Hälfte zur vorherigen Version
  • Der Begrüßungsbildschirm wurde auf das neue Design angepasst
  • Einführung von Schiebereglern: alle empfohlenen Einstellungen können nun über Schieberegler geändert werden, wie zum Beispiel die Schichthöhe, die Druckgeschwindigkeit und die Stärke des Infills
  • Die Darstellung der Bauteilplattform wurde angepasst und mit einem 10mm bzw. 1mm Raster versehen, um die Bauteile noch präziser zu positionieren.

    Das Raster der Bauteilplattform wurde überarbeitet und beträgt nun 10mm bzw. 1mm (Quelle: https://ultimaker.com)
  • Menüpositionen und Informationsfenster wurden an neue Stellen platziert (z.B. Ebenenansicht und Druckzeit)

    Print timer
    Neue Positionen für Menueeinträge (Quelle: https://ultimaker.com)
  • Extruder können über eigene Schaltflächen angewählt werden

Neue Einstellungen für Druckparameter:

Optimierte Einstellungen für PVA Supportmaterial:
Die Druckzeiten und der Materialverbrauch können durch neue Features reduziert werden. Die Füllstruktur verändert sich während des Drucks von einem grob- zu einem feinmaschigen Netz, um nur dort die Unterstützung zu geben, wo sie benötigt wird. Dies wirkt sich auch auf die Auflösezeiten des PVA aus. Bei Fein- und Normalqualitätseinstellung werden PVA-Füllschichten mit doppelter Dicke gedruckt, was die Druckzeit noch einmal mehr verringert.

 

links mit Cura V2.6 gesliced – rechts mit Ultimaker Cura V3.0 gesliced (Quelle: https://ultimaker.com)

 

Position der Z-Nahtstelle:
Diese Einstellung macht es möglich, dass der Benutzer die Kontrolle darüber hat, wo die Nahtstelle des Schichtwechsels platziert wird. Hierdurch können Oberflächen gedruckt werden, die nicht durch Nahtstellen gestört zu werden.

 

Fülloption Kreuzfüllung:
Das besondere dieses neuen Füllmusters ist, dass dieses im Vergleich zu anderen Infill-Typen weniger Retraktion erfordert. Besonders bei flexiblen Modellen gibt dieses Füllmuster mehr Modell-Widerstand, behält aber trotzdem die weiche Eigenschaft des Filaments bei.

 

neue Fülloption – Kreuzfüllung (Quelle: https://ultimaker.com)

 

Optimierungen für dünne Schichten und Übergänge

  • Skin removal width: Dünne Schichten können angepasst werden, um Vibrationen des Druckkopfes zu verhindern.
Skin removal width comparison
Skin removal width (Quelle: https://ultimaker.com)
  • Skin expand distance: Übergänge zum Infill können optimiert werden um Hohen Aufbauten mehr Stabilität zu geben.
Skin expand distance comparison
Skin expand distance (Quelle: https://ultimaker.com)
  • Minimum extrusion for skin: Um Füllflächen wird nun standardmäßig ein Rahmen gedruckt, um ausfransen der Ränder zu vermeiden.
Extra skin wall count
Minimum extrusion for skin (Quelle: https://ultimaker.com)

 

Bug fixes

  • Benutzerdefinierte Materialprofile werden nicht mehr an Ultimaker Cura gesendet, wenn sie an einen Drucker angeschlossen werden.
  • Z-Hop mit Schichtwechsel synchronisieren
  • Speicherverlust bei MacOS
  • Druckername wird beim Öffnen der Projektdatei nicht geladen
  • Doodle3D WLAN-Box ist standardmäßig auf Nicht-Ultimaker 3-Maschinen ausgewählt

News: Prusa i3 MK3 – der beste Prusa den es je gab?

Anknüpfend an die Erfolgsgeschichte des Prusa i3 MK2 könnt Ihr seit heute das neue Meisterwerk von Josef Prusa, den Prusa i3 MK3 vorbestellen.


 Ein optischer Filamentsensor, EINSY RAMBo Motherboard mit 256 Microsteps Trinamic Treibern und ein neuartiger Aufbau der Y-Achse sind nur einige der großen Neuerungen des MK3.
Es scheint so, als ob Josef Prusa wieder ein genialer Coup gelungen ist.

