Review: Zonestar P802C – Konkurrenz für den Anet A8?




Er hat (fast) alles, was sich Besitzer des Anet A8 wünschen: ein RAMPS-Board, ein aktiv gekühltes Netzteil und einen Bowden-Extruder…

Die Rede ist vom Zonestar P802C, welchen man derzeit für rund 150€ bei Gearbest bekommen kann.

Es scheint, als ob der Hersteller Zonestar mit dem P802 Modellen auf den Zug des erfolgreichen Anet A8 bzw. Anet A6 aufzuspringen will.
Ob dies gelingt, verraten wir Euch in unserem Review.

Aufbau, Mechanik und Aussehen

Wie fast alle 3D-Drucker dieser Preisklasse besteht der Grundrahmen des Zonestar P802C aus schwarzem gelaserten Acrylglas und wird durch Schrauben und Muttern miteinander verbunden.
Direkt aufgefallen ist beim Aufbau, dass Zonestar bei der Verbindung der seitlichen Verstärkungsplatten unterschiedlich große Zapfen und Ausschnitte vorgesehen hat, um eine Verwechslung der Seiten zu verhindern. Gerade für Anfänger und ungeübte Aufbauer ist dies eine willkommene Hilfe.
Die Aufbauanleitung ist in Englisch verfasst und größtenteils gut bebildert. An der ein oder anderen Stellen mussten wir zwar nochmal genauer hinsehen, konnten aber alle Teile ohne Probleme verbinden. Hilfreich war dabei die mitgelieferte Pinzette des Bordwerkzeugs.

Wie bei allen anderen Druckerbausätzen gilt auch hier:
Selbst wenn alles schon gut vorbereitet erscheint, solltet Ihr trotzdem große Sorgfalt beim Aufbau walten lassen, denn je genauer Ihr den Drucker aufbaut, umso besser sind später die Endergebnisse beim Drucken.

Das Erscheinungsbild des P802C ist eher schlicht und funktional gehalten und kommt ohne viel Schickschnack daher.
Die einzige Auffälligkeit des Druckers ist, dass dieser mit nur einem Motor für den Z-Antrieb auskommt und die Kraft bzw. die Drehung durch einen Riemenantrieb von der einen zur anderen Gewindespindel überträgt. Hierdurch soll ein synchroner Lauf beider Z-Achsen Spindeln erreicht werden.
Zu den Gewindespindeln ist direkt zu sagen, dass diese, anders als beim Anet A8, kein Trapezgewinde, sondern nur normales metrische M5er Gewinde aufweisen.
Doch gerade das Trapezgewinde ist unserer Meinung nach die technisch bessere Lösung, da metrische Gewinde nicht gut zur Übertragung von Bewegungen geeignet sind.



Keine gute Lösung für die Befestigung der Linearlager

Gespart wurde leider auch bei der Halterung des Heizbettes. Hier wurde anstatt eines Aluminium-Halterahmes auf ein gelasertes Acrylteil gesetzt. Gerade wenn man bedenkt, das ca. 10-15mm darüber das Heizbett mit einer Temperatur von bis zu 100°C und mehr sitz, keine gute Lösung.

Ein weiterer negativer Punkt der uns aufgefallen ist, ist die Befestigungsart der Linearlager. Diese werden mittels Acrylteilen an den Halterahmen des Heizbettes bzw. an den Schlitten des Extruders geklemmt. Der Abstand dafür wird durch einfache Kunststoff-Langmuttern erreicht, welche sehr leicht kaputt gehen kann, wenn man beim Festziehen zu viel Kraft aufwendet.
Warum man hier nicht auf vernünftige Lagerböcke, ähnlich wie beim Anet A8 gesetzt hat, ist uns unbegreiflich.
Trotz allem lässt sich das Druckbett und auch der Extruder leicht bewegen und weißt im ersten Moment kein Spiel auf.
Wer beim Zonestar P802C Riemenspanner sucht, der wird nur bei der Riemenumlenkung für die Z-Achse fündig. Bei allen anderen Achsen wurden auf Riemenspannern leider verzichtet.

Technische Daten

TechnologieFFF/FDM
AusführungBausatz
RahmenmaterialAcryl
Filament Durchmesser1.75 mm
Druckermaße (HxBxT)510 x 400 x 425 mm
Farbeschwarz - rot
DruckkopfBowden Extruder
Düsendurchmesser0.4 mm
HerstellerZONESTAR
Hersteller LandChina
Druckplattformbeheizt 12V 140W
Unterstütztes MaterialPLA, ABS, PETG uvm.
Max. Druckbereich (HxBxT)220 x 220 x 220 mm
AnschlussmöglichkeitenUSB / SD Karte
Softwarealle gängigen Slicer
Systemanforderungenab Windows 7 / MAC OS
Dateiformat.stl , .obj, g-code
Gewicht 6kg
DisplayLCD2004 ADC 5 Tasten

