EasyThreeD Nano – kompakter 3D-Drucker zum Kampfpreis

Anfang März erreichten mich zwei Pakete. In einem dieser Pakete war eine Review Unit des EasythreeD Nano 3D-Druckers.
Ein Drucker mit sehr kleinem Formfaktor sowie schönem Design – genau das Gegenteil des Anycubic Chiron (Review hier). Der Hersteller liefert einen eigenen Slicer mit und entwickelt eine Anwendung, welche es Kindern sehr leicht macht ihre Ideen zu drucken. Lest hier meine Erfahrungen nach zwei Wochen mit dem Gerät.

Update 10. Mai 2019: Mittlerweile hat EasythreeD auch einen Shop bei Aliexpress.

Technische Daten EasyThreeD Nano

  • Bauraum: 9x11x11 cm (1029 cm³)
  • Extruder Temperatur bis 240°C
  • Layerhöhe 0,1mm – 0,3mm
  • Kein Heizbett
  • Kein Bauteillüfter
  • Ein Knopf Bedienung
  • MicroSD Slot

Lieferumfang

  • 250gr Filament
  • Kunststoffspachtel
  • USB Card Reader
  • 1GB Micro SD Karte
  • Netzteil
  • USB Kabel
  • Schraubendreher

Geliefert wurde der Drucker nicht in der normalen Verpackung, sondern in einem anderen Karton. Somit kann ich nichts zur normalen Verkaufsverpackung sagen. Das beiliegende Zubehör ist Standard. Es liegen 250gr weisses PLA Filament bei.

Sehr geringer Platzverbrauch. Zur Veranschaulichung steht ein BIC Maxi vor dem Drucker.
Sehr geringer Platzverbrauch. Zur Veranschaulichung steht ein BIC Maxi vor dem Drucker.

Verarbeitung

Der Drucker ist gut verarbeitet. Es sind keine Motoren oder Kabel, bis auf die Zufürung vom Extruder, sichtbar. Das Design ist sehr klar und funktionell. Auf der Rückseite sind alle Anschlüsse wie der USB-Port und der MicroSD-Kartenslot. Schön wäre gewesen, wenn der MicroSD-Slot vorne wäre. 
Leider kann ich bei meinem Gerät deutliches Z-Wobble sehen, da die Gewindestangen verbogen sind. Dies könnte jedoch an der Verpackung liegen, da das Zubehörpaket in den Druckraum gesteckt wurde. Alle Stangen sind sehr dünn (unter 6 mm). Die Druckqualität ist trotz der wackelnden Z-Achse beachtlich – jedoch sollte die Geschwindigkeit nicht über 50mm/s liegen. Standardmäßig sind 30 mm/s vorgegeben. Alle Seiten des Druckers können mit transparenten Klappen verschlossen werden.

Der kleine Würfel misst nicht ganz 20x20x20 cm. Damit passt der Drucker auch auf einen kleinen Schreibtisch. Auf der Rückseite befinden sich ein Schieber, welcher drei Zustände kennt „Feed“, „Print“ und „Retract“. Der beiliegende gedruckte Filamenthalter ist für kleine Rollen (bis 500gr) ausgelegt und wird einfach an den Rahmen gesteckt.

Bedienung EasyThreeD Nano

Da der Drucker nur über eine Taste verfügt ist die Bedienung anfangs gewöhnungsbedürftig. Auf der Rückseite findet sich ein Schieberegler, welcher „Feed“, „Print“ oder „Retract“ kennt. Wie der Name schon sagt, muss dieser auf Feed gestellt werden um Filament einzuführen. Die Taste in der Front beginnt schnell zu blinken – dies bedeutet, dass der Extruder aufgeheizt wird. Blinkt die Taste langsam, dann wird das Filament eingezogen. „Retract“ ist das Gegenteil und wirft das Filament aus. Wenn das Filament richtig ein- oder ausgeführt wurde, muss der Schieber wieder auf „Print“ gestellt werden. Hier gibt es keine Probleme. Ist das Filament einmal eingeführt, kann die Rolle verdruckt werden ohne weitere Probleme. Die Einknopf Bedienung führt dazu, dass auf der SD Karte nur eine GCode Datei zur Zeit drauf sein sollte. Leider besitzt der Nano keinen Powerschalter. Man muss also immer das Stromkabel abziehen.

Druckqualität

Da kein Bauteilkühler vorhanden ist, sind kleine feine Strukturen problematisch. Dennoch wurde der „Test Your 3D Printer“ Test relativ gut gedruckt (siehe Bildergalerie). Das nicht beheizte Druckbett begrenzt die Materialauswahl auf PLA basierte Filamente – die Druckbetthaftung funktionierte ohne weitere Hilfsmittel sogar so gut, dass der Kunststoffspachtel nicht ausreicht um die Modelle abzunehmen. Bisher druckte der Drucker jedes Modell mit dem ich ihn bewarf ohne Probleme. Ich habe die Modelle alle mit dem Nano Slicer vorbereitet und immer die Standardeinstellungen – jedoch ohne Support – benutzt. Leider fiel mir bei meiner Review Unit auf, dass die Führungsstangen der Z-Achse sehr stark wackeln – was zu starkem Z-Wobble führt. Bei den niedrigen Druckgeschwindigkeiten des Nano fallt dies allerdings kaum ins Gewicht. Der Hersteller hat dies erkannt und arbeitet an einer Lösung dafür.