Schauen wir uns mal genauer an, was uns mit dem neuen MK3 alles erwartet:

Quelle: Screenshot YouTube Video by Prusa Research (https://youtu.be/hwNIzQLtHnU)

 

Wie bereits geschrieben, wird der neue Prusa i3 MK3 über einen optischen Filamentsensor verfügen, der nicht nur den Fluss des Filamentes überwacht und bei drohender Verstopfung der Düse den Druck unterbricht, sondern er hilft beim Einfädeln des Filaments in den Extruder und stoppt den Druck bei Materialende.

Der neuartige Bondtech Extruder ist laut Prusa Research einer der besten, den es je gab. Durch seine zwei Förderrollen ist ein Durchrutschen des Materials fast unmöglich.
Zudem verfügt der neue Extruder nun über einen P.I.N.D.A 2  Autolevelsensor, welcher dank eines eingebauten Thermistors die Temperaturschwankungen beim Bedlevelling kompensiert.
Eine radiale Lüfterdüse sorgt für die optimale Kühlung des Materials nach dem Austritt aus der Düse und gibt die Luft nun von zwei Seiten ab.

Quelle: Screenshot YouTube Video by Pursa Resaerch (https://youtu.be/hwNIzQLtHnU)

 

Die größte Neuerung allerdings ist der Schritt zur 24V Stromversorgung und dem Einsatz des EINSY RAMBo motherboard. Dies macht es möglich, dass der Prusa i3 MK3 mit Trinamic Microsteppern ausgestattet worden ist, welche 256 Mircosteps Auflösung haben und damit sehr viel leiser sind, als die bisherigen Steppertreiber. Des Weiteren soll eine Kontrollfunktion das sogenannte „layer shifting“ also ein Versatz der Layer verhindern. Doch nicht nur die neuen Steppertreiber sorgen für Ruhe, so wurde beim MK3 auf drehzahlgesteuerte Noctua Lüfter gesetzt, welche nochmal erheblich leiser sein sollen.

 

Quelle: Screenshot YouTube Video by Pursa Resaerch (https://youtu.be/hwNIzQLtHnU)

Neu ist auch der Aufbau der Y-Achse, denn hier werden mit dem MK3 erstmals Aluminiumprofile verbaut, die dafür Sorge tragen, dass mit dem Prusa i3 MK3 Druckgeschwindigkeiten von 200mm/s und mehr erreichet werden können.

Auf der Y-Achse befindet sich übrigens noch eine weitere Innovation:
Ein neuartiges Druckbett mit Magnetwechselsystem.  Durch auswechselbare Federstahlblechplatten mit bewährter PEI-Oberfläche, lassen sich ganz schnell neue Druckjobs starten, ohne das man auf das Abkühlen des Druckbettes warten muss. Zudem können die Drucke dank der Biegsamkeit der Federblechplatte schnell und einfach von der PEI-Oberfläche gelöst werden.

 

 

Der 769,00€ teure Bausatz bzw. das 999,00€ teure Fertiggerät kann ab sofort bei Prusa Research vorbestellt werden und wird ab November 2017 ausgeliefert.

 

 

Tutorial: Heizbett an einen 3D Drucker anschließen [Prusa i3 Hephestos] – so wird’s gemacht

Warum ein Heizbett an einen 3D Drucker anschließen?

Viele Benutzer eines 3D-Druckers kommen früher oder später nicht an dem Problem vorbei, dass die gedruckten Teile nicht mehr am Druckbett haften.Wer keine Lust hat ständig mit Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Haarspray, Zuckerwasser oder Kreppband zu experimentieren, der greift kurz oder lang auf ein Heizbett zurück.Spätestens aber wenn man ABS-Kunststoffe drucken will, ist die Installation unumgänglich.

In diesem How-To  zeige ich Euch, wie man bei einem Prusa i3 von bq [www.bq.com] ein Heizbett einbaut. Die Anleitung kann aber auch bei anderen Druckern funktionieren, Ihr solltet Euch aber vorher erkundigen.

