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Review: Anycubic I3 Mega – made of steel

Auch im neuen Jahr wollen wir euch wieder mit neuen Infos aus der 3D-Druckszene versorgen und fangen direkt mit dem Review des Anycubic I3 Mega an, den wir vor ca. 4 Wochen als Testgerät von Gearbest erhalten haben.

Vielleicht noch ein paar Worte vorweg.
Auch wenn wir diesen Drucker von Gearbest als Testgerät bekommen haben, bewerten wir stets neutral und schreiben auch über Dinge die uns nicht gefallen.
So haben wir auch bei diesem Gerät wieder einige Punkte gefunden, die uns gefallen und nicht gefallen haben.
Wir hoffen ihr bleibt uns weiterhin treu und wünschen euch nun viel Spaß beim Lesen unseres Testberichts.

Inhaltsverzeichnis

Verpackung, Versand und Inhalt

Verpackung (1)

Gut verpackt erreicht uns der Anycubic I3 Mega nach ca. einer Woche, da Gearbest ihn aus dem neuen Tschechischen Lager versandt hat.

Alleine schon der Karton, in dem der Drucker geliefert wird, macht einen guten Eindruck. Die stabile Pappe und die gute Verklebung scheinen den Drucker gut zu schützen.
Innen erwarten uns mal wieder ganz viel Schaumstoff und Plastiktüten und lässt unsere Wertstofftonne fast platzen.
Alles ist sehr passgenau verpackt, so dass Beschädigungen fast auszuschließen sind.
Neben dem Drucker erwartet uns such eine prallgefüllte Tüte mit Werkzeug und Ersatzteilen, wie z.B. ein komplettes Hotend und einem Endstop.
Eine Rolle schwarzes PLA, eine 8GB SD-Karte und das obligatorische USB-Kabel liegen dem Gesamtpaket ebenfalls dabei, so dass es direkt mit dem Drucken losgehen kann.

Mechanischer Aufbau des Druckers

Der mechanische Aufbau des Anycubic I3 Mega hält sich, wie es bereits der Name erahnen lässt, an das Prinzip des Prusa i3.
Das bedeutet aber auch, dass das Druckbett gleichzeitig als Y-Achse dient und somit das Bauteil bewegt wird, was sich auf die Druckgeschwindigkeit auswirkt.
Schneller als 80-100 mm/s solltet ihr ohnehin nicht mit dem I3 Mega drucken, worauf wir aber gleich zu sprechen kommen.

Was beim Anycubic I3 Mega direkt auffällt ist, dass der gesamte Drucker ziemlich bullig und wuchtig daherkommt. Dies liegt in der besonderen Aufbauweise des Druckers, denn der Drucker besteht nicht aus einem Rahmen aus Acryl oder Aluminiumprofilen. Alle Gehäuse und Rahmenteile bestehen aus gekanteten und schwarz-pulverbeschichteten Blechen, welche miteinander verschweißt oder verschraubt sind.
Man findet am Anycubic I3 Mega kein einziges gedrucktes Bauteil. Alle Linearlager, Stangen und Motoren sind mit den Blechkomponenten verbunden.

Leider hat dieser Blechaufbau auch einen entscheidenden Nachteil: es entstehen bei schnellen Druckgeschwindigkeiten Schwingungen, die sich leider in Klappergeräuschen und Fehlern auf dem Bauteil bemerkbar machen. Besonders durch die Winkelkantung des Portalrahmens kommt dieser nicht an die Steifigkeit eines Aluminiumprofilrahmens heran.  Deshalb sollte die Druckgeschwindigkeit, wie bereits erwähnt, nicht allzu schnell gewählt werden.

Es gibt aber auch Sachen, die uns am I3 Mega wirklich gut gefallen:
Alle Linearlager scheinen ausreichend groß dimensioniert zu sein und auch die Grundplatte des Heizbettes macht einen guten Eindruck, was sich beim Leveln des Druckers sehr positiv auswirkt.
Ebenfalls weicht man von den beliebten Federkupplungen an den Z-Spindeln ab und hat stattdessen starre Kupplungen zwischen Motoren und Gewindespindeln verbaut.

Eine tolle Sache ist auch das automatische Ausrichten der Z-Achse.
Einmal in Ihrer Höhe nivelliert fährt die Z-Achse immer wieder auf den gleichen Ausganswert zurück, selbst wenn ihr mal eine Seite verdrehen solltet.
Dies wird durch zwei Endschalter und die getrennte Versorgung der Steppermotoren mit jeweils einem eigenen Treiber erreicht.

Zusammenbau

Vormontierte Module machen den Aufbau denkbar einfach.