Strom- und Platzverbrauch

Beim Stromverbrauch ist der EasyThreeD Nano sehr sparsam. Gerade einmal 35 Watt verbraucht er in der Spitze. Nehmen wir den Spitzenverbrauch als Durchschnittsverbrauch, dann kommen wir auf Stromkosten von 1 Cent die Stunde. Zum Vergleich: Der Anycubic Chiron verbraucht circa 200 Watt (6 Cent/h) und der Prusa MK3 170 Watt (5 Cent/h). Der niedrige Stromverbrauch ist vor allem auf das fehlende Heizbett und Bauteillüfter zurückzuführen. Ebenso sind die Motoren keine NEMAs, und auch der Extruder ist proprietär – dies reduziert den Stromverbrauch ebenfalls. Auch beim Platzverbrauch ist der Nano unschlagbar kompakt. Gerade einmal 32 x 35 x 30 cm (Mit 250gr Filamentspule) benötigt der Nano auf dem Schreibtisch. Damit ist auch in jedem Kinderzimmer platz. Ein Vergleich der hinkt, trotzdem möchte ich diesen hier anbringen: Ein Kubikzentimeter Bauraum kostet beim Nano rund 8 Cent. Beim Anycubic Chiron liegt dieser Wert bei nur 0,7 Cent. Bei einem Creality CR-10 ist es 1 Cent und bei einem Prusa i3 MK3 schlägt er mit 6 Cent zu buche.

Der Slicer – Nano

EasyThreeD liefert den Drucker mit einem eigenen Slicer aus. Dieser basiert auf Cura, soll aber eine einfacher zu bedienende Lösung liefern. Bisher ist die Software nur auf Englisch und Chinesisch verfügbar – Deutsch wird erst verfügbar, wenn sich ein deutscher Distributor findet. Innerhalb des Slicers gibt es 3 vorgefertigte Profile (Fast, Standard, Detail) Diese lassen sich im Slicer nicht mehr verändern. Zusätzlich kann man unter „Custom Slice“ die Einstellungen frei bearbeiten. Leider wird dort nicht das zuvor Veränderte Profil vorgegeben, sondern immer das selbe. Die Profile können dennoch bearbeitet werden. Im Programmordner finden sich ein Unterordner „Slice“ dort sind zwei Dateien in denen alle Einstellungen bearbeitet werden können. Das gespeicherte Dateiformat ist GCode – Nutzung anderer Slicer ist also möglich.

Einsatz an Schulen und Bildungseinrichtungen

EasyThreeD zielt mit dem Nano- vor allem auf den Bildungsbereich und junge Einsteiger. Die Bedienung mit einer Taste mag dem Profi zu wenig sein. Für einen jungen Einsteiger, kann dies aber Hürden abbauen. Der Slicer ist einfach gehalten und bietet Hinweise, was zu tun ist oder gerade getan wird. Vor allem der niedrige Preis (ca. 90 Euro) ist sehr attraktiv.
Die fehlende Fortschrittsanzeige gepaart mit der ungenauen und meist zu gering berechneten Druckzeit aus dem Slicer ist ein Punkt der mir negativ auffällt. Zumal gerade in Bildungseinrichtungen die Endzeit des Drucks nicht unerheblich ist. Der Druckraum, welcher geschlossen werden kann macht in diesem Anwendungsbereich Sinn, da neugierige Kinderhände geschützt werden. Selbst bei offenen Bauraum ist es recht schwer an die heisse Düse zu kommen.
Alle notwendigen Zertifikate (RoHS, CE usw.) wurden mir vom Hersteller zur Verfügung gestellt – somit ist der sichere Betrieb nach europäischen Standards gewährleistet.

Fazit

Wer einen günstigen Einstieg in den 3D-Druck sucht oder eine Bildungseinrichtung günstig mit vielen Druckern ausstatten möchte, ist hier preislich gut beraten. Zur Zeit kostet das Gerät rund 100 Euro bei Gearbest (auch bei Amazon verfügbar) – das ist ein Kampfreis. In dieser Preisklasse gibt es keinen „Preassembled“ Mitstreiter. Bei Amazon ist der günstigste Drucker zur Zeit für 115 Euro zu haben (Prusa i3 Klon).
Für Fortgeschrittene oder Profis ist dieser Drucker eher nichts. Der fehlende Bauteillüfter ist sehr ärgerlich – hier wurde meiner Meinung nach leider an der falschen Stelle gespart, da der Qualitätszugewinn durch einen Bauteillüfter erheblich ist. Das Design ist durchdacht mit ein paar kleinen Schwächen (microSD Slot und Schieberegler auf der Rückseite) und die Verarbeitung ist hervorragend. Mit dem Slicer steht eine relativ einfach zugängliche Software bereit. EasythreeD arbeitet zudem an einer 2Dto3D Software – dazu später in einem gesondertem Beitrag mehr.

Ich danke euch fürs Lesen. Falls ihr weitere Fragen habt, stellt diese gerne in den Kommentaren – ich werde versuchen schnellstmöglich zu antworten.