Review: Tevo Tornado – eine „spannende“ Angelegenheit

Vorwort

Lange haben wir überlegt, ob wir dieses Review überhaupt schreiben sollen, sind dann aber zu dem Entschluss gekommen, dass, wenn wir es nicht machen, unserer Informationspflicht gegenüber Euch nicht nachkommen.

Eines noch vorweg:
Dieser Bericht soll Euch als Endverbraucher informieren und warnen und nicht dem Hersteller schaden, also bitten wir um eine gesittete Netiquette.



Testbericht

„Herzlichen Dank für den Kauf Ihres neuen Tevo Tornado, wir hoffen Sie haben eine gute Lebensversicherung abgeschlossen.“, so oder so ähnlich sollten die ersten Worte in der Bedienungsanleitung eigentlich lauten.

Lebensversicherung beim 3D-Drucker? Ja, denn wer den Tevo Tornado sein Eigen nennt, der begibt sich in unmittelbare Lebensgefahr!

Viele von Euch denken jetzt bestimmt: „Wieder so ein Besserwisser und Schlechtreder“, aber was wir beim Tornado in Punkto Produktsicherheit gefunden haben, ist grob fahrlässig, wenn nicht gar vorsätzlich. Und dabei liegt der Stein des Anstoßes eigentlich nur an einem einzigen Punkt: dem 230V Heizbett.
Eigentlich ist das Ganze für uns unverständlich, dass so ein Fauxpas einem renommierten Hersteller von 3D-Druckern unterlaufen ist, denn der Rest des Tevo Tornado macht einen guten Eindruck.

Wir gehen davon aus, dass Tevo sich vom Vorbild des Druckers, dem Creality3D CR-10, abheben wollte und deshalb dem Tornado das 230V Heizbett spediert hat. Leider ist die Ausführung des Ganzen aber schwer in die Hose gegangen.
Von der fehlenden Zugentlastung der Anschlusskabel, welche noch das geringste Übel ist, über eine nicht ausreichend geplante Elektrik, bis hin zu einem spannungsführenden Stecker ist alles vorhanden, was man an Gefährdungen bieten kann.

Fangen wir mal beim gravierendsten Mangel an:  

Dem Anschlussstecker des Heizbettes an der Controlbox.
Hier besteht Lebensgefahr!

Im schlimmsten Fall liegen am Stecker direkt 230V an.

Wer bei Tevo auf die Schnapsidee gekommen ist einen Stecker anstatt einer Buchse einzubauen, der sollte selber mal testen, was passiert, wenn man dort hineinfasst und Spannung anliegt.
Doch warum kann dort überhaupt Spannung anliegen?

Weil man, Punkt 2 der Mängel, bei der Auslegung der Elektronik gespart hat. Hätte man im Inneren der Controlbox beide Kabel des Heizbettes mit einem SSR Relais versehen, so wäre die Gefahr eines Stromschlags um einiges reduziert worden, denn so ist es egal wie man den Stecker in die Steckdose einsteckt, es sind beide Leitungen getrennt.

Nur ein SSR-Relais wurde für das Heizbett verbaut.

Zu guter Letzt wäre dann noch die Zugentlastung der Leitungen zu erwähnen. Diese fehlen am Druckbett völlig und können durchaus dazu führen, dass Leitungen aufscheuern und Kontakt mit dem Rahmen bekommen. Dank des fehlenden Schutzleiters, eine riskante Kombination.

Fehlt völlig: Zugentlastung am Heizbett.

Wem dies egal ist und sich dem Risiko bewusst aussetzt, der erhält eigentlich einen ganz brauchbaren Drucker.

Aufbau, Heizbett und Extruder

Wie schon erwähnt handelt es sich beim Tevo Tornado um einen Drucker, der sich von der Aufbauart kaum vom CR-10 unterscheidet und, dank vormontierten Elementen, innerhalb kurzer Zeit zusammengesetzt ist.

Was auffällt, ist das große Druckbett, welches knapp 6cm länger als das Creality3D Druckbett ist.
Leider sind aber nur 30cm von den 37cm nutzbar, da vorne und hinten die Befestigungsschrauben überstehen und die Achse mehr als 30cm

Tevo Titan Extruder

Verfahrweg nicht zulässt.
Dafür ist aber das gesamte Druckbett mit einer Dauerdruckplatte versehen, auf der die zu druckenden Teile sehr gut und manchmal sogar zu gut haften.
Im Auslieferungszustand war auf unserem Modell noch ein Testdruck auf dem Druckbett vorhanden, den wir nur mit Mühe und einem Glasschaber entfernen konnten.