Auswahl des richtigen Heizbetts

Bauarten

Es gibt mittlerweile verschiedenste Formen und Ausführungen von Heizbetten für 3D-Drucker zu kaufen. Dabei unterscheiden sich die Produkte zum Teil extrem voneinander. Neben Silikonheizmatten, die auf eine Grundplatte befestigt werden gibt es komplette Kits. Ich habe mich für ein MK3 Heizbett von reprap.me entschieden. Dieses ist schon fertig mit einer Trägerplatte aus Aluminium versehen, auf der auch direkt gedruckt werden kann.

Elektrischer Anschluss

Neben der Bauweise des Heizbetts gibt es auch unterschiedliche Möglichkeiten das Heizbett mit Strom und Spannung zu versorgen und die Temperatur zu regeln.
So findet man 12V und 24V Varianten, ebenso wie Varianten die mit 230V betrieben werden. Die Regelung der Temperatur erfolg entweder über den Drucker selbst (Dafür sind Einstellungen in der Firmware des Druckers nötig) oder über ein externes Thermostat.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass Heizbett mit einem sogenannten SSR-Relais anzusteuern. Diese Variante wird oft benutzt, wenn man das Heizbett auf 24V anschließen möchte, aber die Regelung über den Drucker nutzt.

Hinweis:
Es sind Verdrahtungsarbeiten beim Anschluss des Heizbetts notwendig. Der Anschluss darf nur durch autorisiertes Fachpersonal erfolgen. Den gesetzlichen Bestimmungen (VDE-Richtlinien) ist in jedem Fall Folge zu leisten. Ich übernehme keine Haftung oder Gewährleistung die für Schäden an Gegenständen und Personen die durch unsachgemäßen Anschluss entstehen.

Ich beschreibe hier den Einbau eines Heizbetts mit 12V Anschluss und Temperaturregelung durch den Drucker.

Anlöten des Thermistors

Der Thermistor ist eines der wichtigsten Bauteile bei einem Heizbett. Durch ihn wird die Temperatur des Heizbetts ständig an die Steuerung des 3D-Druckers übermittelt und die Firmware kann die Temperatur des Heizbetts entsprechend einregeln.
Auch hier gibt es wieder verschiedene Bauformen, wie zum Beispiel Thermistor als SMD-Bauteil oder fertig konfektioniert mit Kabel. Ich habe mich für die Version des SMD-Bauteils entschieden, da das Heizbett entsprechend für diese Art des Thermistors vorbereitet ist.
Nachdem der Thermistor angelötet wurde, solltet Ihr auch direkt die Sensorleitungen am Heizbett anschließen. Achtet darauf, dass Ihr nicht wieder die Lötstellen des Thermistors löst.

Fertig verlöteter Thermistor
Verlöteter SMD-Thermistor auf dem Heizbett

Anschluss für die Stromleitungen vorbereiten

Wie zuvor beschrieben, kann das Heizbett mit verschiedenen Spannungen betrieben werden. Da ich ein Netzteil mit 12V besitze, schließe ich auch das Heizbett auf 12V an. Hierfür müssen die Anschlüsse 2 und 3 am Heizbett mittels Brücke miteinander verbunden werden.

Hinweis:
Es ist zu beachten, dass das mitgelieferte Netzteil von bq nicht über ausreichend Leistung verfügt um den Drucker und das Heizbett zu versorgen. Für das Betreiben eines Heizbetts benötigt man ein Netzteil mit mindestens 300W Leitung.
Dafür könnt Ihr ein ATX-Netzteil eines alten PCs umbauen. Anleitung hierzu findet ihr im Netz. Sicherer und eleganter ist jedoch die Spannungsversorgung mit einem ausreichend dimensionierten Netzteil herzustellen.