Extruder und Hotend

Der Zonestar P802C verwendet, wie anfangs beschrieben einen Bowden-Extruder mit einem E3D Clone als Hotend.
Eine durchaus gute Lösung bei diesem Drucker, da man hierdurch Gewicht auf der X-Achse sparen kann und hierdurch höhere Druckgeschwindigkeiten erreicht.
Der Motor des Extruders ist am oberen Rahmenteil des Druckers zu finden und muss vor der Verwendung montiert werden.
Das Hotend kommt fertig verkabelt und montiert aus dem Karton und wird mittels einer Klemmschraube in den Schlitten der X-Achse befestigt.
Leider mussten wir genau wegen dieser Befestigungsweise feststellen, dass das Hotend in der Halterung wackelte und unten an der Düse rund 5mm Versatz aufwies, was sich auch direkt als verschobene Layer beim Druck widerspiegelte. Beheben konnten wir das Ganze, indem wir ein Teil konstruierten, welche die Klemmkraft der Schraube nicht nur punktuell, sonder gleichmäßig auf den J-Head des Extruders verteilt.
Ein weiterer und vielleicht sogar der negativste Punkt des Druckers überhaupt, ist die nicht vorhandene Bauteilkühlung. Warum man auf ein so elementar wichtiges Teil verzichtet hat, eschließt sich uns leider nicht. Es gibt einen Lüfter am Schlitten der X-Achse, dieser dient aber lediglich zur Kühlung des Hotends und nicht des Bauteils.

Elektronik

Am Anfang des Artikels haben wir schon erwähnt, dass der Zonestar P802 mit einem RAMPS Board bzw. einem eigens für Zonestar entwickeltem Clone ausgestattet ist.
Wer nun aber meint, dass hier ein Arduino Mega2560 als Basis verwendet wurde der irrt.
Alles ist speziell für diesen Drucker zugeschnitten und aufs Wesentliche reduziert.
Als Firmware wird Repetier in der Version 0.92 eingesetzt.
Alle Anschlüsse für Thermistoren, Endschalter und Lüfter sind mit Steckern versehen und lassen ein falsches Anschließen kaum zu.
Für den Anschluss des Heizbetts, der Heizpatrone des Hotends und der Stromversorgung gibt es auf dem Board eine ordentliche Klemmleiste, die, anders als beim Anet A8, einen guten Eindruck macht.
Auch sind die Kabel, bis auf die Leitung der Heizpatrone des Hotends, mit Kabelschuhen bzw. Aderendhülsen versehen und ausreichend groß dimensioniert. Bei der Verbindung zum MK3 Heizbett wurde übrigens nicht auf einen Stecker gesetzt, sondern alle Kabel ordentlich angelötet.
Auch das aktiv gekühlte Netzteil scheint den gestellten Aufgaben gewachsen zu sein.

Alles in allem scheint man hier nicht am falschen Ende gespart zu haben und hat direkt höherwertige Komponenten als die Konkurrenz eingesetzt.
Besonders erwähnenswert ist noch, dass das Board direkt für einen zweiten Extruder ausgelegt wurde und dieser mit wenigen Handgriffen und etwas Programmieraufwand betrieben werden kann. Die Vorbereitungen hierfür sind größtenteils am Drucker bereits vorhanden. Am oberen Rahmenteil kann der weitere Extruder montiert werden, zudem liegen im Bausatz eine Motorsteuerleitung für den Extrudermotor und ein Thermistor für ein zweites Hotend bei.

Anschlussleiste am RAMPS Mainboard

Druckergebnisse

Nachdem wir das Problem des wackelnden Hotends behoben haben, lieferte der Drucker ganz brauchbare, aber nicht wirklich überragende Ergebnisse. Wahrscheinlich ist dies auch auf den fehlenden Bauteillüfter zurückzuführen.
Wer mit dem Zonestar P802C flexible Filamente verwenden möchte, dem raten wir vor dem Versuch ab, denn durch das Bowden-Setup kann man davon ausgehen, keine brauchbaren Ergebnisse zu erzielen.

Fazit

Zugegeben, für den ersten Moment haben wir gedacht mit dem Zonestar P802C DEN Konkurrenten des Anet A8 gefunden zu haben. Denn der Drucker verfügt über (fast) alles, was wir und Ihr euch beim Anet A8 wünschen: ein RAMPS-Board, ein Bowden-Extruder und ein aktiv gekühltes Netzteil, sowie vernünftige Kabelverbindungen.
Doch beim genaueren Hinsehen mussten wir festgestellt, dass der P802C in keinster Weise an den Anet A8 heranreicht.
Sei es die fehlende Bauteilkühlung, die metrischen Gewindespindeln für die Z-Achse oder die Befestigung der Linearlager, so hat der Zonestar P802C große mechanische Defizite, welche auch die besseren elektronischen Komponenten nicht ausbessern können.

Wenn wir uns etwas wünschen dürften, dann wäre dies eine Mischung aus der Mechanik der Anet Drucker und der Elektronik des Zonestar P802C, gepaart mit Marlin als Firmware und es wäre ein abolut guter Drucker geworden.

So können wir derzeit nur vom Kauf abraten und sagen: Elektronik hui, Mechanik Pfui.

Der Drucker erhält von uns nur 2 von 5 Punkten.

Ulrich Saßmannshausen

Ulrich Saßmannshausen

Mein Name ist Ulrich Saßmannshausen, ich bin der Gründer und Hauptautor von SELBSTgedruckt - 3D-Druck Magazin
Mein Ziel ist es, Euch mit Neuigkeiten, Test und Tutorials aus der Welt des 3D-Drucks zu versorgen.
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