Beim Extruder setzt Tevo auf seinen Titan Extruder, der such schon beim Tevo Tarantula dabei war und uns sehr gut gefallen hat.
Beim Hotend wird auch auf Altbewährtes gesetzt und so findet man den Cyclop Clone auf der X-Achse wieder.
Beide Komponenten sind, wie auch beim CR-10, mittels Bowden miteinander verbunden und versehen ihren Dienst, wie man es erwartet.

 

Mechanische Komponenten

Hier gibt es nicht eigentlich nicht viel zu berichten. Der Tevo Tornado wird, wie sein Vorbild, mit nur einer Z-Achsen Spindel geliefert und lagert die andere Seite über drei Rollen am Aluprofil.
Die Rollen sind V-förmig gehalten und laufen gut und sauber im Aluprofil.
Ansonsten verzichtet man bei Tevo auf die Profilabdeckungen und Endkappen, so das man gerade an den abgesägten Enden der Profilen hier und da mal noch eine scharfe Kante findet.

 

Elektronik

Bis auf die eingangs erwähnten Risiken durch das Heizbett, ist die Elektronik im Inneren der Controlbox sauber verarbeitet.
Man findet ein MKS-Board als Mainboard wieder, welches den Drucker steuert. Vielleicht handelt es sich aber auch um einen Clone, da man keinerlei Bezeichnungen auf dem Board finden kann.
Genaueres konnten wir aber bislang auch nicht in Erfahrung bringen.
Als Firmware scheint eine angepasste Marlin auf dem Board zu laufen.

 

 



Fazit

An sich hätte der Tevo Tornado ein guter Konkurrent zum CR-10 werden können, wenn nicht die Sache mit dem Heizbett wäre.
Zugegeben, es ist toll, wenn man sieht, wie schnell es auf Temperatur kommt, aber die Verarbeitung des Ganzen ist absolut mangelhaft bzw. lebensgefährlich.
Eigentlich sollte Tevo den Tornado schnellstens überarbeiten, um seinen Kunden einen sicheren Drucker zu liefern.
Wir hoffen, dass dieser Testbericht an die richtige Stelle bei Tevo gelangt und man dort einsichtig ist, den Drucker zu überarbeiten. Zumal es mit „Kleinigkeiten“, wie einem zweiten SSR Relais, dem Einbau einer Buchse anstatt eines Steckers in der Controlbox und dem Einsatz einer Zugentlastung erledigt wäre.

Wir geben für den Tevo Tornado keine Kaufempfehlung, solange diese Punkte seitens Tevo nicht behoben sind.
Der Drucker erhält von uns keine Bewertungspunkte.

Ulrich Saßmannshausen

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.
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2 Gedanken zu „Review: Tevo Tornado – eine „spannende“ Angelegenheit

  • 30. April 2018 um 1:02
    Permalink

    Hi,
    dem Review kann ich nicht 100% zustimmen.
    230V Anwendungen muss innerhalb der EU den VDE Bestimmungen folgen.
    Mit dem Stecker und Buchse vertauschen ist es nicht getan, dieser Stecker erfüllt nicht die Vorraussetzungen für 230V! Den dazu müssen die Pins einen gewissen Abstand haben, dieser ist hier nicht erfüllt. Ebenso müssen sie 16A standhalten, da hier keine Vorsicherung dazwischengeschaltet ist. Das würden sie aber nicht mal im Ansatz, ich tippe auf max. 8A dauerhaft.
    Der nächste Punkt ist der fehlende Kabelmantel, Einzellitzen sind ebenso aus dem genannten Grund Durchscheuern der Isolierung Pflicht außerhalb des geschlossenen isolierten oder geerdeten Metallgehäußes Pflicht. Die Isolierung muss bis zum Anschlusspunkt vollständig ausgeführt sein und an keiner Stelle unterbrochen.

    Antwort
  • 13. Februar 2018 um 8:58
    Permalink

    Hallo Ulrich!

    Vielen Dank für den wichtigen Hinweis. Leider habe ich bei meiner Kaufentscheidung im Dezember 2017 nicht auf die Verdrahtung geachtet, sondern vielmehr auf die Druckleistung / Druckergebnisse. Hätte ich diesen Artikel vorher gelesen hätte ich mich auch für einen anderen Drucker entschieden. Doch was nun…..?

    => Steuerungsgehäuse + Frame erden?
    => + FI-Schutzschalter?
    => + Zugentlastung für das Heizbett

    Lieber würde ich ein „Hot Bed Replacement“ einbauen um das Problem zu lösen…gibt es das für diesen Drucker ?

    Beste Grüße

    André

    Antwort

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