12V Brücke am Anschlussfeld setzen

fertig verlötetes Heizbett mit Zuleitungen und Sensorleitung des Thermistor

Heizbett an den Drucker anschließen

Mechanische Arbeiten

Nachdem Ihr erfolgreich das Heizbett auf Funktion geprüft habt, könnt Ihr es nun in Euren Drucker einbauen. Das MK3 Heizbett hat die Besonderheit, dass es keine Unterplatte benötig. Ihr könnt also die standardmäßig verbaute Plexiglasplatte entfernen und schraubt das Heizbett direkt auf den Drucktisch fest. Achtet darauf, dass die unbedruckte Seite, also das blanke Aluminium, nach oben zeigt.
Hier könnt Ihr sogar später ohne weiteres drauf drucken. Ich empfehle euch aber trotzdem die Glasplatte weiter zu verwenden und diese evtl. mit Kaptonband oder einer Dauerdruckplatte zu bekleben, um noch bessere Haftung zu erzielen.
Vorher solltet Ihr noch die mitgelieferte Korkplatte unter das Heizbett kleben. Dies sorgt für eine kurze Aufheizzeit des Betts und schütz gleichzeitig die darunterliegenden Komponenten. Manche Experten raten sogar, um noch kürzere Aufheizzeiten zu erreichen, das Heizbett mit Watte oder Dämmwolle zu unterlegen. Das kann jeder nach seinem Geschmack machen oder lassen.

Anschluss an das RAMPS-Board

Nun folgt der eigentliche Anschluss des Heizbetts an das RAMPS-Board. Zuerst schließt Ihr die Sensorleitung des Thermistors an die Platine an. Die Anschlüsse dafür befinden sich oberhalb der Anschlüsse für den Temperatursensor des Extruders (Bezeichnung müsste T1 sein).
Nachdem dies erfolgt ist, werden die Anschlusskabel an die Klemmenreihe D8 angeschlossen. Bitte achtet darauf, dass Ihr die Kabel nicht verpolt anschließt und sich keine Adern aus den Klemmen herausdrücken, dies kann einen Kurzschluss verursachen.
Zu guter letzt muss noch der Stromanschluss geändert werden. entfernt dafür das Originale Kabel aus dem Stecker und Schließt euer Netzteil an alle vier Klemmen mit der richtigen Polung (+-/+-) an. Denn nur so wird der Anschluss D8 mit Spannung versorgt und Euer Heizbett funktioniert anschließend ohne Probleme.

Hier findet Ihr übrigens einen detaillierten Anschlussplan für das Heizbett. [Link]

Anschlussbelegung am RAMPS-Board

 

Einstellungen in der Firmware durchführen

Damit das Heizbett auch vom Drucker erkannt und geregelt werden kann, müssen noch Einstellungen in der Firmware des Druckers gemacht werden.
Die aktuelle Version der bq Firmware 1.4.2 findet Ihr hier: https://github.com/bq/Marlin/releases/tag/1.4.2. Speichert sie auf Euren Rechner und extrahiert sie in einem Ordner Eurer Wahl.

Danach öffnet Ihr die Arduino Programmiersoftware. Falls Ihr diese noch nicht installiert habt, findet Ihr diese hier: https://www.arduino.cc/en/Main/OldSoftwareReleases#1.0.x
Dort ladet Ihr bitte die Version 1.0.6 herunter und nicht die aktuelle. Die neue Version kann zu Kompilierfehlern führen.

Nachdem Ihr die Firmware entpackt und die Arduino-Software installiert habt, öffnet Ihr den Ordner in dem Ihr die *.zip entpackt habt und sucht nach der marlin.ino.

Stellt unter Werkzeuge noch Eure Platine auf Arduino Mega 2560 ein und wählt den COM-Port aus, an dem Ihr euren Drucker angeschlossen habt. Ich denke es ist selbstverständlich, dass Ihr den Drucker vorher mit dem USB-Kabel an Euren Rechner angeschlossen habt.

Jetzt solltet Ihr auf dem Bildschirm folgendes sehen:

Jetzt wählt Ihr den Reiter „configuration.h“ aus und sucht den Bereich „Thermal Settings“
Dort ändert Ihr den Punkt „#define TEMP_SENSOR_1“ von „0“ auf „1“.

geänderte configuration.h

Nachdem Ihr die Dateien kompiliert und auf den Drucker übertragen habt, sollte Euer Drucker folgendes auf dem Display anzeigen:

Temperaturanzeige des Heizbettes auf dem Display