Der Zusammenbau des Anycubic I3 Mega ist innerhalb von fünf Minuten erledigt, denn es müssen nur zwei bereits vormontierte Module miteinander verschraubt werden.
Das eine Modul ist das Unterteil mit Steuereinheit und Y-Achse, das andere Modul ist das, nennen wir es mal „Portal“, mit der X und Z-Achse. Auch der Extruder sitzt bereits fertig montiert an der X-Achse und braucht, wie alle anderen Komponenten nicht mehr verkabelt werden.

Das Zusammensetzen der beiden Komponenten ist denkbar einfach. Man stellt das Portalmodul auf eine Tischplatte, setzt das Unterteil hinein und verschraubt alles mit insgesamt acht Schrauben.

Die Verkabelung der beiden Module ist noch einfacher.
Seitlich befindet sich am Unterteil ein Anschlussmodul in dem alle Kabel vom Portal eingesteckt werden. Durch unterschiedliche Steckergrößen und Farben ist ein Verwechseln so gut wie ausgeschlossen.

Das war es! Schon hat man einen fast betriebsbereiten Drucker vor sich.

Da der Anycubic I3 Mega in der von uns getesteten Version keinen Autobettlevellingsensor hat, muss noch die Druckplattform manuell gelevelt werden.
Dies geschieht ganz einfach über die vier Rändelschrauben, die unterhalb des Druckbettes zu finden sind. Um den optimalen Abstand zu haben, kann man entweder eine Fühlerlehre, ein Blatt Papier oder die Abdeckung des Heizbettes verwenden.




Elektronik

Komfortable Bedienung durch Touch-Display

Die Steuerung des Anycubic I3 Mega geschient sehr komfortabel über ein Touch-Display an der Vorderseite des Druckers. Hier können alle nötigen Einstellungen vorgenommen und der Drucker per Hand gesteuert werden.

Ansonsten gibt es für den normalen Anwender nicht viel von der Elektronik zu sehen, da sich diese im Unterteil des Druckers versteckt.

Wir haben nachgesehen und zeigen, welche Komponenten im Anycubic I3 Mega stecken.

Das Mainboard nennt sich TRIGORILLA® und ist ein Eigenbau bzw. eine Lizenzfertigung für Anycubic. Vermutlich wurde ein MKS Board als Grundlage für das Mainboard verwendet.
Alle Kabel sind ordentlich verlegt und in das Mainboard gesteckt oder geschraubt.
Über dem Board befindet sich ein Lüfter, der die Elektronik aktiv kühlen soll. Warum man diesen wiederum mit dem Bodenblech verdeckt, bleibt uns ein Rätsel.
Besonders nützlich erweist sich die Tatsache, dass bei unserer Testversion des Druckers alle Treibermodule aufgesteckt und nicht in das Board integriert sind. So kann man diese bei einem Defekt oder zur Lautstärkereduzierung gegen andere Treiberbausteine, wie die TMC2100, austauschen.
Standardmäßig befinden sich übrigens A4988 Treiber mit 1/16 Schritteinteilung auf dem Mainboard.

Neueste Fotos aus dem Internet aber zeigen, dass Anycubic bei neueren Modellen das Mainboard überarbeitet hat und mittlerweile festverlötete Treiber einsetzt. Dies finden wir sehr schade, da gerade dieses Feature bei manch einem Interessenten zur endgültigen Kaufentscheidung beigetragen hat.

Neben dem Mainboard befindet sich auch das Netzteil im Unterteil des Druckers. Es ist mit 300W groß genug dimensioniert, um alle Komponenten des Druckers mit genügend Spannung zu versorgen. Darüber hinaus findet man noch das Modul für die SD-Karte, das Modul des LCD-Touch Display und das Anschlussmodul für die Stecker des Portalmoduls im Unterteil.

Auch Im Extruderkopf ist eine kleine Platine zu finden. Sie dient als Anschlussmodul für Bauteile wie Hotend und Lüfter. Dies hat den Vorteil, dass man nicht jedes Mal den gesamten Kabelbaum zum Wechseln einer Komponente öffnen muss.

Sowieso ist die gesamte Verkabelung des I3 Mega sehr unauffällig gehalten. Alle Kabel sind entweder versteckt verlegt oder mit einem Kabelschlauch umwickelt. Hierdurch wirkt der ganze Drucker sehr aufgeräumt. Lediglich beim Heizbett hätte man dem I3 Mega noch eine vernünftige Zugentlastung spendieren können.

Erwähnenswert ist übrigens noch, dass der Drucker nach einem Stromausfall den Druck fortsetzen kann. Besonders in Ländern mit einem instabilen Stromnetz oder kleinen Kindern im Haushalt ein sehr nützliches Feature.

Extruder & Hotend

Hier gibt es eigentlich nicht viel zu schreiben, denn Anycubic setzt bei dem I3 Mega auf einen normalen MK8 Extruder mit gerade verzahnten Extruderrad und einem E3D-Clone als Hotend.
Das Ganze ist beim I3 Mega als Bowden-Setup verbaut und machte bei unseren bisherigen Drucken keinerlei Probleme.

Ein nettes Feature gibt es aber doch noch zu erwähnen: der I3 Mega verfügt, in der uns zur Verfügung gestellten Version, über einen Filament-Ende Sensor, der den Drucker pausieren soll, wenn einmal das Filament ausgeht. Da wir den Drucker aber fast nie autark laufen lassen, ist dies für uns nur ein nettes nice-to-have.

Druckbett

ULTRABASE – so der Name der Druckplattform des I3 Mega. Es handelt sich hierbei um eine direkt mit dem Heatbed verklebte Glasplatte mit einer speziellen Beschichtung. Diese erinnert durch ihr Aussehen ein wenig an das Druckbett des UP Mini. Die ULTRABASE soll perfekte Haftung und gute Ablöseeigenschaften bieten. Und tatsächlich, einmal ausgelevelt hielten bisher bei uns alle Drucke ohne Probleme auf der Oberfläche. Und nach dem Abkühlen konnten diese fast „heruntergepustet“ werden, was uns wirklich sehr gefiel.

Leider erreicht der Drucker in seiner Standardausführung die für die Haftung von ABS benötigten 110°C nicht. Also sollten alle, die den Drucker für ABS verwenden wollen, hier nochmal nacharbeiten. Wir haben es uns ganz einfach gemacht und eine 8mm dicke Korkplatte unter das Heizbett geklebt. Und siehe da, der Drucker erreicht die gewünschte Temperatur.

Erfahrungsbericht

Wir haben den I3 Mega seit mittlerweile knapp 4 Wochen bei uns im Einsatz und haben schon einige Höhen und Tiefen mit ihm erlebt.
Die erste Enttäuschung kam direkt nach dem Zusammenbau und dem ersten Leveln des Druckers. Einer der beiden Z-Motoren verweigerte den Dienst, so dass wir uns auf die Fehlersuche machten. Nachdem wir sämtliche Kabel und Steckverbindungen durchgemessen und getestet haben, konnten wir einen defekten Treiber als Fehlerursache ausmachen.
Gut, dass diese austauschbar sind und wir noch einen passenden Treiber auftreiben konnten.
Seitdem wir diesen ausgetauscht haben, läuft der Drucker wie am Schnürchen.

Mittlerweile macht der Mainboard-Lüfter unschöne Geräusche, so dass wir von einem beginnenden Lagerschaden ausgehen und den Lüfter zeitnah ersetzen werden.

Von den Druckergebnissen, die der I3 Mega liefert, sind wir bislang nicht enttäuscht worden. Wir haben den Drucker in der Weihnachtszeit genutzt, um mit ihm Geschenke für die Familien zu drucken. Auch andere Bauteile stellen für den Anycubic I3 Mega kein Problem dar.
Wirklich begeistert sind wir aber von der ULTRABASE Druckoberfläche. Die Drucke haften auf ihr perfekt und lassen sich nach dem Abkühlen fast wie von selbst entfernen.

Was wir beim I3 Mega vermissen, sind die Einstellmöglichkeiten z.B. für Steps/mm oder der PID-Regelung. Dort sollte man seitens Anycubic vielleicht noch einmal nachbessern und das Ganze offener gestalten.

Hier noch ein paar Beispiele für die Druckqualität




Fazit

Der Anycubic bietet Stärken und Schwächen. Die Druckergebnisse sind mehr als zufriedenstellend und machen eine gute Figur. Leider schwächelt der Drucker bei schnelleren Geschwindigkeiten und schwingt sich auf.
Für ABS ist die Standardversion ohne isoliertes Heizbett nicht zu gebrauchen. Hier sollte man von Anfang an nachbessern.
Besonders gefallen uns das Features der selbstnivellierenden Z-Achse und die ULTRABASE-Druckoberfläche.
Leider wurde unser Testdrucker mit einem Defekt am zweiten Z-Achsen Treiber ausgeliefert und mittlerweile versagt der Lüfter des Mainboards den Dienst.

Dennoch ist der Anycubic ein 3D-Drucker für Einsteiger und als Zweit- oder Drittgerät eine ganz gute Wahl. Das System ist gut aufeinander abgestimmt, so dass das Drucken out-of-the-box kein Problem sein sollte.

Wir geben dem Drucker 3,5 von 5 Punkten.